Blue Bayou_1_Focus Features-klein

Abschiebung trotz legaler Adoption: „Blue Bayou“

Der neue Film „Blue Bayou“ mit Alicia Vikander ist ein Abschiebe-Melodram in Pastelltönen

Text: Anna Grillet

Zum ersten Mal im Leben spürt Antonio LeBlanc (grandios: Justin Chon) die Wärme und Geborgenheit einer intakten Familie. Geboren in Korea, wurde er mit drei Jahren von weißen Amerikanern aus Louisiana adoptiert, sein Vater missbrauchte ihn, die Mutter schaute weg. Antonio verlor den Halt, doch nun verdient er Geld als Tattoo Artist, Ehefrau Kathy (Alicia Vikander) ist sein Fels in der Brandung. Jesse (Sydney Kowalske) vergöttert den Stiefvater, wenn auch die Siebenjährige Angst hat, der neue Dad könnte plötzlich wieder verschwinden, so wie der vorige.

Ein aussichtsloser Kampf

Beim Einkauf im Supermarkt wird Antonio von rassistischen weißen Cops provoziert und verhaftet, darunter Kathys Ex. Wenig später erklärt die Einwanderungsbehörde, der Festgenommene würde nach Korea ausgewiesen, er besäße trotz legaler Adoption vor mehr als dreißig Jahren nicht die amerikanische Staatsbürgerschaft. Kein Einzelfall, sondern weit verbreitete Praxis. Ein aussichtsloser Kampf beginnt, Frustration und Spannungen des eben noch glücklichen Paares wachsen. Vor Gericht zählt weder die Heirat noch Kathys Schwangerschaft, sondern allein, dass der Betreffende irgendwann einmal Motorräder geklaut hat und es wieder tun muss, um die 5000 Dollar für den Prozess aufzutreiben.

Traumartige Flashbacks und Cinéma vérité

Blue Bayou_Plakat_Focus Features.-klein
„Blue Bayou“ mit Alicia Vikander, ab dem10. März 2022 im Kino (Foto: Focus Features)

Dies ist ein New Orleans weitab vom turbulenten Tourismus des French Quarters mit seinen Jazzclubs und Bars. Entbehrungen prägen den Alltag dieser Arbeiterviertel, aber der koreanisch-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor Justin Chon („Gook“, 2017) inszeniert das Porträt seines Protagonisten nicht als knallhartes düsteres Politdrama, sondern entwickelt ein an Emotion überbordendes Geflecht aus Beziehungen, Poesie und Landschaften in wundervollen gebrochenen Pastelltönen. Glück, Schmerz und Schrecken vermischen sich wie Fiebervisionen miteinander. Traumartige Flashbacks treffen auf Cinéma vérité in der Tradition von John Cassavetes.

Herzzerreißend und hautnah die Verzweiflung der kleinen Jesse, während Justin Chon die Rolle des Antonio bewusst unterkühlt spielt. Mit schwerem Motorrad, Muskeln und Seeadler-Tätowierung versucht er, von seiner eigenen Verletzbarkeit abzulenken. Die Karaoke-Version des Roy Orbison-Songs gibt „Blue Bayou“ den Titel und Oscar-Preisträgerin Alicia Vikander einen spektakulären Auftritt.

„Blue Bayou“, Regie: Justin Chon. Mit Justin Chon, Alicia Vikander, Sydney Kowalske. 117 Min. Ab dem 10. März 2022 im Kino

Hier gibts den Trailer zum Film:


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.