Filmkritik: „Eden“

Höllische Nachbarn im Paradies: Ron Howards Survival-Thriller „Eden“ beruht auf unglaublichen wahren Ereignissen. Die filmische Umsetzung ist dagegen eher konventionell – mit Star-Aufgebot
Eloise Wehrborn de Wagner-Bosquet (Ana de Armas) wird auf Händen getragen (©Leonine)

Es gibt Stoffe, bei denen man sich fragt, warum Hollywood sie nicht schon viel früher für sich entdeckt und verfilmt hat. So auch die wahren Ereignisse rund um die sogenannte „Galápagos-Affäre“, die sich 1934 unter deutschen Aussteigern auf der ecuadorianischen Insel Floreana zugetragen hat. Exzentrische Charaktere, Intrigen, mysteriöses Verschwinden und die paradiesische, aber lebensfeindliche Natur – all das wäre prädestiniert für ein True-Crime-Format. Regisseur Ron Howard entscheidet sich allerdings dafür, die Geschichte mit „Eden“ als Survival-Thriller zu erzählen – und nimmt ihr so von vornherein den Anschein von Authentizität.

„Eden“: Unterhaltsam, aber konventionell

Der deutsche Kinostart von „Eden“ ist am 3. April 2025 (©Leonine)

Deutschland im Jahr 1929: Das Erstarken des Faschismus und die Weltwirtschaftskrise lassen einige Menschen von einem besseren Leben fernab der Zivilisation in tropischen Gefilden träumen. Als Vorreiter machen sich Dr. Friedrich Ritter (Jude Law) und seine Lebensgefährtin Dora Strauch (Vanessa Kirby) auf den Weg nach Floreana. Sie, die an Multipler Sklerose Erkrankte, erhofft sich Heilung, er will ein philosophisches Manifest verfassen. Durch gedruckte Briefe und Artikel erfährt die Öffentlichkeit von dem unkonventionellen Aussteigerpaar. Schon bald finden sich Nachahmer. Eines Tages stehen Heinz (Daniel Brühl) und Margaret Wittmer (Sydney Sweeney) mit ihrem Sohn Harry (Jonathan Tittel) am Gartenzaun von Ritter und Strauch. Als dann auch noch die mysteriöse Baronin Eloise Wehrborn de Wagner-Bosquet (Ana de Armas) mit ihren zwei Liebhabern Rudolf Lorenz (Felix Kammerer) und Robert Phillipson (Toby Wallace) auf der Insel auftaucht und dort ein Luxusresort errichten möchte, sind Streit und Missgunst vorprogrammiert.

Seit der satirischen HBO-Erfolgsserie „White Lotus“ und der Survival-Reality-Show „7 vs. Wild“ ist klar: Unangenehme Figuren am Strand sind ein Quotengarant. „Eden“ ist eine Mischung aus beidem. Alle Charaktere – die Opportunisten, die Nihilisten und die Rechtschaffenen – wirken wie einem überdrehten Hollywood-Skript entsprungen – und keinen von ihnen möchte man selbst als Nachbarn haben. Die Kamera von Mathias Herndl fängt dazu wunderschöne Naturaufnahmen ein, die jedoch nicht in Ecuador, sondern in Australien entstanden sind. Herauskommt ein runder und durchaus spannender Thriller, der zu unterhalten weiß. Das filmische Potenzial, das das Material bietet, schöpft Howard mit seiner konventionellen Herangehensweise allerdings nicht aus.

Eden“, Regie: Ron Howard. Mit Jude Law, Ana de Armas, Vanessa Kirby. 86 Min. Ab dem 3. April 2025 im Kino

Hier gibt’s den Trailer zum Film:

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Diese Kritik ist zuerst in SZENE HAMBURG 04/2025 erschienen. 

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