ulf-zuschlag-foto-mini-molars

Hilfsprojekt. Ein Zahnarzt in Kambodscha

Der Hamburger Zahnarzt Dr. Ulf Zuschlag will die Welt eine kleines bisschen besser machen und gründete mit seiner Frau Sombo den Verein Mini Molars Cambodia. Er hilft damit Kindern in einem der ärmsten Länder der Welt

ulf-zuschlag-foto-mini-molars

Aktuell arbeiten zwei Zahnärztinnen, drei Helferinnen und eine Managerin halbtags vor Ort. Auch Studenten aus Deutschland unterstützen das Projekt.

Als Ulf Zuschlag 2012 nach Kambodscha kam, war er vorbereitet. Auf den Müll, den Geruch, die Slums. Auf die Armut, die vielen Waisen. Auf die Zahnklinik, in der der angehende Zahnarzt Gutes tun wollte. Nur eines hatte den damals 30-Jährigen entsetzt: „Ich war sehr erschrocken, wie katastrophal die Zähne der Kinder sind.“

Acht Wochen lang arbeitete Zuschlag damals in dem Hilfsprojekt – mit vielen netten Kollegen und Kolleginnen und einer ziemlich unsympathischen Klinik-Direktorin. „Wir mochten uns nicht“, sagt er rückblickend und muss heute noch lachen. Schließlich ist er längst mit ihr verheiratet, lebt mit ihr und dem zwölfjährigen Sohn seit zwei Jahren in Harvestehude. Der Kontakt nach Kambodscha ist aber nie abgerissen. Im Gegenteil. Aus gelegentlichen Besuchen in der Zahnklinik ist längst ein eigenes Hilfsprojekt entstanden: Im August 2015 gründete das Paar den Verein Mini Molars Cambodia und eröffnete am Rand von Phnom Penh eine eigene kleine Klinik auf dem Gelände einer buddhistischen Pagode. Hier ermöglichen sie Kindern eine zahnärztliche Behandlung und engagieren sich in der Aufklärung.

„Teilweise haben die Kinder noch nie eine Zahnbürste gesehen“, sagt er. „Im besten Fall gibt es eine Familienzahnbürste, und die ist im Zweifel auch schon mal zwei Jahre alt und wird nur sehr sporadisch benutzt.“

Dass die Zähne der Kambodschaner so schlecht sind, liegt nahe. Eine zahnmedizinische Ausbildung an der Uni gibt  es erst wieder seit 1999. Davor waren Dentalmediziner knapp. 1993 waren es gerade mal 349 für 14 Millionen Menschen. Die Roten Khmer hatten die Akademiker in den 70ern fast ausgelöscht. Fatal für die Zahngesundheit. In Kambodscha wächst und gedeiht Zuckerrohr, den Saft gibt es billig zu kaufen – „zusammen mit einer schlechten Mundhygiene bester Nährboden für Karies“, so Zuschlag.

ulf-zuschlag-foto-mini-molars

Nicht modern, aber alltagstauglich: Die Ausstattung der Klinik in Kambodscha / Phnom Penh

Gesunde Milchzähne? „Gibt es fast gar nicht“, sagt er.  Auch nach dem Zahnwechsel sei das Gebiss meist katastrophal. „Oft weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Es ist rätselhaft, wie die Kinder diese Schmerzen überhaupt ertragen können, aber sie kennen es ja auch gar nicht anders.“ Viele Zähne können nur noch gezogen werden, die Schmerzbehandlung hat Vorrang.

800 Kinder wurden im ersten halben Jahr behandelt, in 2016 waren es bereits 3.000. Die Ausstattung der Klink sei zwar nicht die modernste, aber dafür alltagstauglich, betont Dr. Zuschlag. Drei druckluftbetriebene Stühle stehen zur Verfügung. Ein Job in der Klinik ist begehrt. Die Mönche kümmern sich um eine komfortable Ausstattung, die Bezahlung ist überdurchschnittlich.

Verdient ein Zahnarzt in Kambodscha normalerweise um die 250 Dollar bei einer halben Stelle, sind es in dem Hilfsprojekt sogar 500 Dollar. Aktuell arbeiten dort zwei Zahnärztinnen, drei Helferinnen und eine Managerin halbtags. Auch Studenten aus Deutschland unterstützen das Projekt. Sie kommen als freiwillige Helfer für einige Wochen in die Pagode. „Das ist für viele ein einmaliges Erlebnis. Und es erdet“, weiß Zuschlag aus eigener Erfahrung.

Warum er das auch heute immer noch macht? „In erster Linie für mich. Es gibt mir ein ungemein gutes Gefühl, bringt mir Spaß und es ist toll, zu sehen, dass die Behandlung ein Erfolg war. Plötzlich trauen sich die Kinder wieder zu lächeln und Zähne zu zeigen.“

Was das Hilfsprojekt braucht? „Auf jeden Fall Geld“, betont Zuschlag, der sein Erspartes selbst auch in das Projekt steckt. Davon wolle man schon bald einen „Tour-Bus“ kaufen.

ulf-zuschlag-foto-mini-molars

Das Gesundheitssystem in Kambodscha liegt am Boden. Neben Geld benötigt der Verein auch Basics. Zahnbürsten zum Beispiel.

Momentan darf das mobile Team das Auto der Pagode benutzen – mit fast 400.000 Kilometern auf dem Buckel und 13 Unfällen ein nicht ganz zuverlässiges Fortbewegungsmittel. Auch Zahnbürsten sind willkommen. „Letztes Jahr hat eine Londoner Schule gesammelt: Jeder der 600 Schüler sollte eine Bürste mitbringen: Wir haben 1.000 Stück bekommen“, erzählt Zuschlag, der von seinen Einsätzen in Kambodscha zehrt: „Die Dankbarkeit, die ich da von einem Kind zurückbekomme, krieg ich hier manchmal in einer ganzen Woche nicht. Wir wissen, dass wir niemals fertig werden. Unser Ziel ist es, im Jahr 2019 10.000 Kinder zu behandeln – und doch wissen wir, dass es weiterhin nicht genug sein wird. Aber es macht die Welt ein ganz kleines bisschen besser.“ / Text: Ilona Lütje / Foto: Mini Molaris

www.minimolars.de

Für nur 10 Euro kann ein Kind in Kambodscha ein Jahr zahnmedizinisch versorgt werden! Der Verein stellt Spendenquittungen aus.

Kontakt:

Mini Molars Cambodia e.V.
Dr. Ulf Zuschlag
Jungfrauenthal 1
20149 Hamburg
Tel: +49 176 / 219 323 71

smile@minimolars.de


Ilona LuetjeZahnarztpraxis in Kambodscha statt Skiurlaub und Segelboot: Vor Menschen wie Ulf Zuschlag zieht Chefredakteurin Ilona Lütje den Hut.

2 Antworten
  1. Polsterblitz Hamburg
    Polsterblitz Hamburg says:

    Toll viel Erfolg und viele Spenden für solch ein sinnvolles Projekt – Weiter so Ulf, das Ziel 2019 erreichst du bestimmt! Wenn du eine Polsterreinigung für deine Praxis benötigst melde dich. Wir spenden dann 100% des Umsatz an deinen Verein. Beste Grüße

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.