SZENE HAMBURG: Jenny Jasberg, die Hamburger Grünen bezeichnen sich als feministische Partei. Müsste sich also von selbst verstehen, dass der Gender-Pay-Gap Ihnen ein Dorn im Auge ist. Wie wollen Sie in den kommenden fünf Jahren dagegen angehen?
Jennifer Jasberg: Der Kampf gegen Lohndiskriminierung ist ein zentrales grünes Anliegen. Überall muss gelten: gleicher Lohn für gleiche Leistung. Dafür braucht es mehr Aufmerksamkeit in der ganzen Gesellschaft, aber auch konkrete Änderungen. Wir setzen auf ein Verbandsklagerecht, durch das Verbände und Gewerkschaften Betroffene aktiv unterstützen können. So lässt sich Lohndiskriminierung effektiv verhindern. Zudem fordern wir ein wirksames Gesetz für Lohngerechtigkeit auf Bundesebene, um den Gender-Pay-Gap aktiv zu bekämpfen.
Eines Ihrer Ziele ist es, bis 2040 für Klimaneutralität in Hamburg zu sorgen. Was muss im oben genannten Zeitraum konkret an Maßnahmen eingeleitet werden, damit das realistisch bleibt?
Um bis 2040 klimaneutral zu werden, werden wir weiter erneuerbare Energien wie Windkraft und Solarenergie ausbauen. Zudem setzen wir auf klimaneutrale Wärme und Elektrifizierung, sowohl durch E-Autos als auch in der Industrie. Wir brauchen mehr grünen Wasserstoff und große Wärmespeicher. Wissenschaftliche und technische Entwicklungen haben die Erwartungen an vielen Stellen längst überholt – das stimmt uns sehr optimistisch. Erneuerbare sind nicht nur gut fürs Klima, sondern auch für den Geldbeutel der Menschen. Mit unserem Klimaschutzgesetz haben wir viel erreicht und werden diesen erfolgreichen Weg weiter beschreiten, damit Hamburg lebenswert und wirtschaftlich stark bleibt.
Wie wollen die Grünen Hamburg zur Fahrradstadt machen?
Sie betonen des Öfteren, dass Sie „Politik auf Augenhöhe“ machen möchten. Welche Ideen haben Sie, um den Dialog mit den Wählern und Wählerinnen zu stärken?
Gute Politik beginnt im guten Gespräch, vor Ort und digital. Aktive Beteiligung und Basisdemokratie sind uns seit jeher sehr wichtig. Deshalb wollen wir Beteiligungsverfahren ausbauen, in den Bezirken verstärkt auf Bürger*innenräte setzen und Jugendbeteiligung dort verankern sowie mehr Transparenz schaffen. Das gilt gerade auch im digitalen Raum: Mit dem neuen DIPAS-Navigator können Bürger*innen einfach nachvollziehen, wo in der Nähe welches Beteiligungsverfahren läuft oder kommt.
Die Grünen setzen auf den Ausbau des ÖPNV. Dazu soll auch der Fußverkehr innerhalb der Stadt verbessert werden. Welche Strategien haben Sie entworfen, um Wähler und Wählerinnen zu motivieren, alltägliche Dinge häufiger zu Fuß zu erledigen?
Menschen gehen viel und oft zu Fuß – deswegen machen wir den Fußverkehr noch attraktiver. 2024 haben wir bereits eine Fußverkehrsstrategie auf den Weg gebracht. Überall, wo Platz ist, setzen wir uns für breite, komfortable Fußwege ein und wollen künftig 60 Kilometer Gehweg jährlich sanieren oder neu bauen. Wir brauchen noch besser beleuchtete Fußwege, verkürzte Ampelzeiten für den Fußverkehr und feste Parkzonen für E-Scooter. Gerade auch für ältere Menschen erleichtern wir damit erheblich den Alltag zu Fuß.
Gebetsmühlenartig wiederholt Ihre Partei das Ziel, Hamburg zur Fahrradstadt zu machen. Wann denken Sie, ist Hamburg denn ernsthaft vergleichbar mit Velo-Metropolen wie Amsterdam und Kopenhagen?
Hamburg geht seinen eigenen Weg und macht riesengroße Fortschritte dabei. In den vergangenen Jahren haben wir insgesamt 300 Kilometer Radwege neu gebaut oder saniert. Der Großteil davon ist geschützt, damit alle sicher ans Ziel gelangen. Ein großer Erfolg – aber da geht natürlich noch mehr! Wir werden das Radfahren in unserer Stadt weiterhin stärken, mit zusätzlich geplanten Bezirksrouten und Radschnellwegen ins Hamburger Umland.
Dieses Interview ist zuerst in SZENE HAMBURG 02/2025 erschienen.