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Unter meinem Bett. Schlummerlieder unter anderem mit Enno Bunger

Prominente Musiker spielen Kinderlieder – das kommt an, auch bei Erwachsenen

Die zweite Ausgabe von „Unter meinem Bett“ etwa bietet süße Stücke zum Einschlafen oder Lange-wach-bleiben für letztlich jedes Alter. Neben Künstlern wie Bela B., Das Bo und Lisa Bassenge ist Sänger und Songschreiber Enno Bunger mit einem Song auf dem Album vertreten. Im Interview spricht er über seine persönlichen Schlafroutinen und musikalischen Vorlieben von der Kindheit bis heute

Interview: Erik Brandt-Höge, Fotos: Oetinger Verlag/ Benedikt Schnermann (Bunger)

SZENE HAMBURG: Enno, kleine Zeitreise: Wie hat man dich als kleinen Jungen zum Schlafen gekriegt? Vorlesen? Vorsingen? Hörspiele? Wie war das damals?

Enno Bunger: Meine Mutter und meine älteren Brüder haben mir so lange vorgelesen, bis ich irgendwann selbst lesen konnte. Und ich habe mich oft auch selbst mit irgendetwas in den Schlaf gesungen. Ich schlief und schlafe für mein Leben gern und halte mich da an die Beatles: „All you need is Schlaf.“

Und gibt es Dinge aus dieser Zeit, also bestimmte Routinen fürs Ins-Bett-gehen, die du dir bis heute bewahrt hast? 

Was sich in meiner Kindheit schon abzeichnete, war eine gewisse Affinität zum späten Schlafengehen und zur Morgenmuffelei. Die pflege ich bis zum heutigen Tag. Ich stehe aufs Liegenbleiben.

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Magst du heute noch einige Lieder aus deiner Kindheit?

Als Kind hört man Musik etwas anders. Früher stand ich mehr auf schnelle Stücke als heute. Es brauchte immer einen guten Rhythmus, einen schnellen Drive, den ich heute nicht mehr unbedingt haben muss. Viele Film- und Fernseh-Jingles haben es mir damals angetan, von Disney bis Airwolf. Und schon immer haben mich schöne Akkorde und Melodien fasziniert. Ich hatte einen Teddybär, der das „Love Story Theme“ spielte. Das sind Melodien für die Ewigkeit.

Was muss ein zeitloses Kinderlied denn deiner Meinung nach generell haben? 

Ach, ich bin kein Freund von solchen Grundsatzdefinitionen. Das ist auch immer Geschmackssache.

Viele finden ja, Kinderlieder bräuchten eine Message, bestenfalls eine mit Anstand und Moral. Was meinst du dazu?

Warum muss man denn da immer unterscheiden? Kinder lieben Quatsch, Erwachsene hoffentlich auch. Es gibt Songs, die haben eine gute Message, es gibt aber auch total blödsinnige, lustige Lieder, die genauso wichtig sind.

Du selbst scheinst vor allem auf entspannte Botschaften für die kleinen – und natürlich auch großen – Hörer zu setzen. In deinem selbst geschriebenen Lied „Stachelschwein“ singst du nun: „Dann piekst das Leben und es tut weh, doch schon bald ist wieder alles okay.“

Ich wollte ein cooles Mut-mach-Lied machen, das zu mir passt. Neulich bin ich auf einen Artikel gestoßen, in dem Kinder den Sampler bewerteten. Ein Kind schrieb: „Der Sänger kann sehr gut traurig singen.“ Ich glaube, das ist das schönste Kompliment, das ich je bekommen habe.

 

Wie bist du beim Schreiben vorgegangen? Fiel es dir schwer – vielleicht auch schwerer als dein sonstiges Songwriting?

Ich habe dieses Lied mit meiner Freundin Sarah von Sarah And Julian geschrieben. Wir haben zusammen herumgesponnen und hatten am Anfang die Idee mit dem Stachelschwein, das für seinen besten Freund, den Bären, seinen Lieblingskuchen, eine Stachelbeertorte, backt und dann aber sitzen gelassen wird. Es war nicht schwerer als sonst, im Gegenteil, ich musste nicht einen künstlerischen Anspruch halten, sondern nur auf mein inneres Kind hören.

Ist dir die Schönheit der Melancholie, die in so vielen deiner Songs steckt, auch fürs Schreiben eines Kinderliedes wichtig gewesen? Oder ist die einfach so passiert? 

Die ist, glaube ich, inzwischen schon ein Automatismus. Ich setze mich nicht hin und nehme mir vor, ein melancholisches Lied zu schreiben. Ich kann meistens nicht anders.

Vielleicht hat Melancholie auf dich ja allgemein eine sehr beruhigende Wirkung. Welche Musik hörst du denn aktuell am liebsten abends vorm Schlafen?

Zum Einschlafen brauche ich Musik, die ich schon oft gehört habe. Bei unbekannter Musik kann ich nicht abschalten, da analysiert mein Kopf immer die harmonischen Zusammenhänge. Ich empfehle „Sleep“ von Max Richter. In den letzten beiden Jahren habe ich keine Platte häufiger gehört.

Tipp: Am 8.1. um 15 Uhr findet in der Fabrik das Release-Konzert statt.

 

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