Am Ende des Abends, nachdem er in der Stückentwicklung „Keine Aufstiegsgeschichte“ seine Wandlungsfähigkeit bewiesen hat, betritt der Schauspieler Oscar Hoppe noch einmal die Bühne und spricht ein paar Worte an das Publikum. Das Ernst Deutsch Theater, kündigt er unter anderem an, solle unter der Leitung von Ayla Yeginer und Daniel Schütter (seit Beginn der Spielzeit) ein niedrigschwelliges Haus werden. Die von Marco Damghani, Oliver David und dem Ensemble entwickelte Inszenierung, die auf Davids gleichnamigem Buch basiert, sei ein erster Schritt auf diesem Weg. Die autobiografische Erzählung behandelt die psychischen Folgen von Armut und Gewalt in der Jugend.
Keine Aufstiegsgeschichte: Rap, Monologe und Kapitalismuskritik
Das Stück geht frei mit dem Text um und schildert – zunächst urkomisch, später gallenbitter – wie es ist, wenn Alltagsbewältigung zur Challenge wird. Fünf Schauspieler, neben Hoppe sind das José Barros Moncada, Nina Carolin, Rune Jürgensen und Tash Manzungu, übernehmen alle Rollen, werden abwechselnd auch zum Protagonisten Oliver David, übergeben einander seine silberne Bauchtasche als Staffelstab. Gemeinsam spielen sie einen Tag im Leben des seelisch Leidenden durch, der eine To-do-Liste abarbeitet und dabei auf allerlei Hindernisse stößt. Diese treten zum Beispiel in Gestalt seiner Kumpels aus dem Heimatviertel Steilshoop auf, seiner nicht ganz einfachen Mutter oder seiner politisch ultrakorrekten Studiengenossen an der Schauspielschule.
Die Rap-Songs zwischendurch (Musik: ebenfalls Hoppe) wirken wie Ventile zum Frustabbau. Da wird Solidarität gefordert mit denen, deren Los eine Niete war, da wird den Palästen der Krieg erklärt und den Hütten Frieden versprochen. Die anekdotische Schilderung prekärer Verhältnisse mündet in agitierende Monologe und Kapitalismuskritik. Anders als beabsichtigt, könnte das so bearbeitete Thema durchaus Schwellenängste auslösen.
Diese Kritik ist zuerst in SZENE HAMBURG 03/26 erschienen.

