SZENE HAMBURG: Wie bist du auf die Idee gekommen, deine Kunst nach deinem Unfall mit dem Mund zu gestalten?
Edoardo: Ursprünglich habe ich immer mit den Händen gemalt und gezeichnet. Nach meinem Unfall wollte ich mein größtes Hobby nicht aufgeben. Ich habe es zunächst mit dem Mund ausprobiert, war anfangs frustriert, merkte aber schnell, dass es Spaß macht und ich mir die Technik Schritt für Schritt aneignen kann. Inzwischen ist das meine Art zu arbeiten, und ich habe dabei nicht nur Fortschritte gemacht, sondern auch Freude an diesem Prozess entwickelt.
Kunst ist für mich eine Verbindung zu meinem früheren Leben.
Edoardo Bianchini
Welche Gefühle und Gedanken möchtest du mit deinen mundgemalten Bildern ausdrücken?

Für meine Ausstellungen habe ich ein Konzept entwickelt, bei dem zu jedem Bild auch ein Text gehört. Die Arbeiten spiegeln meine persönlichen Erfahrungen wider und thematisieren den Perspektivwechsel: wie mein Leben davor war und wie es jetzt ist, im Rollstuhl zu sitzen. Dabei geht es mir auch darum, darauf aufmerksam zu machen, dass Inklusion noch nicht da ist, wo sie sein sollte. Malen und Schreiben sind für mich die richtigen Medien, um zu reflektieren, aufzuklären und meine Perspektive zu teilen.
Wie unterscheidet sich dein künstlerischer Prozess jetzt im Vergleich zu früher, als du noch mit den Händen gearbeitet hast?
Früher habe ich oft schnell skizziert und gemalt, es war ein Mittel für mich, Gefühle zu verarbeiten. Heute ist der Prozess deutlich aufwendiger, weil die Technik komplexer ist. Gleichzeitig hat sich der Sinn hinter meiner Kunst verändert: Früher habe ich hauptsächlich für mich selbst gemalt, heute möchte ich Menschen erreichen und aufzeigen, wie sich mein Leben verändert hat.
Welche Bedeutung hat Kunst für dich persönlich besonders in Bezug auf deine Lebenssituation heute?

Kunst ist für mich eine Verbindung zu meinem früheren Leben. Sie hilft mir, meine persönlichen Erfahrungen zu verarbeiten, und hat sich mittlerweile sogar zu meiner Arbeit entwickelt. Gleichzeitig ist sie etwas, das mir große Freude bereitet. Malen und Schreiben sind für mich ein kreativer Weg, meine Vergangenheit, Gegenwart und Perspektive zu verbinden eine Brücke zu meinem früheren Ich.
Was erwartet Besucherinnen und Besucher bei deiner Ausstellung im Café Rosa in den Zeisehallen?
Meine Ausstellung ist in zwei Bereiche unterteilt. Ein Teil zeigt Fotografien im Stil der 1970er-Jahre, inspiriert von der Behindertenbewegung in den USA, in der Menschen erstmals öffentlich für ihre Rechte kämpften. Daneben gibt es meine mundgemalten Bilder mit Texten, die auf meinen persönlichen Erfahrungen basieren. Außerdem gibt es einen Basteltisch, an dem Besucher:innen Schmuck gestalten können, sowie Merchandising-Artikel wie T-Shirts und Schmuck. Dazu kommen Drinks, gute Laune, Sonne und eine schöne Location.

