Zu Olympischen Spielen gehören glitzernde Stadien, moderne Hallen, perfekt organisierte Abläufe und eine Stadt, die sich von ihrer besten Seite zeigt. Wegweiser lotsen Zuschauerinnen und Zuschauer zu den Wettkampfstätten, Volunteers helfen bei Fragen, Fans feuern Athletinnen und Athleten aus aller Welt an. Was dabei genauso selbstverständlich dazugehört und oft dennoch zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, sind die Paralympischen Spiele. Sie sind weit mehr als ein sportlicher Nachklang der Olympischen Spiele. In Hamburg sollen sie ein zentrales Element der Bewerbung werden mit nachhaltiger Wirkung für die gesamte Gesellschaft.
Denn die Paralympischen Spiele stehen nicht nur für Spitzensport, sondern für Barrierefreiheit, Teilhabe und Inklusion. Themen also, die längst nicht nur Menschen mit Behinderung betreffen. Edina Müller, Para-Athletin und Goldmedaillengewinnerin bei den Paralympics, bringt es auf den Punkt: „Jedem und jeder kann es passieren, in Bewegung und Mobilität eingeschränkt zu werden – sei es dadurch, dass wir alle älter werden, durch einen Unfall oder eben allein schon, wenn wir mit einem Kinderwagen unterwegs sind.“ Barrierefreiheit sei deshalb kein Nischenthema, sondern eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. Genau diesen Gedanken greift das Hamburger Bewerbungskonzept auf. Olympische und Paralympische Spiele sollen hier gleichberechtigt gedacht werden. „Für uns sind Olympische und Paralympische Spiele zwei gleichwertige Teile eines Ganzen“, sagt Steffen Rülke, Leiter der Hamburger Bewerbung. Die Paralympics böten die Chance, ein gesellschaftlich hoch relevantes Thema auf die internationale Bühne zu bringen – und gleichzeitig konkrete Verbesserungen vor Ort anzustoßen.
Barrierefreiheit als Maßstab in allen Bereichen
Ziel ist es, Barrierefreiheit nicht als Zusatz oder Sonderlösung zu begreifen, sondern als selbstverständlichen Maßstab in allen Bereichen: im Sport, im öffentlichen Raum, im Bildungswesen und in der Stadtentwicklung. Die zentrale Frage lautet dabei: Welchen langfristigen Mehrwert können die Spiele für die Menschen in Hamburg schaffen? Die Antwort: einen spürbaren Wandel hin zu mehr Inklusion im Alltag. Eine wichtige Rolle könnten die Paralympischen Spiele als Inklusionsmotor spielen – etwa bei der Gestaltung des öffentlichen Raums. Barrierearme Wege, gut erreichbare Haltestellen, verständliche Leitsysteme und digitale Angebote würden nicht nur während der Spiele helfen, sondern dauerhaft. Hamburg könnte so den nächsten Schritt in Richtung barriereärmste Metropole Deutschlands gehen.
Jedem und jeder kann es passieren, in Bewegung und Mobilität eingeschränkt zu werden
Edina Müller
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem inklusiven Schulsport. Gemeinsam mit Behindertensportverbänden könnte ein Entwicklungsplan entstehen, der vollständige Inklusion im Sportunterricht zum Ziel hat. Dazu gehören besser qualifizierte Lehrkräfte, zusätzliche Unterstützungssysteme und begleitende Angebote, die allen Kindern – mit und ohne Behinderung – eine dauerhafte Teilnahme an Bewegung und Sport ermöglichen. Die Paralympischen Spiele könnten hier als Katalysator wirken und Entwicklungen beschleunigen, die ohnehin notwendig sind.
Auch digital soll Inklusion mitgedacht werden. Geplant ist unter anderem eine spezielle Paralympics-App, die Menschen mit Behinderung dabei unterstützt, sich während der Spiele selbstbestimmt und barrierearm durch die Stadt zu bewegen. Ein Angebot, das über das Event hinaus Bestand haben könnte. Gleichzeitig sollen bestehende Initiativen wie der Aktionsplan „Inklusion und Sport“ des Hamburger Sportbundes weiter gestärkt und gezielt ausgebaut werden, mit klarem Fokus auf Barrierefreiheit, Qualifizierung und inklusive Sportangebote.
Paralymbische Spiele: Zugang zu Sport für Alle
„Es muss unser gemeinsames Ziel sein, dass es normal ist, wenn Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Sport treiben, sich gemeinsam möglichst ohne große Barrieren im öffentlichen Raum bewegen. Die Paralympischen Spiele sind ein Beispiel dafür, wie das geht. Von ihnen geht eine Strahlkraft und eine Botschaft in die Welt, die wir nutzen wollen, um die Gesellschaft noch inklusiver, unsere schöne Stadt noch barrierefreier zu machen. Am Ende profitieren wir davon als gesamte Gesellschaft: Menschen mit Behinderung genauso wie ohne Behinderung, ältere Menschen und Kinder gleichermaßen“, so Edina Müller. Genau diese Normalität könnten die Paralympischen Spiele sichtbar machen – nicht nur für einige Wochen, sondern dauerhaft.
Sollten Olympische und Paralympische Spiele nach Hamburg kommen, wären sie damit weit mehr als ein sportliches Großereignis. Sie würden zu einem Zukunftsprojekt für die gesamte Stadtgesellschaft. Die im Zuge der Bewerbung geschaffene Barrierefreiheit bliebe auch nach den Spielen erhalten. Als sichtbares und spürbares Erbe. Die Paralympischen Spiele könnten zeigen, wie Inklusion konkret gelebt werden kann, und Hamburg zu einem internationalen Vorbild für eine offene, inklusive und nachhaltige Stadtentwicklung machen.
Dieser Artikel ist zuerst in SZENE HAMBURG 02 / 26 erschienen.

