Was für eine musikalische Reise! 2025 startete das Pilotprojekt Junge Konzerte, eine Initiative von Jugend musiziert Hamburg, gefördert von der Haspa Musik Stiftung. Die Idee: Schülerinnen und Schülern die Planung und Umsetzung eines Konzertabends von der ersten Idee bis zum professionellen Auftritt in die Hände zu legen – begleitet von Gastauftritten von Jugend-musiziert-Bundespreisträgerinnen und Preisträgern.
Drei Hamburger Schulen waren beim Pilotprojekt mit von der Partie und bewiesen mit ihren jeweiligen Themenabenden nicht nur musikalische Kreativität, sondern auch politische Haltung: Das Walddörfer Gymnasium Volksdorf setzte mit dem Konzert „Break the Silence“ ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und für Feminismus, Vielfalt, Inklusion und Klimaschutz. Die Schülerinnen und Schüler der achten Klasse des Gymnasiums Rotherbaum zeigten mit „Keine Stimme bleibt ungehört“ einen fulminanten musikalischen Auftritt für eine gerechtere Welt. Und das Friedrich-Ebert-Gymnasium schließlich widmete sich dem Leben und Wirken der afroamerikanischen Freiheitskämpferin Harriet Tubman im Kampf gegen Rassismus und Unterdrückung.
Alle Konzerte wurden monatelang vorbereitet, geprobt und im Sommer 2025 an den jeweiligen Schulen vor proppenvollen Sälen aufgeführt. Zum großen Finale trafen sich die Teams dann am 2. November auf der Bühne der Hochschule für Musik und Theater – ein ebenso bewegender wie umjubelter Abend.
Von der ersten Idee zum großen Finale
„Meine Cellolehrerin Anke Dieterle, die auch Vorsitzende von Jugend musiziert Hamburg ist, fragte mich, ob wir an dem Pilotprojekt teilnehmen wollen“, erzählt der 17-jährige Benjamin Rommel über seine erste Berührung mit dem Projekt. Er besucht die 12. Klasse der Friedrich-Ebert-Schule in Harburg. „Ich spiele seit meinem dritten Lebensjahr Cello. Klarinette, Gitarre und Gesang kamen später dazu, ich bin im Musikprofil der Oberstufe. Bei Jugend musiziert habe ich auch mal teilgenommen, aber mir geht es beim Musikmachen vor allem um das gemeinsame Musizieren und darum, zusammen etwas auf die Beine zu stellen. Die Jungen Konzerte waren eine super Idee – auch, weil wir wirklich alles selbst organisieren konnten und mussten“, grinst er. Projektleitung, Ideenfindung, Marketing und Social Media gehörten unter anderem dazu. Eine Mammutaufgabe, der er sich gemeinsam mit zehn Mitschülerinnen und Mitschülern mit Feuereifer stellte und die sie in diversen Workshops erarbeiteten. „Das Leben von Harriet Tubman war schon einmal Thema im Musikunterricht. Das haben wir wieder aufgegriffen und daraus unseren Musiktheaterabend mit Bigband, Chor und Theaterszenen konzipiert.“
Konzerte mit Gänsehaut-Effekt
Am 10. Juni wurde „Nobody Knows the Trouble I’ve Seen – Die vergessene Geschichte von Harriet Tubman“ vor 900 Gästen in der Friedrich-Ebert-Halle aufgeführt. „Klar war das im Vorfeld zwischendurch auch mal heftig. Wo viele Leute zusammenkommen, sind nicht immer alle einer Meinung. Du lernst dich selbst in stressigen Situationen kennen und lernst ebenso, sie zu meistern – erst so entsteht echte Gemeinschaft“, findet Benjamin. „Aber wenn du dann auf der Bühne stehst und vor großem Publikum Gospels wie ‚Deep River‘ singst und plötzlich spürst, wie der Funke überspringt – das ist eine unglaublich emotionale Erfahrung“, erzählt er und betont: „Unser Konzert sollte Menschen bewegen und sie ermutigen, aufzustehen. Denn Freiheit ist kein Geschenk, sie wird von Menschen erkämpft. Jeder kann etwas bewegen.“ Benjamins Statement steht stellvertretend für das Engagement des Gymnasiums Rotherbaum und des Walddörfer Gymnasiums.
Emotional wurde es auch beim großen Abschlusskonzert auf der Bühne der Hochschule für Musik und Theater. Davon berichtet die 16-jährige Jugend-musiziert-Schülerin Kiyen Paulina Djeynaba Ly, die als Gastsängerin bei den Jungen Konzerten auftrat: „Ich singe sonst eher Jazz und war an den Vorbereitungen nicht beteiligt, aber gerade deshalb habe ich hautnah erlebt, wie gut alles organisiert war. Als wir zum Abschluss gemeinsam die Friedenshymne ‚Imagine‘ von John Lennon gesungen haben, war das ein Gänsehautmoment. Alle Sängerinnen und Sänger waren nicht nur engagiert, sondern auch musikalisch wahnsinnig gut!
So kann es weitergehen
Jugend-musiziert-Geschäftsführerin und Mitinitiatorin Cecilia Amado ist stolz auf den Erfolg des Pilotprojekts: „Musik und Kreativität sind ein unschätzbarer Wert unserer Gesellschaft. Zu sehen, mit wie viel Leidenschaft und Einsatz jede und jeder Einzelne dabei war, sollte uns allen Mut machen!“ Die Initiative Jugend musiziert begleitet junge Musizierende bundesweit seit über 60 Jahren mit Rat, Tat und Wettbewerben auf ihrem musikalischen Werdegang – in Hamburg sogar mit drei Regionalwettbewerben. Das Hamburger Projekt Junge Konzerte setzt nun neue Maßstäbe, weil es nicht nur um die Förderung einzelner musikalischer Talente geht, sondern um gemeinsames Engagement und die Erfahrung, was man im Team alles auf die Beine stellen kann. Junge Konzerte beweist eindrucksvoll: Wenn Jugendliche ernst genommen und unterstützt werden, entstehen Konzertabende mit Haltung – kreativ, professionell und voller Hoffnung.

