Maxim Leo: „Ich wähle meine Themen nicht nach Trends“

Der Berliner gehört zu den erfolgreichsten Schriftstellern der Stadt, seine Romane werden zunehmend auch fürs Kino adaptiert. Auch bei seinem am 12. März erscheinenden Buch „Einatmen. Ausatmen.“ wird bereits an einer Adaption gearbeitet. Ein Gespräch über Longevity, frühkindliche Prägung und seine Arbeit als Autor
„Wir sind geprägt von den Wahrheiten, die unsere Eltern uns mitgegeben haben“: Maxim Leo
„Wir sind geprägt von den Wahrheiten, die unsere Eltern uns mitgegeben haben“: Maxim Leo (©Derek Hudson)

SZENE HAMBURG: In deinem letzten Roman „Wir werden jung sein“ hast du dich mit dem Traum von der ewigen Jugend beschäftigt, in „Einatmen. Ausatmen.“ geht es nun um Achtsamkeit – beides Themen, die zum derzeitigen Hype um New Health und Longevity passen. Warum interessiert dich das?

Maxim Leo: Zufall. Ich wähle meine Themen nicht nach Trends, sondern nach Interesse aus. Und ein mittelalter Mann wie ich interessiert sich natürlich dafür, wie man sein Leben verlängern kann.

Wenn man es herunterbricht, geht es in „Einatmen. Ausatmen.“ um die Suche nach dem „richtigen Leben“. Hast du selbst das Gefühl, das für dich gefunden zu haben?

Eigentlich schon, ja. Wir sind ja geprägt von den Wahrheiten, die unsere Eltern uns mitgegeben haben: Man strebt an, was einem vorgelebt wurde – oder das genaue Gegenteil.

Was haben deine Eltern dir vorgelebt?

Herr seines Schicksals zu sein, möglichst viel Freiheit zu haben; viel Zeit und Raum, den man selbst ausfüllen kann; sich nicht nach den Regeln anderer zu richten, sondern sein eigenes Ding zu machen. In der Erfüllung dieser frühkindlichen Prägung bin ich in meinem Beruf als Autor sehr erfolgreich. Insofern: Ja, das scheint das richtige Leben für mich zu sein.

Ich schaue mir bei Romanen immer gerne die ersten und letzten Sätze an. Der erste Satz in „Einatmen. Ausatmen.“ lautet: „Reisen waren für Marlene schon immer eine furchtbare Sache gewesen.“ Die letzten beiden Sätze wiederum: „Auf der Suche nach einem Nest, aus dem sie nicht herausfallen konnten. Nach einem Platz, an dem sie zu Hause waren.“ Am Anfang geht es also um einen Aufbruch, eine Reise, am Ende um ein Ankommen – eine perfekte Klammer. Hast du diese Klammer bewusst gesetzt?

Das ist eine sehr spannende Entdeckung, die ist mir gar nicht aufgefallen.

Also Zufall.

Ich habe natürlich bewusst versucht, einen guten letzten Satz hinzukriegen – in diesem Fall sind es zwei, die zusammengehören –, aber diese Klammer war mir nicht bewusst. Das scheint sich von sich aus gefügt zu haben.

Du bist einfach Vollprofi.

(lacht) Ja, das wird’s sein.

Wie kommst du überhaupt auf die Ideen zu deinen Romanen?

Unterschiedlich. Bei meinen Familienbüchern waren es Momente, die den Ausschlag gegeben haben.

Ich schreibe wie ein Beamter: jeden Morgen von 9.30 bis 12.30 Uhr

Maxim Leo

Zum Beispiel?

Bei „Haltet euer Herz bereit“ hatte mein Großvater einen Schlaganfall, konnte nicht mehr sprechen und ist dadurch ein anderer Mensch geworden. Da ist mir klar geworden: Jetzt, wo er nicht mehr widersprechen kann, kann ich darüber schreiben. Den Ausschlag für mein zweites Familienbuch „Wo wir zu Hause sind“ war das Hochzeitsfest meines Bruders. Dafür kamen Verwandte aus der ganzen Welt zusammen, aus Israel, England, Frankreich, Österreich, haben zusammen getanzt und waren wieder zurück in Berlin. In dieser Szene lag für mich eine Geschichte.

Hast du dann einen dicken Ideenordner zu Hause mit Material für die nächsten fünf Bücher?

Bisher haben sich die Ideen immer so ergeben. Allzu viele Ideen gibt’s noch gar nicht, ehrlich gesagt. (lacht)

Von drei Seiten pro strukturierten Arbeitstag und verfilmten Büchern

Wie ist denn deine Arbeitsweise? Bist du ein disziplinierter Schreiber?

Ja, ich schreibe wie ein Beamter: jeden Morgen von 9.30 bis 12.30 Uhr. Danach gehe ich ins Café, esse Mittag, und wenn der Vormittag gut lief, hole ich mir noch ein Makronentörtchen beim Bäcker.

Und wenn’s nicht so gut lief?

Dann nicht – Strafe muss sein. (grinst) Danach mache ich eine halbe Stunde Mittagsschlaf und arbeite dann noch mal bis 17.30 Uhr. Ich hab also eine Nettoarbeitszeit von 5 bis 6 Stunden jeden Tag.

Wie viel schaffst du durchschnittlich pro Tag?

Meine Zielvorgabe sind drei Seiten – das entspricht ungefähr meiner Schreibgeschwindigkeit. Die ist von Buch zu Buch auch relativ konstant.

Verfilmungen stellen für Schriftstellerinnen und Schriftsteller eine mögliche weitere Einnahmequelle dar – auch für dich. Denkst du eine mögliche Verfilmbarkeit bei deinen Roman stets mit und schreibst bewusst so, dass eine Adaption möglich ist?

Es ist immer schön, wenn das funktioniert – das ist ja immer auch ein Kompliment für die Geschichte. Aber es bringt gar nichts, darauf zu schielen oder sich ein Thema auszuwählen, das man für besonders gut verfilmbar hält; oder besonders filmisch zu schreiben.

Sondern?

Die Geschichte muss packend sein, die Figuren interessant – dann ist eine Adaption für einen guten Drehbuchschreiber überhaupt kein Problem. Für „Einatmen. Ausatmen.“ wird gerade bereits an einem Drehbuch geschrieben: von Elena Hell, die bereits „22 Bahnen“ adaptiert hat.

Ende letzten Jahres kam die Verfilmung deines Romans „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ ins Kino. Wie war es, den Film im Kino zu sehen?

Ich habe im Vorfeld viel mit Wolfgang Becker darüber gesprochen, war teilweise bei den Dreharbeiten dabei, hab auch beim Drehbuch immer mal wieder Feedback gegeben – das war ein sehr schöner Prozess: nicht dafür verantwortlich, aber mit dabei zu sein. Insofern bin ich sehr vergnügt zur Premiere gegangen.

Maxim Leos neuester Roman „Einatmen. Ausatmen.“ (©Kiepenheuer & Witsch)

Es sind derzeit einige Verfilmungen deiner Bücher geplant: Neben „Einatmen. Ausatmen.“ auch noch die zu „Wo wir zuhause sind“ und „Wir werden jung sein“. Worauf achtest du bei Adaptionen mittlerweile vor allem?

Auf ein gutes Drehbuch und eine Anfangsbegeisterung. Bei der ersten Verfilmung eines meiner Bücher, bei „Es ist nur eine Phase, Hase“, war beides nicht vorhanden – und die Umsetzung enttäuschend.

Wie hat dich Wolfgang Becker seinerzeit überzeugt?

Er hat bereits mehrere Leporello mitgebracht, in denen er die wichtigsten Szenen skizziert hatte. Er meinte damals: „Wir haben nur noch Probleme mit dem Ende, aber das kriegen wir auch noch hin.“ Ich war ein bisschen verdutzt und meinte zu ihm: „Aber Herr Becker – damals haben wir uns noch gesiezt –, Sie haben doch noch gar nicht die Rechte an dem Film.“ Da hat er mich nur angeguckt und gesagt: „Ja, wer soll’s denn sonst machen?“

Das nenne ich mal selbstbewusst.

Mit dieser Energie hat er mich total überzeugt. Wenn jemand das so unbedingt machen will, und dann eben auch schon solche Filme wie „Goodbye, Lenin!“ und „Das Leben ist eine Baustelle“ gemacht hat, dann muss man dem das einfach überlassen.

Wie war das im Falle der bereits anstehenden Adaption von „Einatmen. Ausatmen.“?

Die Drehbuchautorin Elena Hell hat mir einen Brief geschrieben, in dem drinstand, wie gerne sie das machen würde; und dass ihre Mutter Yoga-Lehrerin und Atemtherapeutin war und sie in dem Zentrum in jungen Jahren schon ihre Hausaufgaben gemacht hat. Da habe ich sofort gemerkt: Das passt. Denn sie war in dieser Welt mehr zu Hause als ich es je sein werde.

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