Hamburger Kneipenchor: Von Oldie-Trash bis Indie-Perle

Seit 13 Jahren bringt der Hamburger Kneipenchor stimmgewaltige Songs in die Kulturorte der Stadt. Im März kommt ein außergewöhnlicher Ort hinzu: die St. Pauli Kirche. Gründerin Hilke Cordes und Chorleiter Stefan Waldow über Lieblingslieder, besondere Proberäume und eine mögliche Begrüßungspredigt
Gründerin mit Kneipen-Chorleitung: Arne, Hilke und Stefan (v. l.)
Gründerin mit Kneipen-Chorleitung: Arne, Hilke und Stefan (v. l.) (©Julia Schwendner)

SZENE HAMBURG: Hilke und Stefan, wie passen Kneipe und Kirche zusammen?

Hilke Cordes: Gute Frage. An beiden Orten kommen Menschen zusammen – aus welchem Grund auch immer.

Stefan Waldow: Na ja, zum Singen.

Wie kam es zur St. Pauli Kirche als Veranstaltungsort?

Hilke: In erster Linie hatten wir einfach Lust, mal etwas anderes auszuprobieren. Wir wollen eine neue Seite von uns zeigen, einen neuen Sound ausprobieren. Und die St. Pauli Kirche ist einfach ein toller Ort, den viele von uns auch mit Musik und Konzerten verbinden. Das Team der Kirche war sofort total offen und hatte auch Lust auf die Zusammenarbeit.

Passt ihr eure Songauswahl dafür an?

Stefan: Wir werden auf alle Fälle einige Balladen singen, die natürlich toll zur Kirchenakustik passen. Aber es soll auch ein paar atmosphärische Brüche geben und natürlich ein paar Publikumslieblinge, die nicht fehlen dürfen.

Wie viele Lieder habt ihr momentan im Repertoire?

Stefan: Wir haben auf alle Fälle viel mehr Songs im Repertoire, als wir singen können. Also, bei einem Konzert, meine ich natürlich. Unser Genre-Mix dabei ist ziemlich divers, von 80er-Oldie-Trash bis zu Indie-Pop, manchmal auch unbekanntere Songwriter-Perlen von Niels Frevert oder Enno Bunger oder Country-Folk von First Aid Kit.

Gibt es persönliche Favoriten?

Hilke: Ich singe aktuell unseren neuen Song von Betterov super gerne – der wird seine Premiere in der St. Pauli Kirche haben. Von unseren Klassikern ist bei mir „Dancing on My Own“ ein Song, bei dem ich mich einfach immer freue, wenn er auf der Setlist steht.

Stefan: Ich freu mich drauf, beim Konzert meinen Song „Super Power Liebe“ mit dem Chor gemeinsam zu performen. Den habe ich im letzten Jahr für die Initiative SONG UP geschrieben, ein Projekt, das Hamburger Produzent:innen mit den unterschiedlichsten Artists zusammengebracht hat und sich für Demokratie, Vielfalt und Toleranz laut macht.

Wie seid ihr eigentlich zum Kneipenchor gekommen?

Hilke: Ich habe den Kneipenchor vor 13 Jahren gegründet. Ich war auf der Suche nach einem passenden Chor, in dem ich mich wohlfühle und der mehr ist als „nur“ gemeinsames Singen. Weil ich das nicht gefunden habe, habe ich das damals noch eher nischige Konzept „Kneipenchor“ nach Hamburg geholt.

Stefan: Ich bin „erst“ vor acht Jahren dazugekommen, anfangs noch als Vertretung für meinen Kollegen Arne Bischoff und dann immer öfter, weil’s einfach so gut matchte. Inzwischen sind wir ein ziemlich gut eingespieltes Team und es ist toll, sich den Job teilen zu können, weil wir uns musikalisch und menschlich ergänzen.

Und in welchen Hamburger Kneipen findet man euch?

Hilke: Wenn wir ehrlich sind, sind wir gar nicht so oft in klassischen Kneipen zu finden, wie unser Name vermuten lässt. Wenn wir aber ein paar Namen nennen, dann sind der Hafenbahnhof und das Knust immer wieder unsere liebsten Orte. Wir haben aber auch schon in Hamburger Locations wie dem Eldorado, dem Roschinsky’s oder dem Molotow gesungen.


Stefan: Manchmal machen wir auch richtige Kneipentouren, dann ziehen wir singend über den Kiez und landen zum Beispiel bei Feinkost Schnalke und Uwe gibt Schnaps für alle aus.

Probt ihr auch in Kneipen?

Hilke: Nein, wir proben tatsächlich seit einigen Jahren im Betahaus in der Schanze. Der Kneipenbesuch kommt dann hinterher ums Eck in der Schanze.

Stefan: Genau, immer gern noch aufn Bier ins Thier.

Wir hatten einfach Lust, mal etwas anderes auszuprobieren

Hilke Cordes

Und konntet ihr schon in der St. Pauli Kirche proben?

Hilke: Bisher haben wir noch nicht dort geprobt, aber natürlich sind Vorab-Proben dort geplant. Das Besondere an der Kirche ist neben ihrer tollen Lage zwischen Hafen und Kiez ihre Akustik und ich finde den Dielenboden aus alten Schiffsplanken beeindruckend.

Stefan: Zurzeit proben wir zwischendurch schon immer mal im Treppenhaus, über drei Etagen verteilt und versuchen, den Kirchenhall vorzutäuschen. Danach sind immer alle ganz beglückt. Vor einigen Jahren haben wir mal in Wilhelmsburg in der Emmaus-Kirche gesungen, da ist unser Bass Christian, genannt Hacke, spontan auf die Kanzel gesprungen und hat eine Begrüßungspredigt gehalten, das wäre eine Wiederholungstat auf St. Pauli wert, finde ich.

Instrumentale Unterstützung beim großen Konzertabend in der St. Pauli Kirche

Es soll an den Abenden nicht bei Klavier- und Schlagzeug-Begleitung bleiben. Könnt ihr schon mehr verraten?

Stefan: Wir haben als Gastinstrumente noch Cello und Akkordeon dabei. Und mal sehen, vielleicht setzt sich Arne ja auch für einen Song an die Orgel. Die anderen Überraschungen werden noch nicht verraten.

Ihr habt ein zweites Konzert angesetzt, weil das erste in kürzester Zeit ausverkauft war. Wäre ein drittes möglich und gibt es noch Tickets?

Hilke: Tickets gibt es noch über unsere Website. Und ein drittes Konzert in der Reihe wird es nicht geben. Aber ganz bestimmt ist nach dem Konzert aber auch wieder vor unserem nächsten.

Besondere Orte sind bei euch keine Seltenheit, oder?

Viel Spaß am gemeinsamen Singen: Der Hamburger Kneipenchor (©Julia Schwendner)

Hilke: Wir haben wirklich schon an den verrücktesten Orten gesungen: in der JVA Santa Fu, auf dem Sommerfest der Hamburgischen Bürgerschaft im Innenhof des Rathauses, vor der Kamera in Sönkes Wortmanns neuem Film „Die Ältern“ (seit 12.2. im Kino), auf unterschiedlichen Festivalbühnen oder im legendären Musikclub Indra.


Stefan: Beim Bergedorfer Stadtfest haben wir schon mal A cappella gegen die wummernden Party-DJ-Hits von der Nachbarbühne angesungen, das fand ich auch sehr – außergewöhnlich.

Hilke: Also, wir schrecken erst mal vor nichts zurück und singen überall da, wo wir denken, dass es für uns und die Zuschauer:innen passt.

Nehmt ihr neue Mitstreitende auf?

Hilke: Aktuell sind wir nicht auf der Suche, da wir voll besetzt sind. Wenn wir Sänger:innen suchen, posten wir das meistens auf Social Media, haben aber auch eine Liste an Interessen:innen, die sich schon mal an uns gewandt haben, auf die wir bei Bedarf auch gerne zurückkommen. Uns mal anzuschreiben, lohnt sich also immer.

Wo kann man euch sonst in nächster Zeit sehen?

Hilke: Wer uns live erleben will, sollte sich natürlich schnell noch Tickets für unser Konzert in der St. Pauli Kirche besorgen. Ansonsten eröffnen wir Ende April wieder die Sommersaison auf dem Lattenplatz vorm Knust und planen im September einen Kneipenchor-Abend im Hafenbahnhof.

Stefan: Und natürlich sind auch noch weitere Auftritte in Planung. Sobald die spruchreif sind, erfahrt ihr davon über unsere sozialen Kanäle. Wir freuen uns drauf, euch bei einem unserer Konzerte zu sehen.

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