American Cycles: Eine fotografische Reise durch Amerikas Krisen
Vom 28. November 2025 bis zum 10. Mai 2026 präsentiert das PHOXXI – Haus der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg die Ausstellung „American Cycles“. Es ist die erste große institutionelle Einzelausstellung des mexikanisch-amerikanischen Fotografen Phillip Montgomery in den Deichtorhallen und zugleich eine eindringliche Bestandsaufnahme der Vereinigten Staaten im Ausnahmezustand. Phillip Montgomery zählt zu den renommiertesten zeitgenössischen Fotojournalisten der USA. Seine Arbeiten erschienen neben weiteren in Vanity Fair, The New Yorker, The New York Times Magazine und im ZEIT-Magazin. Für seine Arbeiten wurde er unter anderem mit dem National Magazine Award und dem World Press Photo Award ausgezeichnet.
Amerika in der Krise: Gesellschaftliche Bruchlinie im Fokus
Seit 2014 dokumentiert Montgomery die tiefgreifenden gesellschaftlichen Krisen der USA. Seine konsequent in Schwarz-Weiß gehaltenen Fotografien verdichten politische Spannungen und soziale Ungleichheiten zu eindrucksvollen Bildmomenten. Er zeigt die Opioidkrise und ihre verheerenden Folgen, Proteste im Kontext der Black-Lives-Matter-Bewegung, Naturkatastrophen und wirtschaftliche Unsicherheiten sowie die politische Polariserung von Trumps erster populistischen Kampagne. Montgomery versteht es, journalistische Präzision mit einer klaren ästhetischen und nahbaren Handschrift zu verbinden. Seine Bilder sind direkt, oft schonunglos und zugleich von großer Sensibilität geprägt.
Eindringliche Bilder: Gesellschaftliche Bedeutsamkeit
Eindrucksvoll ist unter anderem eine Fotografie aus Kalifornien, aufgenommen während des Tubbs Fire im Jahre 2017. Sie zeigt einen Feuerwehrmann, der zugleich Gefängsnisinsasse ist (siehe Titelbild). In Kalifornien besteht ein erheblicher Teil der Feuerwehrkräfte aus Inhaftierten, die für etwa einen Dollar pro Stunde arbeiten. Das Bild steht sinnbildlich für strukturelle Ungleichheit und wirft Fragen nach Gerechtigkeit und Ausbeutung auf. Weitere zentrale Motive der Ausstellung thematisieren Verhaftungen wie in Tulsa, die bewegende Aufnahme von George Floyds Sohn sowie Proteste, bei denen Demonstrierende Tränengas ausgesetzt sind. Montgomerys Fotografien gehen dabei über reine Dokumentation hinaus. Sie erzählen von Machtstrukturen, Rassismus, wirtschaftlicher Not und der zunehmenden Spaltung eines Landes, das sich immer wieder neu erfinden muss.
Ausstellungskonzept im PHOXXI: Raum als Spiegel der Spaltung
Auch die räumliche Inszenierung im PHOXXI – Haus der Photographie greift das Thema der gesellschaftlichen Spaltung auf. Der Ausstellungsraum ist bewusst geteilt und reflektiert damit die Polarisierung der USA. Die Fotografien sind nummeriert, sodass Besucherinnen und Besucher mithilfe eines begleitenden Booklets vertiefende Hintergrundinformationen zu jedem Werk erhalten können. Ein Teil der Ausstellung befindet sich auf der Etage, weitere Arbeiten sind nach den Stufen im oberen Bereich zu entdecken. Der Rundgang lädt dazu ein, sich intensiv mit den Bildern auseinanderzusetzen und die erzählten Geschichten in Ruhe nachwirken zu lassen.
„American Cycles“ in Hamburg ist mehr als eine Fotoausstellung. Sie ist eine visuelle Chronik eines Landes im Umbruch und bietet eine vielschichtige Perspektive auf die prägenden Herausforderungen der USA unserer Zeit. Wer eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Fotografie erleben und zugleich gesellschaftspolitische Themen reflektieren möchte, findet hier eine Ausstellung, die bewegt, irritiert und nachhaltig beeindruckt.

