Das Böse trägt auch ein böses Antlitz, so möchte man glauben. Doch manchmal lauert das Monströse auch im Liebenswerten, in einem geliebten Menschen. Sarah Miro Fischer stellt in ihrem Spielfilmdebüt ihre Protagonistin genau vor dieses Dilemma: Die junge Rose will nicht glauben, was außerhalb ihrer Vorstellungskraft liegt – dass ein geliebter Mensch Böses tun kann. Es ist ein starkes, ein stilles Debüt, in dem Gewissheiten schmerzlich ins Wanken geraten und die Regisseurin sehr genau zwischen Zweifeln und grenzenloser Liebe austariert. Rose (Marie Bloching) ist frisch von ihrer Freundin getrennt und daher ohne Bleibe. Also kommt sie bei ihrem Bruder Sam (Anton Weil) unter, in dessen sehr kleinen Wohnung. Selbst die Mutter ist erstaunt, ob das nicht ein wenig eng sei. Doch Sam antwortet nur, dass er Rose gern bei sich habe. Die Geschwister sind seit jeher ein Herz und eine Seele.
„Schwesterherz“: kraftvolle Bilder und eindrückliche Soundkulisse
Sie verbringen einen herrlich sorglosen Sommer mit Freunden am See und in Parks – bis Rose plötzlich eine Vorladung als Zeugin bekommt: Sam wird vorgeworfen, eine junge Frau vergewaltigt zu haben – in einer Nacht, in der Rose schon bei ihm wohnte. Doch Rose kann und will sich nicht erinnern. Nun muss Rose Verantwortung übernehmen für ihren großen Bruder und sich zugleich ihrer eigenen moralischen Verantwortung stellen. In leisen, intensiven Bildern, mit einer Kamera immer ganz nah, vor allem an der von Marie Bloching so nuanciert gegebenen Rose, erzählt Sarah Miro Fischer von dieser besonderen Geschwisterbeziehung, die erschüttert wird. In Roses Körperhaltung, ihrer Sprachlosigkeit liegt all ihre Unsicherheit und Irritation. Dabei nutzt Fischer nicht nur kraftvolle Bilder, sondern auch eindrückliche Geräusche. Der tropfende Wasserhahn wird zum enervierenden Mahner Roses. Ein bewegendes Drama, das lange nachhallt und keine einfachen Antworten findet.
Hier gibt’s den Trailer zum Film:
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