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Daten während Corona: Spazieren, frieren und Mäskchen halten

Single und auf der Suche? Keine gute Zeit, um zu daten. Wer es doch tut, benötigt starke Nerven und eine warme Jacke

Text: Johanna Zobel

 

Schon vor Corona war Onlinedating in der Singlewelt präsent. Viele bevorzugten jedoch das kennenlernen in der Kneipe, auf einer WG-Party oder im Café. Seit einem Jahr ist das undenkbar. Die Gastronomie hat geschlossen und Kontakte müssen auf ein Minimum reduziert werden. Was nun? Auf Partnersuche gehen, wenn die Pandemie vorüber ist? Selbst für die größten Onlinedating-Gegner wahrscheinlich keine Option.

 

Simpel – und unpersönlich

 

Also wagen auch sie den Schritt und entscheiden sich für Tinder, Bumble und Co. Bei Nicht-Gefallen nach links wischen, andernfalls nach rechts. Das Prinzip der Datingapps ist simpel – und unpersönlich. Die Chatverläufe während Corona? Langweiliger denn je. Während zuvor beim Small Talk über das Lieblingsrestaurant oder den letzten Urlaub gechattet wurde, vergeht die Lust auf ein Kennenlernen bei der Frage „Und, wie überstehst du den Lockdown?“ doch recht schnell. Rummeckern oder cool bleiben? Wahrscheinlich weiß gerade niemand so wirklich, wie er gefasst auf diese neuartige Frage reagieren soll.

Sollte es sogar zu einem Treffen kommen, stellt sich bereits in den ersten Augenblicken eine weitere wichtige Frage: Umarmung zur Begrüßung? Während Freunde und Bekannte seit Monaten nicht mal per Handschlag begrüßt werden, erwischt man sich auf einmal bei einer halbherzigen, verunsicherten und etwas befremdlichen Umarmung mit einem Fremden. Gewissensbisse wegen nicht coronakonformem Handeln inklusive.

 

Der Spaziergang

 

Anschließend kann es losgehen, es folgt eigentlich immer: der Spaziergang. Was an warmen Tagen nach einem romantischen Date auf einer Picknickdecke klingt, ist bei Schietwetter der absolute Albtraum. Warm eingepackt schlurft man neben seinem Date her. Ohne weitere Berührungen und Blickkontakt. Denn selbst die kleinste Kopfdrehung verursacht einen kalten Luftzug unter der Jacke. Zufällige Annäherungsversuche – Fehlanzeige! Die Hände sind gegen Frostbeulen so tief in der Jackentasche vergraben und der Mindestabstand ist wie eine unsichtbare Mauer. Und: Je länger es dauert, desto kälter wird’s. Selbst wenn die Vibes stimmen, treibt einen das wieder ins warme Zuhause – alleine.

Für alle, die trotz aller Widrigkeiten eine Bindung aufbauen konnten, gibt es dank Corona etwas Neues. Jetzt kann auch mit Abstand und ohne Kontakt Händchen gehalten werden. Jeder greift in eine Schlinge der Maske. Perfekt für coronakonformes Dating und all diejenigen, die sich über die Beziehung noch nicht schlüssig sind. Vielleicht ein neuer Trend, der aus dem sonst so tristen Dating-Alltag hervorgeht: Mäskchen halten. Davon abgesehen ist dem Pandemie-Dating allerdings nicht viel Positives abzugewinnen. War vorher das Onlinedating schon unpersönlich, so ist derzeit beim Treffen der Abstand in jeglicher Hinsicht größer.


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