Everything_Everywhere_All_At_Once_1_©Leonine Studios-klein

Vom Waschsalon ins Multiversum

Die Regisseure Dan Kwan und Daniel Scheinert schicken ihre Schauspieler:innen in „Everything, Everywhere, All at once“ fulminant und manchmal albern durch verschiedenste Lebensentwürfe – gaga, aber mit Sinn und Verstand und jetzt im Kino

Text: Calle Claus

Die chinesische Immigrantin Evelyn (Michelle Yeoh) betreibt in Kalifornien einen ruinösen Waschsalon. Ihr Leben ist ein einziges Chaos: Die Ehe mit ihrem Mann Waymond (Jonathan Ke Kwan) droht zu kentern, unterm Dach wohnt ihr renitenter, pflegebedürftiger Vater (James Hong) und obendrein hadert sie mit dem lesbischen Coming-out ihrer Tochter Joy (Stephanie Hsu). Zu allem Überfluss steht nun auch noch eine Steuerprüfung ins Haus. Die zuständige Finanzbeamtin (zum Fürchten und Niederknien: Jamie Lee Curtis) macht nicht den Eindruck, als wäre mit ihr gut Kirschen essen.

So weit, so gaga

Und dann passiert es: Mitten in der Anhörung erscheint Evelyn plötzlich eine alternative Version ihres Mannes. „Alpha Waymond“ konfrontiert sie mit der Tatsache, dass unendlich viele Evelyns existieren. Doch das Multiversum, in dem diese sich tummeln, wird durch eine Superschurkin namens „Jobu Tupaki“ bedroht, die alle Welten mittels eines gigantischen, rotierenden Bagels vernichten will … und sich in der Gestalt von Evelyns Tochter Joy manifestiert. So weit, so gaga.

Eine Geschichte von drohendem familiärem Zerfall

Everything_Everywhere_All_At_Once_Poster_©Leonine Studios-klein
„Everything Everywhere All At Once“, ein Film wie sein Plakat: Vielfältig, bunt und ein bisschen gaga (Foto: Leonine Studios)

Grundprämisse dieses abstrusen, an die Drehbücher von Charlie Kaufman erinnernden Plots ist, dass jede Entscheidung, die ein Mensch fällt, eine abzweigende Realität entstehen lässt. So häuft jeder im Laufe seines Lebens eine Vielzahl parallel existierender Welten an. Um zwischen ihnen navigieren zu können, braucht es einen Trigger: Zum Beispiel spiegelverkehrt getragene Schuhe. Rechts auf links, links auf rechts, schon kann Evelyn zwischen vielen Versionen ihrer selbst hin- und herspringen. Was folgt, ist ein Wirbel aus durchgeknallten Kostümen, haarsträubenden Kampf-Sequenzen und visuellen Gags – mal spektakulär inszeniert, mal ins Alberne abdriftend. All dem Zinnober liegt eine profunde Geschichte von drohendem familiärem Zerfall, zögerlicher gegenseitiger Akzeptanz und schlussendlicher Heilung zugrunde. Evelyn und ihre Lieben müssen einmal im Schleudergang durch alle möglichen und unmöglichen Lebensentwürfe, um letztlich durchgeschüttelt, aber frisch gestärkt die Fäden wieder aufzunehmen … daheim im eigenen Waschsalon.

„Everything, Everywhere, All at once“, Regie: Dan Kwan, Daniel Scheinert. Mit Michelle Yeoh, Jamie Lee Curtis, Stephanie Hsu. 139 Min. Ab dem 28. April 2022 im Kino

Hier gibts den Trailer zum Film:


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.