Filmkritik: Pillion

Herr und Stiefellecker
Bis zum Hals steht ihm das Wasser noch nicht: Harry Melling in „Pillion“
Bis zum Hals steht ihm das Wasser noch nicht: Harry Melling in „Pillion“ (©Chris Harris)

Wenn Biker auf der britischen Insel einen zweiten Fahrer mitnehmen, sagt man to ride pillion. Colin ist so ein „Hinten-Sitzer“. Der unschuldige, queere Endzwanziger wohnt noch bei seinen Eltern, die seine Homosexualität wohlwollend goutieren. Seine krebskranke Mutter ist sogar rührend darum bemüht, Blind Dates für den schüchternen Sohnemann klarzumachen, möchte sie ihn doch vor ihrem nahenden Tod noch unter der Haube wissen. Nach einem Pub-Auftritt mit seinem Barbershop-Quartett fällt Colin ein Darts werfender Hüne in Leder auf. Er ist hin und weg: Ray ist sein absoluter Traumtyp. Und siehe da: Der unerreichbar erscheinende Adonis steckt ihm einen Zettel mit einem Treffpunkt zu.

Filmplakat zu „Pillion“ (©BBC Film, BFI (British Film Institute), Element Pictures)

Ihr erstes Date auf einem schmutzigen Hinterhof definiert sogleich die Hackordnung dieser seltsamen Romanze: Colin darf vor seinem Angebeteten niederknien, Rays Biker-Boots sauberlecken und ihn danach oral befriedigen. Test bestanden, ab jetzt darf Colin auf Rays heiligem Motorrad mitfahren und nachts auf dem Boden neben seinem Bett schlafen. All diese Demütigungen akzeptiert er hingebungsvoll. Das Vorhängeschloss, das nun dauerhaft seinen Hals ziert, trägt er wie eine Medaille. Doch jedes Spielchen verliert irgendwann seinen Reiz. Erst zögerlich, dann immer hartnäckiger versucht Colin an Rays eisiger Fassade zu kratzen. Als das durchaus Wirkung zeigt, schwingt er sich zu einem rebellischen Akt auf, der das strenge Regelwerk wie ein Kartenhaus kollabieren lässt. Dem jungen britischen Regisseur Harry Lighton gelingt in seinem erstaunlichen Kinodebüt das Kunststück, einer grausig gestörten Zweierkiste unerwartet komische, zärtliche und sogar sexy Töne zu entlocken. Ray ist mehr als ein fieser Abuser, Colin beileibe nicht nur willenloses Opfer. Hauptdarsteller Harry Melling, der einst den Kotzbrocken Dudley Dursley in den „Harry Potter“-Filmen spielte, verkörpert den langsam aufbegehrenden Sexsklaven einnehmend und vielschichtig. Alexander Skarsgård entlockt dem grimmigen Dominator unerwartet sensible Zwischentöne. Aufwühlend, verwirrend, furios!

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