Hamburger Kunsthalle: Munch und Lassnig eine Doppelschau

Die Hamburger Kunsthalle zeigt eine ergreifende Doppelschau mit Arbeiten von Edvard Munch und Maria Lassnig
Von psychischer und emotionaler Sprengkraft: Lassnigs „Ohne Titel (Schreiende)“ von 1981 durchzuckt Körper und Geist © Maria Lassnig Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2025 
Von psychischer und emotionaler Sprengkraft: Lassnigs „Ohne Titel (Schreiende)“ von 1981 durchzuckt Körper und Geist © Maria Lassnig Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2025  (©Roland Krauss)

Bilder von Schmerz, Leidenschaft, Verzweiflung, innerer Unruhe und heftiger Rührung, mal körperlich und explizit, mal rätselhaft und indirekt, doch immer mit malerischem Feingefühl die komplexe Psyche des Menschen umfassend: Edvard Munchs und Maria Lassnigs Kunst scheint in diesem Sinn von einer eigentümlichen Geistesverwandtschaft gezeichnet zu sein. Auch wenn sich ihre Lebenszeiten wenig überschnitten und ihre Werke teils fast 100 Jahre auseinanderliegen, wirkt es nicht selten so, als hätten sie beide aus den Tiefen derselben dunklen Quelle menschlicher Urgefühle und -gedanken geschöpft – und so Arbeiten geschaffen, die ins Innerste ihrer Betrachterinnen und Betrachter dringen. Wie sich diese künstlerische Geistesverwandtschaft äußert und wo sie sich erkennen lässt, fächert derzeit die Hamburger Kunsthalle in einer großen Doppelschau mit circa 200 Werken auf. Bereits der Titel „Malfluss = Lebensfluss“, der einem Gemäldetitel von Lassnig entnommen ist, deutet an, dass das menschliche Dasein beziehungsweise die wechselwirkende und oft komplizierte Verbindung zwischen dem Ich und seiner Umgebung für beide aufs Engste verknüpft war mit dem, was sie auf Leinwand bannten. Beide malten sie etwa Schreie, die – ob sie nun vom Menschen selbst oder der lärmenden Außenwelt ausgingen – in ihrem Ausdruck, ihrer Intensität etwas Existenzielles besitzen und diverse Konfliktzonen der Selbst-, Fremd- und Weltwahrnehmung offenlegen. Aber auch auf formaler Ebene spielten Wahrnehmungsphänomene für Lassnig und Munch eine maßgebliche Rolle.

Emotionen auf Leinwand: Wie Munch und Lassnig menschliche Psyche sichtbar machen

Innere Dämonen? Die lärmende Welt? Was treibt die Figur auf Munchs „Geschrei / Der Schrei“ von 1895 dazu, sich die Ohren zuzuhalten und zu schreien? (© Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang)

Beide experimentierten ausgiebig mit Farben und Formen – und entwickelten so ganz eigene Bildsprachen, die sich nicht abbildhaft an der faktischen Wirklichkeit orientierten. Ebenso wie sie durch eine dynamische Linienführung und einen schnellen Farbauftrag den Malprozess selbst sichtbar machten und damit auch eine körperliche Dimension ins Bild setzten, wählten sie eine Palette für ihre Motive, die sich nicht der Naturtreue verpflichtete, sondern der subjektiven Erfahrung und Empfindung. So wird in der Kunsthalle deutlich, wie sich Munchs und Lassnigs Werke in eine intime Verbindung bringen lassen und sich dadurch auch neue Perspektiven auf das Schaffen der beiden ergeben. Vor allem aber sind die Ausstellungsräume durchzogen von einer emotionalen Wirkkraft, die auch den Betrachterinnen und Betrachtern nahekommen und sie in Erregung versetzen kann – immer dann, wenn der Blick auf die Leinwand zum Blick in die eigene Seele wird.

Abonniere unser
"Heute in Hamburg"
Update per E-Mail oder WhatsApp!

Die spannendsten Events in der Stadt und das Neueste aus der Hamburger Gastro- und Kulturszene. Wir halten dich auf dem Laufenden. 😃

👉 Stattdessen via Messenger abonnieren

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Abonniere unseren Newsletter!

Erhalte jeden Tag die besten Empfehlungen für deine Freizeit in Hamburg.

Unsere Datenschutzbestimmungen findest du hier.

#wasistlosinhamburg
für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf