The Table

Drei-Sterne-Koch Kevin Fehling eröffnete in der HafenCity ein Restaurant, in dem es nur einen Tisch gibt

SZENE HAMBURG: Ihr Konzept einer weltoffenen Küche bleibt bestehen. Das Restaurant aber wird etwas ganz Neues: Es soll nur einen Tisch geben. Heißt das, Ihr Restaurant ist nichts für Pärchen oder Geschäftsleute, die unter sich bleiben wollen?

Kevin Fehling: Doch. Die Gäste schauen von einer Seite direkt in die Küche, und ihnen gegenüber sitzt niemand. Als Pärchen ist man genauso weit von seinen Nachbarn entfernt wie in einem anderen Restaurant, weil der Tisch unglaublich lang ist. Ein Geschäftsessen ist selbstverständlich auch möglich. Insgesamt wird die Atmosphäre ein bisschen lauter sein, auch werden Gast, Service und Küche miteinander verschmelzen. Die Köche werden vor den Gästen bestimmte Sachen anrichten und vielleicht auch etwas zeigen, etwa wie eine Ente tranchiert wird. Es soll halt, das finde ich sehr wichtig, alles ein bisschen lockerer werden.

Wirklich wohl fühlen sich im Sternerestaurant nur wenige Gäste. Vielmehr wird in der Branche von Schwellenangst gesprochen, die den Gästen genommen werden soll. Wie stellen Sie sich die Wohlfühlatmosphäre vor, die Sie schaffen wollen?

In neuen Privathäusern gibt es ja fast nur noch offene Küchen. In der Steinzeit war das Feuer auch in der Mitte der Höhle, und heutzutage finden die besten Gespräche und Partys in der Küche statt. Wenn man das aufs Gourmetkonzept spiegelt, sagen wir: Fühl’ dich wie zuhause. Wenn ich irgendwo eingeladen bin, dann frage ich auch nicht, was gibt es bei dir zu essen. Wir haben vor, bei der Reservierungsbestätigung auch das Menü zu versenden. Wenn dann jemand keine Gänseleber mag oder eine Krustentierallergie hat, dann werden wir eine Alternative anbieten.

Wir stellen uns vor, dass gegen 19 Uhr die ersten zehn Gäste kommen. Dann gibt es Champagner, Apéro-Gebäck, und wenn sich die Gäste dann gesammelt haben, beginnt es mit den Vorspeisen. Das bedeutet sechs Köche, zwölf Hände, zwölf Augen konzentrieren sich nur auf dieses eine Gericht; und der zweite Schub von Gästen kommt dann gegen 20 Uhr. Für diesen heißt das, er wird drei, dreieinhalb Stunden entertained, in denen wir 14, 15 kleinere und größere Gerichte servieren.

Eine neue Umgebung für Sie, eine offene Küche und mehr Lockerheit im Restaurant, werden die Gäste, die Sie bereits aus Travemünde kennen, einen neuen Kevin Fehling erleben?

Ein neuer Kevin Fehling? Vielleicht kannte man den Kevin Fehling bislang gar nicht, weil er in der Küche war. Vielleicht lernt man ihn jetzt einfach besser kennen. Ich habe da auch richtig Lust zu. Wir wollen Einzigartigkeit schaffen. Ich denke, die Zeit ist reif für solche offenen und kommunikativen Konzepte. In Deutschland haben wir so gute Köche, so viele Sterne, aber wir brauchen neue Konzepte.

Interview: Kersten Mügge

The Table
Shanghaiallee 15 (HafenCity)
August bis September: Mi-Sa 19 & 20, Sa+So 12.30 Uhr
Ab Oktober: Di-Sa 19 & 20 Uhr
www.thetable-hamburg.de