SZENE HAMBURG: Katarina Blume, schon bei der Bürgerschaftswahl 2020 scheiterte die FDP knapp an der Fünfprozenthürde. Wird es nach dem Ampel-Aus auf Bundesebene nicht noch schwieriger für Ihre Partei, wieder in Fraktionsstärke in die Bürgerschaft zu gelangen?
Katarina Blume: Nein, es ist leichter für uns. Wir müssen nicht mehr länger einen Spagat machen zwischen Hamburg und Berlin. Bei beiden Wahlen treten wir an für mutige Reformen, die die Wirtschaft wieder auf Kurs bringen und für Wachstum und Wohlstand sorgen.
Zudem ist die ehemalige FDP-Spitzenkandidatin und Bürgerschaftsabgeordnete Anna-Elisabeth von Treuenfels-Frowein im Juli 2024 zur CDU abgewandert und könnte wichtige Stimmen von Wählerinnen und Wählern zu ihrer neuen Partei mitnehmen. Wie wollen Sie das verhindern?
Den Schritt von Anna von Treuenfels bedaure ich, er war aber nicht ganz überraschend. Wir hatten bereits zuvor eine gewisse Distanz von ihrer Seite aus verspürt. Wir blicken nach vorn: Wir haben jetzt ein tolles Team, das zur Wahl antritt. Mit mir an der Spitze und weiteren starken Persönlichkeiten. Übrigens: Mit unserem Bürgerschaftsabgeordneten Sami Musa und Joachim Seeler haben wir zwei prominente Politiker, die aus der SPD zu den Freien Demokraten übergetreten sind. Und mit Walter Scheuerl ist der wohl prominenteste Bildungs-Aktivist der letzten Jahre zu uns gekommen. So schließt sich der Kreis …
Warum setzt die FDP auf Bürokratieabbau?
In Ihrem Bürgerschaftswahlprogramm spricht sich die FDP für die Einführung einer Arbeitspflicht für Geflüchtete aus. Für solche kommunalen und gemeinnützigen Tätigkeiten ist eine Aufwandsentschädigung von 80 Cent pro Stunde vorgesehen. Wie sollen Geflüchtete dabei noch die Zeit finden, um sich auf einen regulären Job zu bewerben?
Aber das ist doch kein Gegensatz! Die gemeinnützige Arbeit ist ein erster Schritt raus aus der Eintönigkeit in den Unterkünften und rein ins echte Leben. Genau so findet Integration statt und genau so wird ein erster Schritt in einen geregelten Arbeitsalltag gefunden. Das beste Sprungbrett in einen regulären Job.
Sie wollen die „Stadt von all den Fesseln befreien, die sie zurückhalten“ und haben dabei vor allem bürokratische Vorschriften, die Betriebe und Unternehmen regulieren, im Blick – doch was nützt das den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern?
Das kann ich Ihnen genau sagen: Sie werden auch morgen noch einen sicheren Job haben. Unternehmen müssen sich wieder auf das konzentrieren können, was sie am besten machen: nämliche auf ihre Produkte und Dienstleistungen. Und nicht auf das Ausfüllen von Formularen und Anträgen. Dann können sie wirtschaftlich erfolgreich sein und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch gut bezahlen.
In Ihrer Bewerbungsrede für Listenplatz 1 sagten Sie: „Wir haben ein Drehbuch für Hamburg geschrieben, ich möchte jetzt die Regie übernehmen, um mit einem starken Team einen Oscar zu gewinnen.“ Von Komödie über Drama bis Fantasy – auf was für ein Filmgenre dürfen wir uns einstellen?
Auf eine Heldengeschichte. Wären wir im Fernsehen, könnten Sie jetzt mein Lächeln sehen … Aber im Ernst: Wir haben Ideen, mit denen wir dafür sorgen wollen, dass sich in der Stadt wieder etwas bewegt. Mehr Bauen, damit Mieten bezahlbar werden. Staus reduzieren, die kosten Nerven und schaden der Umwelt. Dafür sorgen, dass der Hafen international wieder mitspielt. Das ist unser Drehbuch für Hamburg.
Dieses Interview ist zuerst in SZENE HAMBURG 02/2025 erschienen.