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Das Mädchen mit den goldenen Händen

Das Langfilmdebüt von Katharina Marie Schubert ist ein Psychogramm einer lieblosen Mutter-Tochter-Beziehung

Text: Anna Grillet

Ostdeutsche Provinz zehn Jahre nach dem Mauerfall. Werte wie Nähe und Geborgenheit bedeuten Gudrun (fantastisch: Corinna Harfouch) nichts. Dass Tochter Lara (Birte Schnöink) sich von ihr vernachlässigt fühlt, empfindet die Mathematik- und Sportlehrerin eher als lächerlich. Hatte das Kind doch ein Dach über dem Kopf und immerhin auch Eltern, während sie selbst im Kinderheim aufgewachsen war. Und genau dort, in dem ehemaligen Kinderheim der DDR, einem alten verfallenen Herrenhaus, wird an diesem Abend mit vielen Freunden aus dem Dorf ihr 60. Geburtstag gefeiert.

Hilflosigkeit

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„Das Mädchen mit den goldenen Händen“ ist das Langfilmdebüt von Katharina Marie Schubert (Foto: Wild Bunch Germany)

Wer ihr wirklicher Vater ist, weiß Lara bis heute nicht, ein Stiefvater musste genügen als Puffer gegen die trotzige Lieblosigkeit der Mutter, die schon mit beiläufigen Bemerkungen Menschen zutiefst verletzen kann. Ihrem Spott, der Häme und ihrer unerträglichen Selbstüberschätzung steht der Zuschauer ähnlich hilflos gegenüber wie die Tochter. An diesem Abend erfährt Gudrun, dass das Kinderheim an finanzkräftige Investoren verkauft werden soll. Eine Chance für die strukturschwache Region oder Ausverkauf der eigenen Geschichte? Für die Protagonistin bricht eine Welt zusammen, hatte die DDR ihr doch die Familie ersetzt, ein Zuhause gegeben. Gudrun beginnt einen verzweifelten, selbstzerstörerischen Kampf gegen die Entscheidung des Lokalpolitikers. Vergeblich. Lara macht sich derweil auf die Suche nach ihrem Vater und den Gründen für die unnachgiebige Härte der Mutter.

Ein gelungenes Langfilmdebüt

Die verstörende Mutter-Tochter-Beziehung inszeniert Katharina Marie Schubert als Reflektion einer Gesellschaft im Umbruch, voller Geheimnisse, Widersprüche und Altlasten. „Das Mädchen mit den goldenen Händen“ erinnert in den Farbschattierungen seiner drei Kapitel an die Filmtrilogie „Drei Farben: Blau – Weiß – Rot“ (1993 und 1994) des polnischen Drehbuchautors und Regisseurs Krzysztof Kieślowski, eines der großen Vorbilder von Schubert, auch bei Kieślowski geht es um Scheitern oder Überleben. Hoffnungen und Enttäuschungen prallen in der ostdeutschen Tristesse aufeinander. Brillant Corinna Harfouch, die als Antiheldin nichts an Charisma einbüßt, auch wenn sie sich bis zur Lächerlichkeit erniedrigt. Ein gelungenes Langfilmdebüt.

„Das Mädchen mit den goldenen Händen“, Regie: Katharina Marie Schubert. Mit Corinna Harfouch, Birte Schnöink, Peter René Lüdicke. 103 Min. Ab dem 17. Februar 2022 im Kino

Hier gibt’s den Trailer zum Film:


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