Filmkritik: „The Chronology of Water“

Kristen Stewarts radikales Regiedebüt „The Chronology of Water“ ist eine aufwühlende Charakterstudie über Trauma, Sucht und Heilung. Ein assoziatives Filmerlebnis mit einer intensiven Imogen Poots
Imogen Poots hat Wasser überall – auch im Auge
Imogen Poots hat Wasser überall – auch im Auge (©eksystent)

Dass Filme unter die Haut gehen und lange nachwirken, schreiben Kritiker gerne. Oft ist ein solches Urteil aber pure Übertreibung. Im Fall von Kristen Stewarts Regiedebüt trifft es den Nagel jedoch auf den Kopf. Selten hat sich in der letzten Zeit ein Hollywood-Star beim Wechsel hinter die Kamera so viel zugetraut wie das mit der „Twilight“-Saga bekannt gewordene Ex-Teenageridol. Und selten ist das Ergebnis aufwühlender als hier. Mit Blick auf Stewarts spannenden Werdegang, ihre gezielte Hinwendung zum europäischen Autorenkino scheint „The Chronology of Water“ der logische nächste Entwicklungsschritt für die inzwischen 35-jährige Kalifornierin zu sein. Grundlage der Charakterstudie ist der gleichnamige Erlebnisbericht der früheren US-Schwimmerin und heutigen Schriftstellerin Lidia Yuknavitch. Unter einem sexuell übergriffigen Vater leidend, findet die Protagonistin in jungen Jahren etwas Halt im Wassersport.

„The Chronology of Water“ ist ein absolutes Erlebnis 

„The Chronology of Water“ ist seit dem 5. März 2026 im Kino (©eksystent)

Drogen- und Alkoholexzesse sowie weitere Schicksalsschläge werfen die von ihrem Trauma schwer gezeichnete Frau dennoch immer wieder aus der Bahn. Der Weg zur Heilung ist lang. Die Literatur bietet ihr allerdings endlich die Möglichkeit, sich richtig auszudrücken. Wer ein brav chronologisch aufgebautes Biopic erwartet, sei gewarnt: Stewart, die auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, feuert einen Schwall an Bildern, Tönen, Satz- und Wortfetzen auf das Publikum ab, den man vor allem am Anfang schwer zu fassen kriegt. „The Chronology of Water“ ist bruchstückhaft erzählt, assoziativ montiert, springt also abrupt zwischen den Zeitebenen, und rückt den Figuren dicht auf die Pelle. Der radikal subjektive Ansatz, der die Funktionsweise menschlicher Erinnerungen simuliert, kostet mitunter Nerven. Gleichzeitig entfaltet das Identitätsdrama aber einen starken Sog. Auch und vor allem, weil Hauptdarstellerin Imogen Poots jede Emotion – Lust, Ausgelassenheit, Ekel, Schmerz, Verzweiflung – mit voller Intensität auslebt. Ein absolutes Ereignis! 

Hier gibt’s den Trailer zum Film:

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Diese Kritik ist zuerst in SZENE HAMBURG 03/26 erschienen. 

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