Das Thema Nachhaltigkeit spielt bei den Olympischen und Paralympischen Spielen eine immer größere Rolle. Die Frage, wie ein solches Großevent ausgerichtet werden kann, ohne dass die Umwelt sowie die Infrastruktur der Gastgeberstädte darunter leidet, ist in den vergangenen Jahren vermehrt zum Schwerpunkt von Olympia-Bewerbungen geworden. Auch die Hansestadt Hamburg befindet sich gerade in den Vorbereitungen für eine Bewerbung als Austragungsort der Olympischen sowie Paralympischen Spiele. Und logisch: Nachhaltigkeit ist dabei eines der Kernthemen. Aber Nachhaltigkeit ist nicht gleich Nachhaltigkeit.
Ökologische Nachhaltigkeit wird bei der Planung und Durchführung der Spiele schon länger mitgedacht. So haben die die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 in Paris einen weniger als halb so hohen CO2-Ausstoß verursacht, als die Spiele 2012 und 2016 in London und Rio. Ein enormer Fortschritt – doch das Internationale Olympische Komitee (IOC) setzt die Messlatte mittlerweile noch ein ordentliches Stück höher. Die Veranstaltung der Spiele muss ab 2030 nicht nur klimafreundlicher, sondern sogar klimapositiv stattfinden. Grundlage für dieses Ziel sind die Olympic Agenda, die New Norm und die Olympic Agenda 2020+5. Das IOC hat in diesen Dokumenten Anforderungen und Kriterien hinsichtlich der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele formuliert und setzt mit dem Host City-Vertrag vor allem Vorgaben an die Gastgeberstadt.
Olympia: Verzicht von Neubauten
Diese beziehen sich auf die CO2-Reduktion, internationale Veranstaltungsstandards und eine Berichtspflicht, die nicht nur für den Zeitraum der Spiele, sondern auch davor und danach gilt. Da sich die Hamburger Bewerbung für die Olympischen sowie Paralympischen Spiele auf die Jahre 2036, 2040 beziehungsweise 2044 bezieht, müssen die Anforderungen an eine klimapositive Ausrichtung der Spiele in jedem Falle erfüllt werden. Der vor Kurzem durchgeführte Volksentscheid zur Klimaneutralität Hamburgs bis 2040 ist laut Leiter des Vorprojekts Olympische und Paralympische Spiele, Steffen Rülke, eine passende Ergänzung zu den Vorgaben des IOC. So könne die Ausrichtung der Spiele ein Beschleuniger für das Erreichen der Hamburger Klimaneutralität darstellen. Das Bewerbungskonzept der Stadt setzt dementsprechend auf zukunftsweisende Maßnahmen hinsichtlich Nachhaltigkeit. Diese beziehen sich auf ökologische Faktoren, aber auch auf eine gesellschaftliche und soziale Nachhaltigkeit für die Stadt sowie die Hamburgerinnen und Hamburger. Die Umwelt- und Ressourcenschonung soll vor allem durch die Planung der Spielstätten und ein CO2-freies Mobilitätskonzept gewährleistet werden.
Austragungsstädte der vergangenen Olympischen sowie Paralympischen Spiele haben häufig gezeigt, wie Stadien und Dörfer der Sportlerinnen und Sportler zu Orten des Verfalls werden können. Um dem entgegenzuwirken, setzt Hamburg auf den Verzicht von Neubauten, die ausschließlich für die Spiele genutzt werden würden. 80 Prozent der potenziellen Wettkampfstätten existieren bereits, unter anderem das Volksparkstadion, die Barclays Arena und die Messehallen. Die fehlenden Sportstätten sollen im Sinne der Nachhaltigkeit temporär errichtet werden. Dabei wird mit einer Nutzung der Sportgeräte und Anlagen über die Spiele hinaus geplant. So würden die Spiele ressourcenschonend gestaltet werden und langfristig wortwörtlich ein Stück Olympia in der Stadt bleiben.
An dieser Stelle setzt der Gedanke einer sozialen Nachhaltigkeit an, die Hamburg in ihrem Bewerbungskonzept verfolgt. Die Olympischen und Paralympischen Spiele sollen nicht nur eine positive Ökobilanz hinterlassen, sondern vor allem auch eine langfristige und nachhaltige Wirkung auf die Stadtgesellschaft. Dabei geht es speziell um die Sport- und Bewegungsförderung nach dem Konzept der Active City. Besonders Kinder und Jugendliche sollen im Rahmen dessen sportlich und gemeinschaftlich aufwachsen. Auch die Barrierefreiheit soll ein Fokus der sozialen Nachhaltigkeit sein und dementsprechende Investitionen Hamburg zur barriereärmsten Stadt Deutschlands machen.
Olympia als Festival
Die Olympischen und Paralympischen Spiele sollen als Art Festival in Hamburg stattfinden und durch die zentrale Lage der meisten Wettkampfstätten im Olympic Park City und Olympic Park Altona eine einzigartige Stimmung inmitten der Stadt erzeugen. Der Breitensport, die Teilhabe der Hamburgerinnen und Hamburger sowie die Mobilität und Stadtentwicklung sollen durch die Austragung der Spiele gefördert werden. Dieser langfristige Mehrwert wird in den Bewerbungsdokumenten als sogenannte „Legacy“ beschrieben. Eine nachhaltige Förderung der gesellschaftlichen und städtischen Entwicklung steht dabei im Vordergrund.
Die Aspekte der ökologischen sowie sozialen Nachhaltigkeit der Olympischen und Paralympischen Spiele sind fundamental für das Hamburger Bewerbungskonzept. Inklusion im sportlichen, aber auch gesellschaftlichen Kontext soll durch die Veranstaltung eines solchen Großevents mehr Aufmerksamkeit erhalten. Die Hansestadt setzt auf die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und verfolgt einen deutlich anderen Schwerpunkt als in ihrer Bewerbung von 2015. Damals lag der Fokus auf Neubauten und der Entwicklung des neuen Stadtteils Grasbrook. Heute wird von der anderen Seite an das Projekt herangegangen. Die Spiele sollen der Stadt und ihren Gegebenheiten angepasst werden, nicht umgekehrt.
Alle wahlberechtigten Hamburgerinnen und Hamburger können am 31.5.2026 über die potenzielle Bewerbung der Stadt abstimmen. Bis dahin gibt es die Möglichkeit, sich über das Digitale Partizipationssystem der Stadt (DIPAS) an der Bewerbung zu beteiligen.

