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Wir helfen! Heute: Lea Simberg von StrassenBLUES e.V.

Viel hilft viel – zumindest, wenn es um Soziales geht. An den ersten drei Montagen im November 2022 lassen wir an dieser Stelle immer eine:n von drei Hamburger:innen zu Wort kommen, die sich besonders einsetzen und von ihrer Arbeit erzählen. Heute: Lea Simberg von StrassenBLUES e.V.

Protokoll: Anarhea Stoffel

 

Lea Simberg

Sozialarbeiterin bei StrassenBLUES e.V.

Titelstory Foto Janine Meyer StrassenBLUES e.V.-klein

„Es existiert viel Unwissen über armutsbetroffene, wohnungslose und obdachlose Personen“, sagt Lea Simberg (©Janine Meyer/StrassenBLUES e.V.)

„Ich glaube daran, dass alles Wahre im Leben Begegnung ist. Gemeinschaft und einander wahrnehmen sehe ich also als zentral an. Menschen in Armut, wohnungslose und obdachlose Personen sind eine stark an den Gesellschaftsrand gedrängte und diskriminierte Gruppe. Gleichzeitig leben wir in diesem Teil der Welt in extremem Reichtum. Da juckt es mir in den Fingern, ich kann nicht nicht versuchen, etwas an diesem Umstand zu verändern.

Außerdem mag ich, dass die Menschen, mit denen ich arbeite, vielfältig sind und ich so unterschiedliche Lebensentwürfe kennenlernen darf. Meine Arbeit bei StrassenBLUES ist der Bereich Sozialarbeit. Das ist – ganz allgemein gesprochen – soziale Beratung und Begleitung von armutsbetroffenen Menschen sowie wohnungs- und obdachlosen Personen zu allerlei Terminen. Außerdem stehe ich im Kontakt mit Politiker:innen, anderen sozialen Diensten und Behörden.

„In Deutschland müsste kein Mensch in Armut und Obdachlosigkeit leben“

Mit all unseren zur Verfügung stehenden Ressourcen müsste kein Mensch in Deutschland in Armut und Obdachlosigkeit leben. Bei unserer ungeschickten Verteilung der Ressourcen allerdings leider schon. Das müssen wir besser hinbekommen! Dabei müssen wir weg von der Verwaltung von Armut und Wohnungs- sowie Obdachlosigkeit, hin zu schon existierenden Lösungsvorschlägen und ausgearbeiteten Konzepten. Hört den betroffenen Personen zu. Nichts über sie, ohne sie. Es existiert viel Unwissen über armutsbetroffene, wohnungslose und obdachlose Personen. Die darauf aufbauenden politischen Entscheidungen gehen teilweise an den Bedürfnissen der betroffenen Menschen vorbei.

Ich möchte mehr Teilhabe und ich möchte, dass Ressourcen und Macht sich gleichmäßiger verteilen. Ich verstehe das so, dass sich die Gesellschaft über die Zeit Regeln und Strukturen ausgedacht hat, die unser tägliches Verhalten, Tun und Lassen prägen. Diese Verhaltensweisen sind von Ausschluss und Bevorzugung geprägt. Ich möchte einen Teil dazu beitragen, dass die Hilfsangebote für von Armut betroffene Personen sich danach richten, was die tatsächlichen Bedürfnisse dieser Menschengruppen sind. Weniger Ausschluss und Ignoranz, mehr Teilhabe!“


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3 Antworten
  1. Frank Müller
    Frank Müller says:

    Hallo Leute,

    auch ich finde es ein Armutszeugnis für Hamburg bzw. für Deutschland (einem der reichsten Länder dieser Erde), dass Menschen auf der Straße landen und leben müssen, weil unser Staat es nicht interessiert oder einfach nur keine Gelder und Ressourcen für diese Menschen frei geben will.
    Nichts desto trotz würde es mich mal interessieren, wie Ihr Euch mit den anderen Hilfsangeboten/gruppen verständigt, damit es nicht zu doppelten Hilfsangeboten kommt und tatsächlich jedem in Hamburg geholfen werden kann.

    Für eine kurze Info bedanke ich mich
    Liebe Grüße
    Frank

    Antworten
    • SZENE HAMBURG
      SZENE HAMBURG says:

      Moin Frank,
      danke für deinen Kommentar. Wir selbst haben über StrassenBLUES lediglich berichtet. Wenn du möchtest, leiten wir die Frage gerne an StrassenBLUES weiter und würden zwecks Kommunikation dazu auch deine Mailadresse angeben.
      Gib uns gerne Rückmeldung, ob das für dich okay ist.

      Beste Grüße
      dein SZENE HAMBURG-Team

      Antworten
  2. StrassenBLUES e.V.
    StrassenBLUES e.V. says:

    Hallo Frank,

    danke für deine Frage.

    Persönlich betrachtet stehe ich als Sozialarbeiterin in Austausch mit anderen Sozialarbeiter*innen sowie Anlaufstellen für wohnungslose Personen. Das heißt, dass wir uns circa wöchentlich telefonisch gegenseitig beraten und ich regelmäßig vor Ort in den Einrichtungen bin. Generell erfrage ich zuerst, ob eine Person die mit einem Hilfegesuch auf mich zukommt schon irgendwo angebunden ist oder das mal war. Im sozialarbeiterischen Beratungsprozess probiere ich die Klient*innen, falls dies eine Möglichkeit ist (Stichwort: Leistungsbezug), an zentrale Anlaufstellen anzubinden.
    Systemisch betrachtet ist jedem Menschen in Hamburg der Hilfebedarf hat zu helfen daran gebunden, dass dieser Mensch für die Hilfsangebote sichtbar ist (Stichwort: verdeckte Wohnungslosigkeit). Des Weiteren wird von einer chronischen Unterfinanzierung sowie Überbelastung der sozialen Dienste ausgegangen.
    Politisch betrachtet existieren seit langem verschiedene Stellungsnahmen sowie Forderungs- und Vorschlagspapiere von Seiten der Sozialarbeit, Verbänden, runden Tischen etc. in welchen es unter anderem um die Doppel- auf der einen und die Unterversorgung auf der anderen Seite geht.

    Liebe Grüße
    Lea (Sozialarbeiterin bei StrassenBLUES e.V.)

    Antworten

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