Dörte: „Wir haben alle sechs Liter Blut in uns“

„Ich habe drei Söhne, die ich alleine großgezogen habe. Mein Leben lang musste ich daher mit Vorurteilen kämpfen. Früher wurde ich beim Elternabend häufig gefragt, wie ich das denn als alleinerziehende Mutter machen würde, dass meine Söhne so gut in der Schule seien. Dann habe ich halt gesagt: ,Na ja, vielleicht dürfen sie einfach Kinder sein.‘ Heute habe ich coronabedingt drei Jobs, einen als Putzfrau. Eigentlich bin ich Eventköchin, denn: Die besten Partys finden in der Küche statt – ist ja klar. Zurzeit ist aber nichts mit Party. Daher putze ich und bin auch dort vor Vorurteilen nicht geschützt.

Letztens hat mich ein Kunde gefragt, ob mir der Beruf als Deutsche nicht zu würdelos sei. ,Beantrag’ doch Hartz 4‘, meinte er. Ziemlich würdelos, fand ich. Früher war ich die Alleinerziehende, heute bin ich die Putzfrau, oder was? Alles scheint mittlerweile eingeteilt in Ober- und Unterschicht, Ost und West, links und rechts. Jeder trägt Vorurteile in sich. Das ist der Ursprung von Rassismus. Wenn ich mir die Nachrichten anschaue und dort Kinder in Somalia mit ihren aufgeblähten Hungerbäuchen sehe: Die haben so strahlende Augen, das siehst du hier bei uns nicht.

In Afrika herrscht eine ganz andere Lebensphilosophie. Die Menschen sind viel glücklicher als wir, obwohl sie jeden Tag Angst um ihre Existenz haben müssen. Schwachköpfe gibt es überall – ob die jetzt von hier kommen oder aus Afrika und Asien nach Deutschland gekommen sind, spielt für mich keine Rolle. Hamburg war schon immer weltoffen, hat von Einwanderung gelebt. Das soll auch so bleiben. Meine Rechnung ist ganz einfach: Wir haben alle sechs Liter Blut in uns.“

/ Max Nölke

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