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Bedrohte Räume #33 – Die Generation Y

Maybe Revolution oder eine Generation ohne Raum.

Gestern komme ich inspiriert von einer Tagung zurück, die einen schwer bedrohten Raum diskutierte, der mir vorher als solcher gar nicht bewusst war: der Raum der Generation Y. Ich wusste nicht, dass die armen Gürkchen nicht ausreichend Platz zur Selbstverwirklichung haben. Sie suchen Glück, Freiheit und Sicherheit und sie fühlen sich von uns ausgebremst. Sie wollen nach oben, doch wir lassen sie nicht ran. Wussten Sie das? Ich war scheint’s mit meiner Birne im Nebelwald der Multioptionsgesellschaft verloren gegangen! Hatte ja keine Ahnung!

Ich fordere sofort, dass die Gen Y endlich loslegt, denn wir Ollen werden weder Global Warming, digitale Transformation noch Wettrüsten ohne sie beenden. Mehr Scheiße als wir angerichtet haben, schaffen die Generationen Y und Z nicht mal im Tandem. Sie sagen, die Ypsilons sind die relaxtere Generation X und fordern den Generationswechsel now! Gen Y ist die weniger leistungsorientierte und mehr Work-Life-Balance draufhabende Generation, vor allem im Vergleich zur stressigen Generation Babyboomer. Die Neuen haben mehr Spaß, arbeiten wertvoll, founden Familys und chillen auch noch dabei. Und sie sind revolutionärer als die 68er, denn sie machen nicht so einen Radau. Sie hören keinen Hendrix und nehmen auch keine Drogen, es sei denn vielleicht mal ein Portiönchen MDMA auf ’ner Party. Die Generation Y vollzieht ihre Revolution eben leise, partizipativ, global, hat viel Spaß und kuschelt gern, anstatt die Zähne zu zeigen. Da legt sie sich nicht fest, die Maybe-Generation, denn sie muss flexibel und mobil bleiben.

„Ich bin begeistert! Leute, go, go, go!“ schmettere ich zum Schluss vom harten Tagungsstuhl Richtung Mindmap, „legt los!“ „Würden wir ja gerne“, antworten sie, „aber die Generation Schulterzucken kriegt ja keinen Space! Die Babyboomer sind nervige Berufsjugendliche, die ihre Führungspositionen nicht aufgeben. Sie sind es, die nur durch Leistung an die Werkbank kamen und so krass ihre Hacke in den Teer gerammt haben, dass sie auch mit dem Stemmeisen nicht vor die Tür zu bugsieren sind.“ „Und die 68er?“ „Noch schlimmer! Die sitzen in Politik, Konzernen und Institutionen ganz oben und trauen keinem unter 40! Die wissen nun wirklich alles besser, finden sich saucool, ziehen auf dem Stones-Konzert immer noch die Lederkutte drüber und schieben ihre Protestschilder durch jeden Türschlitz.“ Du liebe Güte, das klingt furchtbar! Generationswechsel Tschaui! Generation Y – im Netz ganz groß und doch außen vor?

Die Alten sind toxisch, Leute, um mal die Generalmetapher der Gegenwart zu zücken! Das war immer so. Neu ist aber, dass wir der Generation Y Raum GEBEN müssen, denn die grabscht sich den nicht so einfach wie wir früher. Sie ist höflich. Die Maybes brauchen Pop-up-Stores zum Ausprobieren, partizipative Festivals, flache Hierarchien und dezentrale Planungen – und am besten alles auf Englisch! Sie wollen involviert sein, agieren selbstverwirklichend, wollen materiellen Verzicht, globales Handeln, Leben im Hier und Jetzt, Crewlove und das auf Versuchsfeldern, die sie ganz eigenständig beackern. Ich liebe das und bin sofort Fan!

Doch wie, fragte ich mich im Tagungsdunkel, wie kriegt die Generation Konjunktiv II fluide, virtuelle und temporäre Räume, wenn sie doch so ungern öffentlich Haltung zeigt? Nicht, dass sich jemand defriendet! Und woher kommt der Space, wenn die Bereitschaft dafür, dicke Bretter zu bohren, so tief im Kurs liegt? Liegt das Geheimnis wirklich im Verzicht? Na, darüber können wir dann ja in den neuen mixed Teams sprechen. Ich sage, die Gen Y hat ein Recht auf jeden Raum und fordere deshalb fluide Teams, Dabeisein-to-go, shared leaderships, Home-Office, dritte Orte und 24/7 Digitalität, denn nur so können wir die Revolution anzetteln.

Das Team von RockCity hat OPERATION TON 2019 übrigens genau deshalb mit agilen Strukturen und flachen Hierarchien zum ersten kollektiv gebuchten Festival umgebaut. Es hat eine META-Plattform geschaffen, die Mitmachen, Produzieren, Interaktion und Sinn bietet, und das fast 24/7. Ihr müsst nur noch die Tickets kaufen – social ticket or pay what you can? Ich find’s geil!

Eure Raumsonde

Andrea


Who the fuck is…

Andrea Rothaug Szene Hamburg Stadtmagazin

Foto: Katja Ruge

Andrea Rothaug ist eine musikalische Raumsonde mit Hang zum Wort, Kulturmanagerin, Autorin, Dozentin, Veranstalterin, Präsidentin. Was diese Frau so alles treibt, erfahren Sie unter www.andrearothaug.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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