SZENE HAMBURG: Anna und Annika, seit wann macht ihr Musik?
Anna: Vor der Musik gab es die Stimme. Wir kommen aus einem gemeinsamen Kölner Freundeskreis und sind 2017 beide in Hamburg gelandet. Hier haben wir angefangen, gemeinsam mit Vocals zu experimentieren und haben Samples aufgenommen.
Annika: Und die an Freundinnen und Freunde geschickt, für ihre Musik. 2018 kam der Geistesblitz: Lass uns mal selber Musik dazu auflegen. Hybrid also: DJ-Set und die Vocals live dazu. So entstand Mwaah!
Wofür steht der Name?
Annika: Wir wollten ein Gefühl ausdrücken, kein existierendes Wort. Und wir wollten zwei A wegen unserer Vornamen. Sprecht mal selbst, „Mwaah“, also muaaaaa, wie der Kuss.
Wie wurden die Handpuppen Teil eurer Performance?
Anna: Die waren eigentlich schon immer da. Neben den Vocals und dem Mixen hatten wir noch ein Hobby: Mit Handpuppen Figuren zu inszenieren, einfach aus Spaß zu Hause auf dem Sofa. Irgendwann saßen wir da und neben uns fünf kleine Tiere. Da war es klar: Die müssen mit.
Wie viele gibt es mittlerweile und stehen sie das harte Rave-Geschäft gut durch?
Anna: Puuh, wir würden mal sagen um die 30 Stück. Teilweise wird auch extra etwas Handpuppenähnliches gebastelt, was zur interaktiven Show animiert. Tatsächlich haben unsere flauschigen Freunde schon einiges mitgemacht. So kam es, dass unser Affe Bono nach Silvester circa zwei Wochen lang gemeinsam mit einem Aufnahmegerät in einem Club verschwunden war. Das Aufnahmegerät bekam zwar Beine, aber wir waren überglücklich, dass Bono wieder auftauchte. Der Affe kam aber wohl auf den Geschmack und war im selben Jahr mit neuen Freunden auf Reisen nach Bratislava.
Annika: Auf einem Festival hat unser großer Hecht ein Glas Mais geschenkt bekommen und damit die Bühne zerlegt, auf einem anderen hat ihn das Publikum mit immer neuen Kleidungsstücken verkleidet. Und natürlich kam es schon vor, dass „zu gute“ Handpuppenfans uns unsere lieben Tiere nach einer unserer Shows entwendet haben, um mit ihnen in den Urlaub zu fahren. Aber echte Fans haben ein Gewissen: Bisher sind immer alle Handpuppen wieder zu uns zurückgekommen. Also: Auch wenn es sehr wilde Momente für unsere Handpuppen gibt, möchten wir und unsere Tanzenden diesen Performance-Teil auf keinen Fall missen.
Gibt es Lieblinge?
Annika: Ja, unseren großen Hecht. Eigentlich aus einem Fanshop für Angler, jetzt Mwaah-Fan. Das ein oder andere Stagediving hat er hinter sich. Und der Hase mit den schnellen Schuh’n ist toll. Die zwei Meter lange Schlange muss auch oft mitkommen, birgt aber der Erfahrung nach für Gäste mit Schlangenphobie ein gewisses Risikopotenzial. Unser Neuzugang ist der Aal Gabi.
DJ-Duo Mwaah: Catchy, bouncy und lustig
Wie würdet ihr euren Sound beschreiben?
Anna: Catchy, bouncig und lustig nach vorne bei gemäßigtem Tempo. Garantiert improvisiert. Etwas fachlicher beschrieben: Hybrid aus improvisierten Live-Vocals zu einem DJ-Mix aus zwei bis drei Genres wie Slow Tech, Slow Indie Dance, Dark Disco und Downtempo bei 100–118 bpm. Plus (inter-)aktive Performance.
Seid ihr Teil eines Labels?
Anna: Nein, bisher gehören wir nur uns – das hat aber keinen bestimmten Grund. Für uns fügt sich so was – wenn – einfach zusammen. Wir wirken jedoch in Kollektiven mit, die Veranstaltungen organisieren; so beispielsweise der Zirkus Farfalli und das Kollektiv WACH.
Macht ihr auch eigenständig Musik?
Annika: In der Regel nicht. Das passiert schon einmal, wenn eine von uns krank ist oder wir einen Soli-Gig spielen und die Anfahrt für eine von uns zu teuer wäre. So ist Anna beispielsweise „alleine“ in Berlin gewesen letztens – ich bin aber nachts aufgewacht und war mindestens genauso aufgeregt wie Anna.
Anna: Unterm Strich: Zusammen macht’s einfach hundertmal mehr Spaß, deshalb wollen wir das gerne immer zusammen machen. So kam es, dass wir auch schon große Anfragen abgesagt haben, wenn eine von uns nicht konnte.
Wir heben ab, ohne abzuheben
Annika
In welchen Hamburger Clubs findet man euch am häufigsten?
Anna: In den beiden Jahren 2024 und 2025 waren das der Südpol, das Gängeviertel und der Hafenklang.
Das vergangene Jahr war für euch etwas Besonderes. Warum?
Anna: Ein ersichtlicher Grund ist definitiv unser erster Auslandsgig. Wir wurden völlig unerwartet dazu eingeladen, auf einem großen französischen Festival zu spielen. Damit verbunden war dann ein verrückter Roadtrip von Hamburg über Köln nach Frankreich in vier Tagen mit dem Zug.
Annika: Ein nicht so ersichtlicher Grund ist der, dass wir uns treu bleiben trotz einer sich stark verändernden Szene. Wir achten darauf, uns als Mwaah aber auch uns als Freundinnen Anna und Annika weiter auf das zu fokussieren, was uns treibt. Denn nur da liegen für uns die Kreativität und die Impulse, die unseren Kern füttern und unsere Auftritte zu der Art Show machen, die Mwaah ausmacht. Ja, das Jahr 2025 lief für uns sehr gut, wir waren und sind nach wie vor stolz auf uns, sagen aber dennoch: Wir heben ab, ohne abzuheben. Das ist uns wichtig und unser Schlüssel zu unserem Einfallsreichtum. Wir wollen uns nicht mit anderen vergleichen und an DJ-Parametern messen. Wir bleiben wir. Punkt.
Subkulturelle Veranstaltungen mit DJ-Duo Mwaah 2026
Gibt es einen All-Time-Favourite Gig?
Anna: 2023 wurden wir auf die Tanzwüste des Fusion Festivals gebucht. Das ist mit dem Charakter des Festivals und den rund 70.000 Besuchern natürlich ein Wahnsinns-Booking für uns gewesen. Aber vor allem war für uns dieser Auftritt unglaublich: Vor Tausenden Menschen ertönten unsere Stimmen durch diese riesige Anlage über den weiten Floor, wir haben die größten und möglichst für alle sichtbaren Stofftiere tanzen lassen, die wir hatten, und massig Energie im Sound und in der Performance losgelassen. Alles jubelte, alles schrie. Wir konnten es kaum fassen, dass all diese Menschen sich auf diese andere Art des Entertainments einlassen und mit uns zusammen diesen Moment feiern.
Was ist in nächster Zeit geplant?
Anna: Im Februar sind wir in Köln beim Karneval der Kollektive am 13.2.2026. Da freuen wir uns sehr drauf! Diese Veranstaltungsreihe gibt es schon ein paar Jahre und wir freuen uns, wieder Teil davon sein zu können – etwas ganz Besonderes. Ansonsten ist es noch ruhig, das ist aber generell so. Anfragen kommen meistens spontan. Wir sind gespannt, was kommt und absolut bereit! Wir bringen auch 60 Handpuppen mit, wenn’s sein soll!
Zum Schluss eure Wünsche für 2026?
Annika: Dass uns nicht weitere subkulturelle Veranstaltungsorte genommen werden, in denen wir wirken können. Dass unsere Sets es trotz gesellschaftlicher Umstände weiterhin schaffen, eine Leichtigkeit ins Publikum zu bringen und wir im Anschluss an einen Gig gesagt bekommen: „Danke, so was habe ich noch nie gesehen.“
Dieses Interview ist zuerst in SZENE HAMBURG 02/26 erschienen.

