Filmkritik: „Die Gleichung ihres Lebens“

„Die Gleichung ihres Lebens“ von Regisseurin Anna Novion zeigt ein Mathe-Genie, dass die Liebe entdeckt – ein pathetisches, wenig überraschendes Drama
Marguerite (Ella Rumpf) tüftelt an einer mathematischen Formel (©TS PRODUCTIONS/Michael Crotto)
„Die Gleichung ihres Lebens“, ab dem 27.6. im Kino (©TS PRODUCTIONS)

Die Mathematik ist wie die Liebe eine komplizierte Materie. Erstere lässt sich im Idealfall logisch herbeiführen und faktisch belegen, bei der Liebe ist das nicht nur schwieriger, sondern oftmals unmöglich. Die französische Regisseurin Anna Novion bringt in ihrem lauen Drama beides in eine seltsame Verbindung, versucht gar eine Gleichung aufzumachen.

Marguerite (für ihre Rolle mehrfach ausgezeichnet: Ella Rumpf) ist eine junge aufstrebende Mathematikerin und eine der wenigen Frauen im Promotionsprogramm von Laurent Werner (Jean-Pierre Darroussin) an der École normale supérieure in Paris – Typ graue Maus. In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit der Goldbachschen Vermutung, einer bislang unbewiesenen Zahlentheorie, der Normalbegabte ohnehin nicht folgen können. Bei der Präsentation ihrer Erkenntnisse macht sie der neue Mitdoktorand aus Oxford Lucas (Julien Frison) auf einen gravierenden Fehler aufmerksam. Marguerite verlässt den Saal und hängt erniedrigt und enttäuscht ihre Doktorarbeit an den Nagel. Bis dahin lässt sich noch leise Kritik an einem misogynen Wissenschaftsbetrieb erkennen. Leider trifft dies aber auch auf den Verlauf der darauffolgenden eineinhalb Stunden zu.

Kein überraschendes Ende

Gerade hat sie ihren akademischen Elfenbeinturm verlassen, lernt Marguerite die freigeistige Noa (Sonia Bonny), eine stets in Geldsorgen befindliche Tänzerin, lebensfroh und chaotisch, kennen. Marguerite zieht kurzerhand in die WG ein und trifft auf den chinesischen Vermieter, der einen illegalen Mahjong-Salon betreibt. Ihre mathematischen Superkräfte lassen die Runde schnell alt aussehen – Geld ist fortan kein Problem mehr, dafür ihre fortwährende mathematische Besessenheit, die sie die WG-Wände schwarz streichen lässt, um dort ihre Formeln zu notieren, und natürlich zurück zu Lucas führt. Das Ende kommt wenig überraschend. Schade. Die Gleichung von emotionaler Erweckung, die nur aufgeht, nachdem der mathematische Wahn zumindest vorübergehend nachlässt, um dann im Gleichschritt wieder aufzukeimen, geht jedenfalls nicht auf.

„Die Gleichung ihres Lebens“, Regie: Anna Novion. Mit Ella Rumpf, Jean-Pierre Darroussin, Clotilde Courau. 112 Min. Ab 27.6.

Hier gibt’s den Trailer zum Film:

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Dieser Artikel ist zuerst in SZENE HAMBURG 06/2024 erschienen.

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