Hamburg wählt: 5 Fragen an Jochen Brack, BSW

Am 2. März 2025 wählen Hamburgerinnen und Hamburger, wer ihre Interessen in der Bürgerschaft vertritt. Die Fraktionsvorsitzenden beziehungsweise Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der großen Parteien beantworten jeweils fünf Fragen, die sie von SZENE HAMBURG per Mail erhalten haben. Dieses Mal: Dr. med. Jochen Brack, Spitzenkandidat von Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW)
Dr. med. Jochen Brack, BSW-Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl 2025 (©Dr. med. Jochen Brack)

SZENE HAMBURG: Als Spitzenkandidat des BSW sind Sie nun eine Person des öffentlichen Lebens – dennoch werden Sie für einige ein unbeschriebenes Blatt sein, da Ihre politische Laufbahn noch recht kurz ist. Was für ein Politiker also ist Dr. Jochen Brack? Der Nachbar, der Wahlkampf an der Haustür macht oder der Performer, der die große Bühne sucht?

Jochen Brack: Ich bin kein Politikprofi und strebe keine Politikerkarriere an. Ich bin erstmals in einer Partei organisiert. Ich werde auch weiterhin meinem Beruf als Facharzt für Psychiatrie und Suchtmedizin nachgehen. Es geht mir nicht um Selbstdarstellung, sondern um die dringende Notwendigkeit einer Richtungsänderung auch in Hamburg, hin zu Frieden und Entspannung statt „Kriegstüchtigkeit“ und immer weitere Aufrüstung.

Der Hamburger Landesverband des BSW ist noch jung, doch wirkt nach den Unruhen bei und nach dessen Gründung im Dezember 2024 fast schon zerstritten. Steht für Sie erst mal interne Schlichtung an, bevor Sie sich Themen widmen können, die auch den Rest von Hamburg betreffen?

Wir haben den Hamburger Landesverband Bündnis Sarah Wagenknecht gegen alle Widerstände von außen gegründet und treten zu den Bürgerschaftswahlen in Hamburg an. Hamburg muss zur Friedenshauptstadt werden, der Hafen darf nicht zum Drehkreuz für Waffenlieferungen in alle Welt werden. Hamburg muss gegen die zunehmende Armut, steigende Mieten und Wohnungsmangel aktiv werden. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer.

Wie will das BSW für soziale Gerichtigkeit sorgen?

Auf seiner offiziellen Website wirbt das BSW für sich als eine Partei der Vernunft und behauptet, Deutschland sei „in keiner guten Verfassung“. Wie geht es Ihrer Meinung nach denn Hamburg?

Auch Hamburg ist „in keiner guten Verfassung“. So sagt die Hamburger Handelskammer: „Wir drohen alles zu verspielen.“ 63 Prozent der Hamburger Unternehmen beklagen, dem Senat fehlt eine langfristige Strategie zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Die deutsche Wirtschaft stagniert seit fünf Jahren. Die Gesundheitsversorgung ist gefährdet. Der Wohnungsbau stagniert, die Mieten sind nicht mehr bezahlbar, die Obdachlosigkeit wächst.

Überall steigen die Mieten, die Löhne aber nicht. Bei diesem Problem scheinen zwei Kernthemen aus dem Programm des BSW zu kollidieren: „wirtschaftliche Vernunft“ und „soziale Gerechtigkeit“. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um in Hamburg für faire Löhne und bezahlbaren Wohnraum zu sorgen?

Wirtschaftliche Vernunft und soziale Gerechtigkeit sind zwei Seiten einer Medaille und kein Widerspruch. Wir setzen uns für eine soziale Marktwirtschaft ein, die nicht zu weiterem sozialen Abstieg und Vermögensungleichheit führt. Wir unterstützen die Forderung des DGB nach einer deutlichen Erhöhung des Mindestlohnes auf 15 Euro. Wir fordern, dass Aufträge von Hamburg nur noch an Unternehmen vergeben werden, die nach einem Tarifvertrag der jeweiligen Branche zahlen.

In anderen Bundesländern, etwa in Thüringen und Sachsen, sind die Wählerwanderwege bereits bekannt – viele Ex-Wähler der Linken haben sich dort für das BSW entschieden. Was denken Sie: Wie links ist Hamburg noch?

Wir müssen auch in Hamburg zu einem Richtungs- und Politikwechsel kommen, hin zu einer Abrüstungs- und Entspannungspolitik und einer Wirtschaftspolitik, die nicht zu einer immer größeren Kluft von Arm und Reich führt, zu unbezahlbaren Mieten, zu weiter ansteigenden Energiepreisen. Dieses ist keine Frage von links oder rechts: Hamburg darf nicht in einen Krieg hineingezogen werden, weil wir einen großen Krieg im Atomzeitalter nicht überleben werden!

Dieses Interview ist zuerst in SZENE HAMBURG 02/2025 erschienen. 

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