Photo Archive Hamburg: Bilder von Hamburg für Hamburg

Digitales Archiv zeigt fotografische Perspektiven auf Hamburg – Gespräch mit Initiator Alexander Hagmann.
 
 (©Henning Rogge)

Ein digitales Schaufenster für Hamburgs Fotografie

SZENE HAMBURG: Lieber Aleax, was kann man sich unter dem Projekt „Photo Archive Hamburg“ vorstellen?

Alexander Hagmann: Das „Photo Archive Hamburg“ ist zunächst mal eine Online-Plattform, die wie ein digitales Schaufenster funktioniert, in dem Fotografien von Hamburg für Hamburg und bestenfalls darüber hinaus gezeigt werden. Dazu gehören sowohl Aufnahmen der Stadt und ihrer Architektur als auch dokumentarische Ansätze, die sich etwa der gesellschaftlichen Entwicklung widmen. Vor allem geht es bei dem Projekt also um die Sichtbarmachung dieser Art von Fotografie und ihrer Urheberinnen und Urheber – die in Hamburgs Kulturlandschaft leider häufig unterrepräsentiert sind, da es noch zu wenig regelmäßige oder dauerhafte Präsentationsformate für historische oder zeitgenössische Positionen aus der Fotografie gibt.

Wie ein Projekt nach Jahren wieder auflebt – und wer es trägt

Wie kam das Projekt zustande? Und wer ist alles daran beteiligt?

 (©Maximilian Probst)

Die Grundidee war schon lange da. 2016 wollte eine kleine Gruppe von Fotoakteurinnen und -akteuren aus Hamburg mit einem solchen Archivprojekt starten. Doch das ist ziemlich schnell zwischen den behördlichen Mühlen verschiedener Institutionen im Sande verlaufen. Als Blaupause diente dabei das „Pixelprojekt Ruhrgebiet“, das mittlerweile seit über 20 Jahren existiert und mehr als 600 Fotoserien von beinahe 400 Fotografinnen und Fotografen dauerhaft präsentiert. Anfang 2025 kam dann jemand aus der Hamburger Gruppe auf mich zu – ich war damals selbst gar nicht beteiligt gewesen – und erzählte mir von der Ursprungsidee. Am Ende des Gesprächs stand die Frage im Raum, ob ich das Projekt nicht vielleicht aufgreifen, fortführen, weiterentwickeln wolle. Mir war eigentlich sofort klar, dass man das versuchen müsste. Anschließend hatte ich mich beim Freundeskreis des Hauses der Photographie e. V. im Rahmen der „Heartbeat Photo“-Förderung für eine Art Anschubfinanzierung erfolgreich beworben. So hat alles begonnen.

Stellst du das Projekt denn komplett allein auf die Beine?

Ganz allein kann man so ein Projekt nicht durchziehen, nein, insbesondere nicht ohne längerfristige Förderung. Ich habe aber auch von Beginn an den Kontakt zu der Gruppe von damals gesucht, um mich inhaltlich auszutauschen und zu schauen, ob man bestimmte Ideen übernehmen oder weiterführen kann. Einige der Personen sitzen jetzt sogar in dem siebenköpfigen Beirat, aus dem immer wieder wichtige Impulse kommen und der zudem als Jury über die Aufnahme der eingereichten Fotoserien entscheidet.

Was muss eine Fotoserie haben, damit ihr sie aufnehmt?

 (©Henning Rogge)

Das Wichtigste für uns ist, dass es sich um Autorinnen- beziehungsweise Autorenfotografie handelt – was bedeutet, dass sich die Fotografinnen und Fotografen konsequent und über einen längeren Zeitraum einem bestimmten Thema verschreiben, etwa städtebaulichen oder sozialgesellschaftlichen Geschichten, und über eine rein ästhetische Perspektive hinausgehen. Eine Serie sollte bestenfalls einen geschlossenen Gedankengang visualisieren – prinzipiell offen dagegen sind Umfang und mediale Gestaltungs- oder künstlerische Präsentationsform, solange die Fotografie die Basis bleibt.

Wie weit geht eure Toleranz bei postproduktiver Bildbearbeitung oder bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz?

Wenn das Konzept der Serie es sinnig erscheinen lässt, Bilder zu verfremden, steht einer Bearbeitung grundsätzlich nichts im Weg. Strenggenommen ist jedes Bild, an dem mit Photoshop gewerkelt wurde, schon mit einer Künstlichen Intelligenz in Berührung gekommen. Ist eine Serie übermäßig bearbeitet, muss es dafür einfach einen zwingenden Grund geben, der sich um mehr dreht als nur die visuelle Oberfläche oder den eigenen Geschmack.

Letzten Herbst gab es die erste Ausschreibungsrunde. Wie viele Einsendungen kamen, wie viele Serien habt ihr aufgenommen und was zeigen sie?

Insgesamt erreichten uns 51 Einsendungen, ungefähr ein Drittel davon haben wir aufgenommen. Zu sehen gibt es natürlich Verschiedenes – unter anderem eine feinfühlige, ruhige Serie zur KZ-Gedenkstätte Neuengamme und ein vielsagendes Porträt der urbanen Realität und der Menschen in Hammerbrook, Rothenburgsort und Hamm. Übrigens: Man kann bei uns jederzeit Arbeiten einreichen – die Ausschreibung gilt dauerhaft. Die Jury setzt sich nur in etwas größeren Abständen zusammen, damit auch genug Material eingesandt wird. Geplant sind ein bis zwei Sitzungen pro Jahr.

Aus dem Netz in die Stadt

(© Photo Archive Hamburg / Alexander Hagmann)

Werden die Bilder ausschließlich online gezeigt?

Der Plan ist definitiv, den digitalen Raum auch zu verlassen, die Bilder öffentlich in Museen, Galerien und allen möglichen Ausstellungsorten zu zeigen und so auch den Fotografinnen und Fotografen etwas zurückzugeben. Die Website soll nicht zum schwarzen Loch mutieren. Das wäre in Anbetracht der Qualität der Arbeiten einfach zu schade. Auf der Suche nach Kooperationspartnern habe ich bereits den Kontakt zu verschiedenen Institutionen aufgenommen.

Wie geht es dieses Jahr weiter? Und was ist das langfristige Ziel?

Das wird man sehen und man muss sich dabei immer wieder vor Augen führen: Das Projekt ist gerade am Anfang und entwickelt sich organisch. Wohin die Reise noch gehen kann, hängt von vielen Faktoren ab. Reicht eine Website im Jahr 2026? Wie intensiv muss man Social-Media-Arbeit betreiben, den Account füttern und pflegen? Wann wird es die erste Zusammenarbeit mit einem Off Space, einer Galerie, einem Museum geben? All das in der Organisation und Durchführung überwiegend allein zu stemmen, ist echt schwer – im Moment mache ich das auch komplett unentgeltlich, einfach weil ich es für richtig halte und weil es mir wichtig ist, die Fotografie in Hamburg zu fördern. Kurzum: Das Projekt braucht vor allem Zeit und, um sich zu etablieren, bestenfalls auch weitere Förderung und kooperationsbereite Institutionen. Ich will zeigen, dass es hier gute Fotografie gab und gibt – und auf lange Sicht versuchen, die Sichtbarmachung der Fotografinnen und Fotografen auch zu stabilisieren, sprich: das Archiv als Schaufenster offen zu halten.

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