Queere Buchempfehlungen für die Community, Allies und alle, die es werden wollen

Die LGBTQIA+-Community ist vielfältig und genauso abwechslungsreich ist auch die Auswahl spannender queerer Bücher auf dem Buchmarkt. Ob Belletristik, Fantasy, Sachbuch oder Romance: Für jede*n ist etwas dabei, sowohl für Menschen aus der Community als auch für Allies und Interessierte
Queere Buchempfehlungen aus zahlreichen Genres
Queere Buchempfehlungen aus zahlreichen Genres (©Patrick Fore/unsplash)

Geschlecht und Traumata: Blutbuch

Der vielfach ausgezeichnete Roman „Blutbuch“ von Kim de l’Horizon behandelt auf eindringliche Weise Fragen von Geschlecht, Trauma und sozialer Herkunft. Im Mittelpunkt steht die nicht-binäre Figur Kim, die sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen muss, als die Großmutter an Demenz erkrankt. Auf dieser Reise in die Vergangenheit versucht die Erzählfigur, das generationsübergreifende Schweigen von Mutter und Großmutter zu durchbrechen, um zur eigenen Identität zu finden. „Blutbuch“ gilt als außergewöhnlicher literarischer Befreiungsakt von unbewusst weitergegebenen familiären Prägungen. Der Roman erhielt sowohl den Deutschen als auch den Österreichischen Buchpreis und wurde in 17 Sprachen übersetzt.

(© Dumont)

Verbotene Liebe: Du und ich und der Sommer 

„Du und ich und der Sommer“ ist ein zeitgenössischer Liebesroman mit Coming-of-Age-Elementen, der die Geschichte des 16-jährigen Jura erzählt. Er erlebt im Sommer 1986 in einem sowjetischen Pionierlager seine erste große Liebe zu dem älteren Gruppenleiter Wolodja. Die Autorinnen  Katerina Silwanowa und Elena Malisowa schildern einfühlsam eine verbotene queere Beziehung in einem repressiven politischen Umfeld. Der Roman verbindet auf einfühlsame Weise persönliche Gefühle mit historischem Kontext und bleibt dadurch lange im Gedächtnis der Leserinnen und Leser. „Du und ich und der Sommer“ ist der erste Teil einer Trilogie. Die anderen Bände sind ebenfalls bereits übersetzt und auf dem deutschen Buchmarkt erhältlich. 

Zwischen Gewalt und Liebe: Die Farbe Lila

„Die Farbe Lila“ ist einer der bedeutendsten Romane der amerikanischen Schriftstellerin Alice Walker. Er spielt im frühen 20. Jahrhundert im Süden der USA und behandelt zentrale Themen wie Rassendiskriminierung, Gewalt gegen Frauen, Identität und Liebe.

Die Geschichte folgt der jungen Celie, die im US-Bundestaat Georgia aufwächst und früh mit männlicher Gewalt konfrontiert wird: Ihr Vater missbraucht sie, und auch ihr erster Ehemann ist regelmäßig handgreiflich. Inmitten dieser Unterdrückung verliebt sich Celie in Shug, die Geliebte ihres Mannes, und erlebt durch sie, was Liebe wirklich bedeutet. Der Roman erzählt auf eindrückliche und emotionale Weise von Celies Weg aus Unterdrückung und bleibt wegen seiner gesellschaftlichen Relevanz ein prägender und gesellschaftlich wichtiger Klassiker.

„Die Farbe Lila“: der Erfolgsroman von Alice Walker (Ecco Verlag)

Zwischen Euphorie und Verletzlichkeit: Hundesohn 

Mit „Hundesohn“ veröffentlichte Ozan Zakariya Keskinkılıç 2025 seinen ersten Roman. Dieser dreht sich um den deutsch-türkischen Studenten Zeko, der sich bei seinem Sommerbesuch in der türkischen Stadt Adana in den Nachbarsjungen Hassan verliebt. Zeko selbst wohnt in Berlin. Hier trifft er auf verschiedene Männer auf Dating-Apps, in Parks oder sogar vor Moscheen. Doch alles, an das Zeko denken kann, ist Hassan, der dreitausend Kilometer weit weg in der Türkei wohnt und den seine Dede (sein Großvater) immer den Hundesohn genannt hat. „In neun Tagen werde ich Hassan wiedersehen.“ Diesen Satz wiederholt Zeko als eine Art Mantra in den verschiedenen Situationen seines Lebens.

Ozan Zakariya Keskinkılıç erzählt in seinem Debütroman „Hundesohn“ radikal und zugleich poetisch von Liebe und Begehren sowie von der Euphorie und der Verletzlichkeit, wenn man liebt. Mehr Informationen gibt es in der SZENE-Literaturkritik zu dem Roman. 

Im Moment nur als Hardcover erhältlich: der Debütroman von Ozan Zakariya Keskinkılıç, „Hundesohn“ (©Suhrkamp)

Autobiografische Erzählung: Ich bin Linus 

In „Ich bin Linus“ erzählt Autor Linus Giese die bewegende Geschichte seines Weges hin zu seiner wahren Identität. Im Buch stellt sich Giese selbst die Frage, warum er erst 31 Jahre alt werden musste, um auszusprechen, dass er ein Mann und trans ist. Die Geschichte des Buches beginnt im Sommer 2017, als Giese sich endlich von der Scham befreien kann und eine Art zweite Pubertät erlebt. Offen erzählt er von euphorischen Gefühlen in der Herrenabteilung, von Freundschaft und von Solidarität, aber auch von beklemmenden Arztbesuchen, bürokratischen Hürden und den stetig wiederkehrenden Selbstzweifeln sowie von digitaler Gewalt und der Macht der Sprache. Giese setzt sich seit seinem Coming-out sehr für die Rechte von trans Menschen ein und bekommt dafür besonders im Netz jede Menge Hass.

„Ich bin Linus“ ist eine mutige und offene Biografie darüber, was es bedeutet, nicht den auferlegten Normen der Gesellschaft zu entsprechen, seine eigene Identität zu finden und vor allem was es bedeutet, trans zu sein.  

Ode an die Freundschaft: Loveless

Asexualität ist einer der oft übersehenen Buchstaben der LGBTQIA+-Community. Umso wichtiger und schöner ist es, dass Alice Oseman sich in ihrem Roman „Loveless“ diesem Thema widmet. Im Mittelpunkt steht die 18-jährige Georgia, die noch nie verliebt war und auch noch keinen Kuss erlebt hat. Dabei liebt sie alles Romantische – von Liebesgeschichten über Hochzeiten bis hin zu Happy Ends. Doch was, wenn der oder die Richtige für sie vielleicht nie kommen wird und was, wenn sie das auch gar nicht will? Die „Heartstopper“-Autorin hat mit „Loveless“ eine weitere warme Wohlfühlgeschichte geschrieben, in der Freundschaft und die Kraft platonischer Liebe im Vordergrund stehen. Eine wichtige, emotionale Coming-of-Age-Erzählung, empfohlen ab 14 Jahren.

Ein wichtiger und schöner Coming-of-Age-Roman von der Erfolgsschriftstellerin Alice Osemann: „Loveless“ (©Loewe)

Einddrückliche Familiengeschichte: Dschinns

Fatma Aydemirs Familienroman „Dschinns“ stand 2022 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und ist ebenfalls eine absolute Leseempfehlung. Die Geschichte beginnt mit Hüseyin, der sich nach 30 Jahren Arbeit in Deutschland den Traum einer eigenen Wohnung in Istanbul erfüllt, nur um am Tag des Einzugs an einem Herzinfarkt zu sterben. Zur Beerdigung reist die gesamte Familie aus Deutschland in die Türkei. Darunter der jüngste Sohn Ümit, der seine Sexualität vor seiner traditionellen Familie verheimlicht und seine Schwester Peri, die politisch aktiv und queer ist. 

„Dschinns“ erzählt die Geschichte von sechs Menschen, die zufällig miteinander verwandt sind und lernen müssen, miteinander auszukommen. Jeder von ihnen trägt seine eigene Geschichte, Geheimnisse, Wünsche und Wunden mit sich. Aydemirs Gesellschaftsroman wirft einen schonungslosen Blick auf das Konstrukt Familie und öffnet dabei tiefe, verletzliche Einblicke.

Derzeitig nur als Hardcover erhältlich: „Dschinns“ von Fatma Aydemir (©Hanser Literaturverlag)

Ins Universum und zurück: Atmosphere

Ein Roman von Taylor Jenkins Reid gehört ebenfalls unbedingt auf die Liste queerer Buchempfelungen und auch ihr aktuelles Werk „Atmosphere“ ist nicht ohne Grund ein großer Erfolg. Die Geschichte ist in den 1980er-Jahren angesiedelt und folgt der ehrgeizigen Astronautin Joan, einer der ersten Frauen bei der NASA. Dort verliebt sie sich in ihre Kollegin Vanessa, doch um ihre Karrieren zu schützen, müssen die beiden ihre Beziehung vor der Öffentlichkeit, ihren Freundinnen und ihren Familien geheim halten. Zwischen Weltraummissionen, familiären Konflikten und den Vorurteilen der damaligen Zeit versuchen die beiden Frauen, ihre Beziehung zu navigieren.

Nach dem Sensationsroman auf BookTok „Seven Husbands of Evelyn Hugo“ gelingt es Jenkins Reid erneut, eine besonders schöne queere Geschichte zu verfassen. 

Das Buchcover von „Atmosphere“ von Taylor Jenkins Reid (©Ullstein buchverlage)

Politisch, persönlich und provokant: Trans. Frau. Sein 

Das Sachbuch von Felicia Ewert beschreibt die bestehende Diskriminierungsmechanismen, die sich gegen transgeschlechtliche Menschen richten. Die Autorin gibt dabei gesellschaftliche Einblicke in die rechtlichen Aspekte des sogenannten „Transsexuellengesetzes“ sowie in medizinisch-psychologische Bereiche, etwa in die Praktiken bei der Erstellung entsprechender Gutachten. Das Buch „Trans. Frau. Sein: Aspekte geschlechtlicher Marginalisierung“ nähert sich dem Thema Transsein sowohl mit überspitzten satirischen Darstellungen als auch mit einer wissenschaftlichen Herangehensweise. Dabei dekonstruiert es den sogenannten Cissexismus – also die Diskriminierung oder Abwertung von trans*-, nicht-binären und intergeschlechtlichen Menschen. Autorin Felicia Ewert greift zudem auf eigene Erfahrungen zurück und verwebt autobiografische Elemente in den Text.

Ein politische relevanter Roman: „Trans. Frau. Sein“ von Felicia Ewert (©Edition Assemblage)

Queerer Fanatasy-Epos: Der Orden des geheimen Baumes 

Shannon zeigt mit ihrer epischen Fantasiegeschichte, dass auch unsere Fantasiewelten nicht heteronormativ geprägt sein müssen. In ihrer Welt gibt es sowohl schwule und lesbische als auch asexuelle und bisexuelle Figuren. Dabei lohnt es sich auch, das Prequel des Buches zu lesen. Dieses heißt auf Deutsch „Das Kloster des geheimen Baumes“.

Die Fantasy-Reihe „Der Orden des geheimen Baumes“ stammt von der britischen Autorin Samantha Shannon. In der deutschen Ausgabe wurde ihr Erfolgsroman in zwei Bände geteilt: „Die Magierin“ und „Die Königin“. Die Handlung spielt in einer gespaltenen Welt. Im Westen herrscht Königin Sabran, deren Blutlinie das Reich vor uralten Bestien schützt – weshalb sie dringend eine Erbin hervorbringen muss, während ihr gleichzeitig Auftragsmörder immer näher kommen. Ihre einzige Hoffnung ist die Zofe Ead, die in Wahrheit eine Magierin des Ordens des geheimen Baumes ist. Auf der anderen Seite der Welt liegt das Reich Seiiki, wo Drachen wie Götter verehrt werden. Dort rettet eine junge Drachenreiterin einen Schiffbrüchigen und besiegelt damit ihr eigenes Schicksal.

Cosy Fantasy: Mr. Parnassus’ Heim für magisch Begabte

Etwas gemütlich und magisch wird es mit dem Fantasybuch von T. J. Klune „Mr. Parnassus’ Heim für magisch Begabte“. Im Mittelpunkt steht der Beamte Linus Baker, der für die Sonderabteilung des Jugendamtes zuständig ist, die sich um magisch begabte Kinder und Jugendliche kümmert. Linus lebt ein geregeltes, eintöniges Leben und hält sich streng an Regeln, bis er eines Tages den Auftrag bekommt, das Waisenhaus von Mr. Parnassus auf einer abgelegenen Insel zu überprüfen. Dort angekommen, muss Linus feststellen, dass die Schützlinge des Hauses ganz besondere Wesen sind und seine Regelwerke hier nicht weiterhelfen. Widerwillig lässt er sich auf die magischen Abenteuer des Ortes ein und erlebt dabei jede Menge Überraschungen.

Mit „Mr. Parnassus’ Heim für magisch Begabte“ liefert T. J. Klune ein modernes Fantasy-Abenteuer, das spannend, witzig und zugleich herzerwärmend ist.

Schuld, Liebe und Sinnlichkeit: In ihrem Haus 

Der niederländischen Schriftstellerin Yael van der Wouden ist mit ihrem Roman „In ihrem Haus“ ein außergewöhnliches Debüt gelungen. Die Geschichte spielt Anfang der 1960er-Jahre in der niederländischen Provinz und folgt Isabel, die allein im Haus ihrer verstorbenen Mutter lebt und für ihren eigenbrötlerischen Charakter bekannt ist. Als ihr Bruder Louis seine neue Freundin Eva für einige Wochen bei ihr einquartiert, gerät Isabels geordnetes Leben aus dem Gleichgewicht. Plötzlich verschwinden Gegenstände im Haus, Isabels Misstrauen gegenüber Eva wächst, aber zugleich entwickelt sich in der drückenden Sommerhitze eine unerwartete Anziehung zwischen den beiden Frauen.

Mit großer Eindringlichkeit erzählt Yael van der Wouden von der verdrängten Schuld der Kriegsjahre und verbindet diese Themen mit einer sensiblen, vielschichtigen Geschichte über Begehren, Nähe und Liebe.

Für weitere spannende Buchtitel schau auf unserem Artikel über Bücher für Feminist:innen vorbei.

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