Happy Birthday, Gängeviertel! 

Ein ohrenbetäubendes Trompetenkonzert zum sechsten Geburtstag – das Gängeviertel feiert mit ellenlangem Programm

„Arm, aber sexy“ – den Spruch hat zwar Berlin auf ewig gepachtet, aber im Hamburger Gängeviertel herrschen ähnliche Zustände wie in der Hauptstadt. Seit Februar gibt es einen Planungsstopp zwischen den Vertretern des Gängeviertels und den zuständigen Behörden der Stadt. Vereinbarte Zielen seien verfehlt worden, weder Lösungen für Fragen zur Genossenschaftsanbindung, noch zum Betrieb der Fabrique als Zentrum für Kunst, Kultur, Politik und Soziales sowie zu alternativen Finanzierungs- und Sanierungsverfahren gefunden.

Nichts sei geklärt, so die Vertreter der Gängeviertel-Initiative, obwohl die Bauarbeiten in der Fabrique und in der Jupi Ende September abgeschlossen sein sollen. Auch was die Gängeviertel-Zweigstelle im Oberhafen mit der Alten Bahnmeisterei und dem Moloch angeht, hänge man in der Luft. „Unschöne und vor allem ungewisse Zeiten, die uns arm machen, arm an Geld, aber superreich an Ideen, Zusammenhalt, Solidarität, Liebe und politischen Willen“, erklärt die Initiative.

HH_Gaengeviertel_SpeckstrPSOUnd umso unsicherer die Zeiten, desto wilder muss gefeiert werden: Zum sechsten Geburtstag des Gängeviertels, das am 22. August 2009 mit einem „Hoffest“ besetzt wurde – die roten Punkte waren damals überall in der Stadt verteilt und lockten in den Valentinskamp.

Im Juli hat bereits mit einem umjubelten Konzert der „Goldenen Zitronen“ eine Soli-Veranstaltungsreihe für die Selbstverwaltung im Gängeviertel gestartet. Im Rahmen des Geburtstagssause stellt Nils Boeing sein Buch „Von Wegen – Überlegungen zur freien Stadt der Zukunft“ vor; außerdem wird es Ausstellungen wie „Arm aber sechs, ey“ mit Künstlern aus dem Gängeviertel und Musik u.a. von Mark Boombastik geben. Also, „komm in die Gänge“ – auch so ein Spruch. Der gehört aber definitiv zu Hamburg.

Text: Julia Braune
Foto: Doris Antony, Berlin – Eigenes Werk

Gängeviertel
Valentinskamp 39 (Neustadt)
21.-23.8.