SZENE HAMBURG: Mirko, magst du dich kurz vorstellen und etwas über dich erzählen?
Mirko Frank: Ich bin Mirko Frank, Musiker und Liedermacher aus Hamburg-Altona. Neben meiner eigenen Musik liegt mir besonders die Vermittlung & das Selbermachen von Musik am Herzen. Aus diesem Ansatz sind über die Jahre zahlreiche Projekte und somit mein Musikatelier und Studio entstanden. Eines dieser Projekte ist „Bitte Lächeln!“, meine inklusive Band, die es seit etwa 15 Jahren gibt. Sie ist im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem Thalia Treffpunkt entstanden, als ich gefragt wurde, ob ich eine inklusive Band aufbauen könnte. Gemeinsam mit „Leben mit Behinderung Hamburg“ haben wir daraufhin einen Aufruf gestartet. Schnell wurde klar, dass es, wie in jeder Band, nicht nur um die Idee geht, sondern auch um musikalisches Können und Zusammenspiel. So entstand nach und nach eine Besetzung, die sowohl inklusiv ist als auch musikalisch funktioniert.
Wie hat sich die Band „Bitte Lächeln!“ in der heutigen Besetzung eigentlich entwickelt?
Die Band „Bitte Lächeln!“ ist über viele Jahre ganz organisch entstanden, gerade diese langfristige Entwicklung macht das Projekt so besonders und nachhaltig. Ich arbeite inklusiv, mit Menschen unterschiedlichster Voraussetzungen, körperlich, geistig oder psychisch, und lege gleichzeitig Wert darauf, dass es musikalisch auf einem hohen Niveau ist. Einige sind schon seit ihrer Kindheit dabei: Vincent und Dominik habe ich in meinem Trommelkurs kennengelernt, da waren sie sieben und acht Jahre alt, heute sind sie über 30 und immer noch fester Teil der Band. Florian, unser blinder Schlagzeuger, kam bei einem Workshop aus dem Publikum nach vorne, setzte sich ans Schlagzeug und beeindruckte sofort. Philipp ist unglaublich empathisch, sensibel und immer positiv, eine Energie, die er auch auf die Bühne bringt. Besonders auffällig ist seine Höflichkeit: Wenn wir unterwegs sind, begrüßt er beim Frühstück das gesamte Personal per Handschlag und bedankt sich anschließend persönlich, solche Momente bleiben hängen. Daniel, unseren Gitarrist, lernte ich als Kind in einem Ferienworkshop kennen, Jahre später stieß er zu uns und spielt auf höchstem Niveau und bereichert die Band damit ungemein. Lukas, unser Rollstuhl-fahrender Sänger, kommt aus einem inklusiven Theaterprojekt am Thalia Theater, sofort war musikalisch klar, dass es passt. Er gehört zu den allerersten Gründungsmitgliedern und ist eine Zeit lang extra aus München zu unseren Proben angereist. Seit rund zehn Jahren spielt diese Besetzung zusammen und präsentiert ein fast zweieinhalbstündiges Programm eigener Songs.

Wie oft probt ihr und in welcher Musikrichtung bewegt ihr euch?
Wir proben einmal im Monat, meistens an einem Samstag. Dann nehmen wir uns richtig Zeit: etwa vier Stunden mit einer Pause dazwischen. Musikalisch bewegen wir uns zwischen Rock und Reggae, machen aber auch Ska, Polka, Blues oder ruhigere, akustische Stücke. Grundsätzlich haben wir zwei Formate: einmal die elektrische, eher kraftvolle Variante, und dann ein reduziertes, akustisches Setting, bei dem die Texte noch stärker im Vordergrund stehen. Musikalisch sind die Stücke zwar unterschiedlich, aber über die Jahre hat sich trotzdem ein eigener Bandsound entwickelt, einfach, weil wir uns so lange kennen und eingespielt sind. Das hilft auch bei der Arbeit in den Proben: Ich weiß ziemlich genau, was ich den Einzelnen zutrauen kann, ohne jemanden zu überfordern. So entsteht eine gute Balance, und genau diese Mischung macht den Sound von „Bitte Lächeln!“ aus.
Lustigerweise saß Rolf Zuckowski in der ersten Reihe, was für uns ein überraschender, schöner Moment war.
Mirko Frank
Wie ist bei euch der kreative Prozess?

Meistens entsteht ein neuer Song bei mir, aus einer Akkordfolge, ersten Textideen oder manchmal auch schon einem fertigen Text. Die Texte schreiben vor allem Lukas und ich, wobei wir uns gegenseitig inspirieren und unsere Ideen immer wieder gemeinsam weiterentwickeln. Ich spiele das der Band in den Proben vor, und von da an entwickelt sich ein Song durch gegenseitige Impulse und das, was jeder Einzelne musikalisch mitbringt.
Welche Rolle spielt neben der Musik auch das Soziale in eurer Bandarbeit?
Viele aus der Band kennen sich schon sehr lange, und diese Verbindungen gehen weit über die Musik hinaus. Das ist etwas, das oft unterschätzt wird, gerade weil viele Menschen mit Behinderung im Alltag immer noch weniger Zugang zu kulturellen Angeboten haben und dadurch auch schneller vereinsamen. Die Band schafft da einen Raum für Begegnung, Austausch und Teilhabe. Ich habe oft das Gefühl, dass wir in sehr getrennten gesellschaftlichen Blasen leben, in denen es wenig Berührungspunkte gibt. Umso wichtiger finde ich Projekte, die genau das aufbrechen. Ich selbst bin da eher zufällig reingerutscht, ich habe das nie studiert, ich bin Musiker und kein Sozialpädagoge. Aber gerade diese Mischung aus unterschiedlichen Menschen und Perspektiven macht die Arbeit für mich so spannend.
Was würdest du sagen, war euer bisheriges Highlight?
Ein absolutes Highlight war unsere Reise als Inklusionsbotschafter gesendet vom Goethe Institut nach Sibirien, wo wir in Novi Urengoy an einer Fernsehshow teilnahmen. Allein der Weg dorthin war unglaublich: erst Flug nach Moskau, dann noch einmal fast 2000 Kilometer in den Nordosten, durch die Tundra bei minus 30 Grad. Die Show selbst war total skurril: Volkstanzgruppen aus der ganzen Region, ein 120-Kilo-Regisseur in der ersten Reihe und unglaublich aufwendige Kostüme und Frisuren. Alles wirkte wie ein Film, mitten in der Tundra, und wir, eine inklusive Band aus Hamburg, mittendrin.
Alles wirkte wie ein Film, mitten in der Tundra, und wir, eine inklusive Band aus Hamburg, mittendrin.
Mirko Frank
Besonders schön waren unsere Auftritte in der Fabrik oder im Miralles Saal, wo wir mit Gildes gespielt haben, das hat riesigen Spaß gemacht. Lustigerweise saß Rolf Zuckowski in der ersten Reihe, was für uns ein überraschender, schöner Moment war. Auch die Berliner Festspiele bleiben unvergesslich: Wir waren die einzige inklusive Band, durften live auftreten, alles war super organisiert, und wir hatten ein Großraumtaxi, in das wir alle samt Rollstuhl reinpassten.
Worauf freust du dich in nächster Zeit besonders?
Ich freue mich besonders darauf, bald mein neues Studio zum ersten Mal zu bespielen. Die offizielle Übergabe war gerade. Alles sieht großartig aus und ist barrierefrei, das wird unsere Arbeit mit „Bitte Lächeln!“ in Zukunft enorm erleichtern, weil wir dort auch alle Instrumente zentral lagern können.
Daneben stehen auch schon einige Auftritte an, auf die ich mich sehr freue:
Samstag, 7. Juni 2026 um 18 Uhr: Konzert im Haus Drei, Hamburg-Altona
Donnerstag, 3. September 2026 um 20 Uhr: Konzert im Landhaus Walter, Hamburg, beim Jubiläumsevent von „Leben mit Behinderung“
Sonntag, 6. September 2026: Konzert auf Mirkos Bühne beim JUBI-Festival des Stadtteil- und Kulturzentrums Motte in Hamburg-Ottensen

