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Tanzen unter freiem Himmel: 10 Open-Air-Locations

Die Temperaturen steigen und im Mai soll es noch bis zu 30 Grad werden. Es wird also Zeit die Sonnenbrille rauszuholen und wieder unter freiem Himmel zu tanzen! Hier kommen 10 Open-Air-Locations zum Trinken und Tanzen an der frischen Luft.

Text: Henry Lührs

Partys und Konzerte auf dem Knust Vorplatz

Von Frühling bis Spätsommer finden im Rahmen der „Knust Lattenplatz Open Air” jede Menge Konzerte, Partys und kleinere Festivals statt. Schon für kleines Geld oder sogar kostenlos können Spontanentschlossene hier warme Tage bestens mit einem kalten Bier in der Hand ausklingen lassen.

Ein Highlight sind jedes Jahr die zahlreichen „Knust Acoustic” bei denen Bands und Singer Songwriter akustische Konzerte unter freiem Himmel spielen. Hier haben zum Beispiel schon Jupiter Jones, Enno Bunger oder OK KID den sonnigen Platz zwischen Karostar und Schlachthofgebäude gerockt. Kommende Open-Airs im Mai sind zum Beispiel die Konzerte von Fazer, Lucas Laufen oder Ian Fisher und Band.

Public Viewing auf dem Lattenplatz beim Knust Foto: Knust
Kostenloses Konzert vor dem Knust (Foto: Lattenplatz Open Air)

Indie-Party im Backyard vom Molotow

Im Hinterhof des Molotows versteckt sich das legendäre Backyard. Hier finden im Sommer verschiedenste Gigs statt und auch Partys werden hin und wieder mit nach draußen verlegt. Neben der Möglichkeit an der frischen Luft zu verschnaufen oder eine (Raucher)Pause einzulegen, wartet außerdem eine kleine Bar mit kaltem Bier.

Das Backyard bietet Platz für Kleinere Festivals und hin und wieder wird der Hinterhof in einen Biergarten umgewandelt. Bis in den nächsten Morgen kann man sich hier die Sommernächte unter Lichterketten und Lampions um die Ohren hauen. Kommende Open-Air-Konzerte im Mai gibt es zum Beispiel von My Ugly Clementine oder Team Scheisse. Im Juni spielt außerdem Edwin Rosen unter freiem Himmel und das Booze Cruise Festival bespielt die Bühne des Backyards.

Tanzen wieder möglich: Molotow (Foto: Alexander Schliephake/www.instagram.com/_fox_on_the_run)
Tanzen wieder möglich: Molotow (Foto: Alexander Schliephake via Instagram)

Open-Air Raven im Edelfettwerk

Das Edelfettwerk ist bestens ausgestattet für die Open-Air-Saison. Hier kann nicht nur auf der großen BackYard-Terasse getanzt werden, sondern mit der Dachterasse und zwei Beachclubs gibt es gleich vier verschiedene Außenbereiche. Die ehemalige Fabrik für Edelfette hat bis heute ihren industriellen und urbanen Charme behalten.

Auf 400 Quadratmetern wird auf den verschiedenen Floors gefeiert – meistens zu Electro, House oder Drum’n’Bass. Techno-Highlights im Mai sind unter anderem die „Secret Garden“ Open Air oder die 16 Stunden Open Air „Yes we Dance”. Außerdem findet hier mit dem „Save the Summer Festival“ schon das erste Open-Air-Festival des Jahres statt.

Open-Air-Party (Foto: Edelfettwerk via Facebook)

Biergarten und Livemusik im Schroedingers

Direkt im Schanzenpark findet sich eine Mischung aus Kulturzentrum, Cafe, Restaurant und Eventlocation. In Corona-Zeiten hat sich vor allem der riesige Außenbereich als perfekter Ort für Konzerte und Live-Events bewährt. Jedes Wochenende werden hier verschiedene Partys gefeiert. Zu den Regelmäßigen Events gehören „Schrödingers Lichtung“ und „Schrödingers Tanzbar“, viele Veranstaltungen werden aber auch spontan über Social Media angekündigt.

Biergarten und After-Work Party kommen hier jedenfalls im modernen und zwanglosen Gewandt daher. Bei den Schrödingers Open Airs legen aber auch gerne mal renommierte DJs wie Oliver Schorries auf. Auf das Line-Up in diesem Sommer darf man daher gespannt sein!

Gesellige Sommerabende im Schanzenpark (Foto: Schroedingers via Facebook)

Open Air am Moorburger Elbdeich

Gute Partys gibt es nicht nur im Stadtkern! Gerade wenn es um Open Airs und elektronische Musik geht, lohnt sich generell der Blick auf die andere Elbseite. In Moorburg hat der Elbdeich e.V eine lebendige Plattform für Kunst, Musik und Feierkultur etabliert. Zwischen Autobahn, Hafenindustrie und Kraftwerk blüht hier das Leben bei den verschiedensten Veranstaltungen auf.

Im Sommer stehen natürlich auch Open Airs auf dem Programm. Die „Hofnarren Open Air“ lädt zum Beispiel am 28. Mai dazu ein, endlich wieder unter der Sonne zu tanzen. Auf die Ohren gibt es natürlich feinsten Techno. Aber auch das Swamp-Festival Ende Juni bringt Livemusik an den Moorburger Elbdeich.

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Foto: SZENE HAMBURG

Bootsparty auf der MS KOI

Was gibt es schöneres als auf der Elbe dem Sonnenuntergang entgegen zu schippern?! In Hamburg ist das möglich und zwar zu lauter Musik und ausgelassenen Partys auf der MS KOI. Vorbei an den vielen Kränen kann man hier auf drei Decks einmal quer durch den Hamburger Hafen tanzen. Die ersten beiden Touren für dieses Jahr hat das Party-Schiff schon angekündigt!

Am 21. Mai organisiert der Musikclub NOHO eine große 90er-Party. Auch die Sunset-Boatparty von Boris Dlugosch und Derrick White findet wieder statt, und zwar am 11. Juni 2022. Alle weiteren Partys und Events wird die MS KOI sicherlich in den nächsten Wochen ankündigen.

Auf der Elbe in den Sonnenuntergang tanzen (Foto: MS KOI via Facebook)

Livemusik auf dem Dockville Gelände

In den Sommermonaten ist auf dem Dockville-Gelände in Wilhelmsburg eigentlich immer etwas los. Auch wenn das MS Dockville Festival selbst natürlich das absolute Highlight der Open-Air Saison ist, lohnt sich der Ausflug auf die Elbinsel auch an anderen Tagen. Neben dem Dockville Festival findet beispielsweise auch das MS Artville Festival, das Spektrum Festival oder der Vogelball statt.

Neben diesen regulären Terminen gibt es aber auch noch einige weitere Konzerthighlights diesen Sommer. Am 27. August tritt der DJ und Produzent Boris Brechja bei einer großen Liveshow an der Alten Schleuse auf. Am 4. September kommt die Hamburger Techno Marching Band Meute für ein Konzert nach Wilhelmsburg. Es lohnt sich also die Augen offen zu halten und auf das Line-Up zu achten.

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Ekstase auf dem Dockville-Gelände (Foto: Andreas Hornoff)

Beach-Clubbing bei Strand Pauli

Der Beachclub Strand Pauli ist bereits im Sommermodus und hat den Laden komplett auf Vordermann gebracht. Mitten auf St.Pauli gibt es hier leckere Drinks mit Blick auf Elbe und Hafenpanorama. Bis Oktober ist die „Insel in der Stadt“, wie sich der Club selbst bezeichnet, sieben Tage die Woche geöffnet. Hier schmeckt das Feierabendbier an den geselligen Grillabenden besonders gut.

Aber natürlich kann im Strand Pauli auch regelmäßig gefeiert werden. Wer keine Lust hat, auf das nächste Event zu warten, kann die eigene Freundesgruppe anmelden und selbst einen drauf machen (ab 15 Personen) oder ganze Teile des Ladens für die eigene Party mieten (ab 50 Personen).

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Sonnenuntergang im Beachclub am Hafen (Foto: Strandpauli)

Drinks und DJs in der Sands Bar

Direkt am Dammtor Bahnhof befindet sich die Kult-Cocktailbar Sands Bar. Hier gibt es leckere Drinks in entspannter und schicker Atmosphäre. Die große Terrasse wurde für die Open-Air-Saison neu gestaltet und mit einer kleinen Eventfläche ausgestattet. Bei den Sands-Open-Airs wurde in der Vergangenheit bereits ausgelassen in laue Sommernächte gefeiert. Wer gute Cocktails zu schätzen weiss, wird sich hier über eine prächtige Bar freuen.

Buntes Treiben auf der Sonnenterasse (Foto Sands Bar via Facebook)

Über den Dächern feiern im Clouds

Ganz Hamburg im Blick und dabei eine Gin Tonic in der Hand haben? In der Clouds Heaven’s Bar ist das kein Problem! Gefeiert wird hier allerdings eigenen Angaben zur Folge auch in „uppereast-Manier“. Zum Beispiel am 21. Mai 2022 bei der achten Ausgabe der Partyreihe „Upperclouds“. Auf der Dachterrasse der Bar, dem heaven’s nest, lässt es sich gut über den Dingen stehen und bei dem Elbblick schmeckt der Schampus besonders gut. Beim Dresscode gilt: Dress to Impress!

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Lounge-Feeling über den Dächern der Stadt (Foto: Clouds Heaven Nest)

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Zurück ins Club-Glück

Auf ein Neues: Endlich machen Hamburgs Clubs wieder auf. Carsten Brosda, Senator der Behörde für Kultur und Medien, im Gespräch über die Spuren des vergangenen Corona-Winters und das Tanzen in Zeiten weltpolitischer Krisen

Interview: Anna Meinke

SZENE HAMBURG: Carsten Brosda, am 4. März 2022 öffneten Hamburgs Clubs ihre Türen erneut. Unter 2G+-Bedingungen darf seitdem ohne Maske gefeiert werden. Haben Sie die neue Freiheit schon ausgenutzt und mal wieder so richtig das Tanzbein geschwungen?

Carsten Brosda: Noch nicht. Ich bin ohnehin eher einer von denen, die bei einem Konzert mit einem Bier in der Hand im Raum stehen und die Musik aufsaugen. Ich freue mich aber sehr, dass endlich wieder die Clubkultur gefeiert werden kann!

Gleichzeitig wurde Hamburg am 30. März zum Corona-Hotspot erklärt. Haben Sie trotzdem ein gutes Gefühl dabei, das Feiern wieder möglich gemacht zu haben, oder ist Ihnen auch ein wenig mulmig zumute?

Es ist gut, dass Hamburg angesichts der noch immer hohen Infektionszahlen vorsichtig ist. Schließlich ist Corona noch nicht vorbei, die Infektionszahlen sind hoch. Mit wenigen Maßnahmen können wir uns vergleichsweise wirksam schützen. Neben der Notwendigkeit zum Impfen ist es deshalb klug, auch weiterhin vorsichtig zu sein, gerade auch damit der ganze Wahnsinn nicht im Herbst wieder von vorne beginnt.

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„Viele haben in den letzten Monaten gemerkt, was alles fehlt“, sagt Kultursenator Carsten Brosda (Foto: Bertold Fabricius)

Das Personalproblem

Nach dem zehnwöchigen Winterschlaf ist das Bedürfnis bei vielen groß, sich ins Getümmel zu stürzen und die Nächte durchzutanzen. Was zeigt denn die Erfahrung der letzten Wochen – gibt es gerade eine regelrechte Party-Explosion?

Mein Eindruck ist schon, dass viele in den letzten Monaten gemerkt haben, was alles fehlt, wenn diese Orte wegfallen, an denen wir mit anderen zusammenkommen. Wir sehen das auch in anderen Kultureinrichtungen. Es macht einen Unterschied, ob ich auf dem Sofa Netflix gucke oder ob ich zum Beispiel im Theater ein einmaliges Live-Erlebnis habe. Und dann steht man im Anschluss mit anderen Menschen zusammen und tauscht sich aus. Das gilt natürlich erst Recht für Clubs, die ja gerade von dieser physischen Enge leben. Ich hoffe sehr, dass wir uns dieses Bewusstsein für den Wert des gemeinsamen Erlebens bewahren!

Irgendwelche nennenswerten Corona-Ausbrüche?

Wie gesagt: Generell sehen wir, dass die Zahlen weiter hoch sind und wir noch vorsichtig seien müssen. Insofern ist es gut, dass wir in den Clubs weiterhin die 2G+ Regelung gilt. Mein Eindruck ist, dass wir damit die Situation derzeit ganz gut im Griff haben.

Und wie sieht es hinter den Bars, am Eingang und an der Club-Garderobe aus? Machen sich Fachkräftemangel und Personalnot bemerkbar?

Das ist ein echtes Problem. Darum ist es auch gut, dass zum Beispiel die Clubs auf dem Kiez jetzt mit einer Kampagne gezielt Personal ansprechen. Daher war uns aber auch wichtig, dass wir mit unseren Hilfen immer so weit wie möglich nicht nur Einnahmeausfälle gezahlt haben, sondern vor allem weiter das Veranstalten unter Corona-Bedingungen ermöglichen wollten. So konnte wenigstens ein Teil des Personals gehalten werden.

„Ich wünsche mir, dass diese Corona-Generation jetzt durchstartet“

Also, alles wie immer, getreu dem Motto „The Kiez is back“?

Ich bin mir nicht sicher, ob unser Ziel sein sollte, dass einfach alles zum Alten zurückkehrt. Wir können ja auch aus den Erfahrungen der letzten zwei Jahre lernen und manches besser machen. Vielleicht gehen wir mit den Kulturorten ja jetzt auch viel bewusster um und erkennen zum Beispiel den großen Wert der vielfältigen Clubkultur in der Stadt. Das wünsche ich mir jedenfalls. Vor allem aber muss sich das Publikum seinen Kiez jetzt wieder zurückerobern und mit Leben füllen. Man muss sich ja vor Augen führen, dass da jetzt auch eine Generation die Clubkultur ganz neu erleben wird, die eigentlich in den letzten Jahren die Nächte hätte erobern sollen, stattdessen aber zu Hause bleiben musste. Ich wünsche mir sehr, dass diese Corona-Generation jetzt durchstartet und die Erfahrungen machen kann, die man in dem Alter machen muss!

„How can we dance when our world is turning? How do we sleep while our beds are burning?“

Midnight Oil

Es hätte so schön sein können – bundesweit sinken die Fallzahlen und es darf endlich wieder getanzt werden. Doch vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine stellt sich die Frage, inwiefern eine hemmungslose Feierei gerade überhaupt möglich ist. Gegen den Weltschmerz antanzen – ist das eine gute Idee?

In meiner Jugend haben Midnight Oil gefragt: „How can we dance when our world is turning. How do we sleep while our beds are burning.“ Die Frage stellt sich immer wieder. Aber die Geschichte zeigt ja auch, dass gerade die Popkultur Veränderung fördern kann. Deswegen finde ich die Idee, gegen den Weltschmerz anzutanzen, eigentlich recht schön. Auch das bedeutet ja, diesem Wahnsinn unsere Haltung von einer freien Kultur entgegenzustellen. Aber ich gebe zu, dass das schwerfällt – und dass die Form immer wieder überprüft werden muss.

Momente der Gemeinschaft

Welchen Stellenwert haben das gemeinsame Feiern und Live-Musik-Erlebnisse Ihrer Meinung nach? Und was bleibt vielleicht auf der Strecke, wenn wir nicht tanzen gehen können?

Für mich sind das Momente, in denen Gemeinschaft spürbar wird. Kae Tempest beschreibt in ihrem Buch „Verbundensein“, dass sich bei einem Konzert sogar der Puls der Anwesenden angleicht. Das Wissen darum, dass wir einander brauchen und aufeinander reagieren, ist wichtig.

Ich finde die Idee, gegen den Weltschmerz anzutanzen, eigentlich recht schön.

Kultursenator Carsten Brosda

Clubbetreiber:innen beklagten in den vergangenen zwei Jahren vielfach eine gewisse Leichtfertigkeit, die den Umgang der Politik mit der Schließung von Clubs vermeintlich prägte. Kommt mit der „neuen Feierei“ auch eine neue, vielleicht absehbarere Corona-Strategie für die Kulturszene?

Da haben wir in den letzten Monaten schon eine Menge voneinander gelernt. Ich denke noch mit Schrecken an die ersten Corona-Verordnungen, in denen die Kultur mit Freizeiteinrichtungen und Puffs auf eine Stufe gestellt wurde. Das hat zu Recht einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Inzwischen wird der besondere Stellenwert der Kultur erkannt. Bund und Länder haben auch deutlich gemacht, dass es sehr genauer Begründungen bedarf, wenn die Freiheit der Kunst eingeschränkt wird. Mit Blick auf die Live-Musik macht mir Mut, dass die neue Bundesregierung nun erstmals Clubs als Kulturorte anerkannt hat und auch entsprechend schützen will. Wir in Hamburg wissen schon lange, wie wichtig eine lebendige und vielfältige Club-Szene für die Kultur ist. Da kann es nur helfen, wenn da künftig Bund und Länder mit der Szene an einem Strang ziehen.


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„Wir haben eine Verantwortung“

Die Solidarität mit der Ukraine und mit den vor dem russischen Angriffskrieg fliehenden Menschen ist groß. Auch aus der erst kürzlich wieder hochgefahrenen Club- und Veranstaltungsszene gibt es Hilfe. John Schierhorn vom Schrødingers im Schanzenpark berichtet

Interview: Ole Masch

Benefiz-Flohmarkt im PAL, Ukraine Fundraiser-Party im Edelfettwerk oder der „Peace Please Soli-Rave“ am 1. April 2022 im Fundbureau sind nur einige Beispiele, wie innerhalb der Clubszene geholfen wird. Auch die Crew um John Schierhorn vom Schrødingers packt kräftig mit an. Bereits im letzten Jahr wurde das Kulturzentrum mit dem Sonderpreis des Club Awards geehrt. Diverse Soli-Veranstaltungen, unter anderem für Sea Watch, eine wöchentliche Essensausgabe für bedürftige Menschen oder im Winter Platz für ein Zeltlager, um Obdachlosen einen Ort zum Verweilen zu ermöglichen, waren Gründe für die Auszeichnung. In der aktuellen Situation, wo täglich Tausende Geflüchtete in Hamburg ankommen, konnte das Schrødingers sein Netzwerk ebenfalls nutzen, um Menschen direkt zu unterstützen.

„Erst einmal muss es meist schnell gehen“

SZENE HAMBURG: John, woher kommt der Antrieb immer wieder zu helfen?

John Schierhorn: Es wird halt gerade einfach Hilfe gebraucht. Wir sind ja nicht nur Konzertort, sondern vor allem auch Stadtteilkulturzentrum. Als solches haben wir eine Verantwortung. Und wir wissen: Die Welt wird nicht besser, wenn nicht alle daran mitarbeiten. Also begreifen wir uns als Team und Ort, an dem jeder Mensch mithelfen kann!

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„Es wird gerade einfach Hilfe gebraucht“ sagt John Schierhorn vom Schrødingers (Foto: ohne Credit)

Welche Hilfsaktionen habt ihr im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine initiiert?

Wir unterstützen die Helfenden an der Registrierungsstelle in Wandsbek. Dort sind jeden Tag mehrere Hundert Menschen. Wir haben ein kleines Logistikzentrum gebaut und koordi­nieren die Versorgung mit warmen und kalten Speisen, Hygieneartikeln, Decken et cetera mit. Zusätzlich werden wir ab dem Monatswechsel im Schrødingers eine Kinderbetreuung einrichten, damit die geflüchteten Kids ein wenig auf andere Gedanken kommen und die Eltern sich um Orga und so weiter kümmern können.

Wie baut man so eine Hilfsaktion auf ?

Erst einmal muss es meist schnell gehen. Dann aber geht es viel um Logistik. Es braucht eine gewisse Infrastruktur vor Ort, das erleichtert jeden weiteren Schritt erheblich. Dazu zählt auch allerhand Organisation. Dabei ist die freiwillige Mitarbeit von Menschen, die idealerweise eine solide Vorbildung haben, megawichtig. Insbesondere Menschen aus dem Veranstaltungsbereich haben natürlich einen guten Überblick, wie viele Menschen zu versorgen und die Abläufe zu planen sind.

Wie schafft ihr das neben dem eigent­lichen Betrieb?

Wir teilen uns auf, arbeiten richtig viel und haben Mut zur Lücke.

„Kriege einfach nicht mehr führen, wäre ganz geil“

Wie schätzt du die Solidarität inner­halb der Club­ und Veranstaltungs­szene ein?

Die Clubs sind gerade alle mitten in der Eröffnung. Aber viele stellen zum Beispiel ihre Bandappartements zur Verfügung und die Mitarbeitenden vor Ort sind oft Clubmenschen. Lieblingskommentar gerade gestern: „Eigentlich fehlt hier nur noch der DJ.“

Wie kann man sich als Einzelperson beteiligen?

Es gibt an allen Hilfsorten mittler­weile Orgateams, die über Facebook, Padlet und Whatsapp vernetzt sind. Im Zweifel einfach vor Ort vorbeischauen und dort fragen, wie man in die Gruppen kommt.

Was sollte man vermeiden?

Einfach mit irgendwelchen Sachen kommen. Insbesondere Klamotten­ spenden werden fast nirgends mehr angenommen. Vor Ort oder in den Gruppen nach den tagesaktuellen Bedarfen fragen. Oder gerne auch einfach Geld spenden, damit kann meist am schnellsten auf die aktuellen Bedarfe reagiert und in großen Mengen eingekauft werden.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Kriege einfach nicht mehr führen, wäre ganz geil. Und dafür sorgen, dass alle Menschen ein Dach über dem Kopf und genug gesundes Essen haben. Das kann verdammt noch mal nicht so schwer sein, wenn alle mitmachen!

schroedingers.hamburg/spenden

Eine Übersicht über weitere Hilfsaktionen, Soli-Veranstaltungen der Kultur, Demonstrationen und Informationen für Geflüchtete und Helfende gibt es im Ukraine-Ticker der SZENE HAMBURG.


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Meet The Resident – POSH

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: POSH – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman 

 

SZENE HAMBURG: Dein Sound?

POSH: Die Essenz bewegt sich zwischen klassischem und Industrial-Techno. Ich erzeuge gerne eine dynamische, körperbetonte und düstere Atmosphäre, in dem ich treibende und hypnotische Tracks spiele. Außerdem stehe ich auf analogen Sound, daher habe ich mich entschieden ausschließlich Vinyl zu spielen. Das macht mir am meisten Spaß und gibt meinen Sets einen besonderen Kick.

Schrecklichste Gastfrage?

Ich bin sehr konzentriert und in meinem eigenen Flow, deshalb spricht mich auch eigentlich niemand an, wenn ich auflege.

Größter Moment als DJ?

Alle meine DJ-Erlebnisse waren einzigartig und besonders, aber der größte Moment muss noch kommen.

Platte des Monats?

„Sentence One“, welche am 30. Oktober auf dem italienischen Label „Sacred Court“ veröffentlicht wurde. Es ist eine Various Artist EP und jeder Track ist ausdrucksvoll und stark.

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben?

Ich habe dieses Jahr den DJ/Produzent „Sugar“ für mich entdeckt. Seine Produktion und Sets sind sehr intelligent und das ist ganz nach meinem Geschmack 🙂

Hamburgs Stärken?

Das Publikum. Es ist sehr dankbar und herzlich. Man kann mit Hilfe der Musik eine gewisse Intimität auf dem Dancefloor erreichen und genießen.

Und die Schwächen?

Es mangelt der Stadt an Vielfalt und Alternativen der Clubs.

 

Ein aktuelles Set von POSH hört ihr hier: 


Cover_Szene_Hamburg_Dezember_2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2020. Das Magazin ist seit dem 28. November 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Clubszene: „Der Wahnsinn ist noch lange nicht vorbei“

Fast jeder Lebensbereich ist von der aktuellen Corona-Krise betroffen. Wie Hamburgs Nachtleben mit der Situation umgeht, erklärt Terry Krug, einst Besitzerin der legendären Tanzhalle, Gründungsmitglied des Clubkombinats, Restaurantbetreiberin und Vorsitzende der Clubstiftung

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Terry, was macht eine Clubstiftung?

Terry Krug: Die Stiftung zur Stärkung privater Musikbühnen Hamburg, wie sie richtig heißt, ist eine gemeinnützige Organisation, die laut Satzung den Auftrag hat, die musikalische Attraktivität der Hansestadt Hamburg zu sichern. Ziel der Stiftung ist es, mit Fördermodellen die erheblichen Kosten für die Hamburger Musikclubs abzumildern und eine stetige Kompetenzerweiterung der Betreiberinnen und Betreiber zu begleiten.

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Terry Krug, Gründungsmitglied des Clubkombinats (Foto: Lidija Delovska)

Und in der heutigen Zeit?

Wir haben in den letzten Jahren mit der Clubstiftung und dem Clubkombinat Organisationen aufgebaut, die ein großes Vertrauen in der Szene genießen. Das Netzwerk lebt von persönlichen Kontakten und einem solidarischen Netzwerk. Das hilft jetzt ungemein. Sichtbar wird das gerade bei all den verschiedenen Charity-Aktionen der Clubs, die zu kollektiven Spenden in den gemeinsamen S.O.S. – Save Our Sounds-Rettungsfonds aufrufen.

Wie funktioniert der Fond?

Mit unserer Kampagne sammeln wir Gelder, um ein Clubsterben von unbekanntem Ausmaß zu verhindern. Am bekanntesten ist sicherlich die Aktion „United We Stream“, gestreamte Konzerte und DJ-Sets. Wir haben aber auch einen Onlineshop, in dem wir zum Beispiel die hübschesten Bandanas der Welt verkaufen. Übrigens das Corona-Accessoire schlechthin, wunderbar als Maske zu nutzen.

Oder man gönnt sich zwischendurch mal ein Soli-Bier. Wir kooperieren auch mit vielen tollen Partnern: Weltbekannte DJs wie Solomun rufen ihre Fans zur Unterstützung der Hamburger Szene auf. Unendlich viele Künstler unterstützen das digitale Kulturprogramm unserer Clubs. Kleine Getränkeproduzenten und Lieferanten tun sich zusammen, um sich selbst zu helfen und uns dabei zu unterstützen. Wir erfahren durch viele Aktionen eine sehr breite Unterstützung. Das tut gut. An dieser Stelle ein großes Dankeschön.

Wie viel Geld ist bis jetzt zusammengekommen?

Wir konnten bis Ende März mehr als 120.000 Euro an Spendengeldern generieren. Die Zählung für den April läuft aktuell noch. Wir hoffen, dass wir die vorherige Summe am Ende des Monats toppen können.

 

Gestärkt in die Zukunft starten

 

Hat eine erste Auszahlung bereits stattgefunden?

Leider nein. Mit der Ausschüttung dieser Gelder hat die Stiftung, ähnlich wie viele andere gemeinnützige Organisationen gerade steuerliche Herausforderungen zu bewältigen, die wir im Vorfeld leider so nicht gesehen haben. Corona kommt ja nicht alle Tage.

Wir als Stiftungsvorstand arbeiten aber gerade auf Hochtouren – gemeinsam mit der Behörde für Kultur und Medien und der Finanzbehörde – an einer Lösung. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir zeitnah ausschütten können, denn das Geld wird dringend benötigt.

Wie geht es danach mit der Kampagne weiter?

Unser Fokus liegt derzeit darauf, alles dafür zu tun, dass die staatlichen Hilfen die Live-Clubs über den anstehenden Sommer retten und dass die privaten S.O.S.-Hilfen insbesondere bestehende Förderlücken füllen können.

Ich persönlich glaube, dass die Clubs in dem zwangsverordneten Sabbatical aber auch alles dafür tun sollten, um sich für die Zeit nach Corona fit zu machen. Jede freie Minute sollte genutzt werden, um sich weiterzubilden und das Geschäft neu aufzustellen. Die Krise könnte dann auch eine Chance sein. Ich kämpfe dafür, dass wir als Stiftung auch dafür Gelder einsetzen, um nach Corona gestärkt in die Zukunft zu starten.

Gibt es Clubs die bereits ganz schließen mussten?

Bisher liegen uns glücklicherweise noch keine Informationen dazu vor. Wir gehen im Moment auch nicht davon aus. Die ersten Soforthilfen von staatlicher Seite konnten sicherlich den einen oder anderen Club vor diesem Schritt bewahren. Aber der Wahnsinn ist noch lange nicht vorbei.

Es wird eine verdammt harte und lange Zeit auf die Spielstätten zukommen. Die Clubs waren die ersten, die von den Schließungen betroffen waren und werden die letzten sein, die wieder aufmachen. Kulturbetriebe sind äußerst fragile Gebilde und einem Biotop gleichzusetzen: Wenn es einmal tot ist, geht es unwiederbringlich verloren.

Welche Soforthilfen vom Staat gab es?

Wir in Hamburg können uns bisher wirklich glücklich schätzen. Die Behörde für Kultur und Medien hat die Livemusik-Spielstätten unter ihren Schutzschirm genommen. Die Clubs werden seit dem Ausbruch der Corona-Krise mit einer Soforthilfe in Höhe von 1,5 Millionen Euro unterstützt.

Diese Förderung ermöglicht den Kulturbetrieben, trotz der anhaltenden Schließungen, die laufenden Kosten wie Miete, Strom und Auslagen für Kurzarbeitergeld bezahlen zu können und wirken ergänzend zu den weiteren Hilfen aus Bund und Land. Eine Überkompensation soll damit ausgeschlossen werden. Wir sind dem Senat sehr dankbar für diesen Support, aber trotzdem müssen wir über die S.O.S.-Kampagne weiter Unterstützungsgelder sammeln.

 

Vitale und vielfältige Clubkultur halten

 

Wie lange reicht das Geld?

Ab Mai brauchen wir dringend eine Verlängerung der Hilfen. Die Clubs, die bisher noch liquide Mittel hatten, wird es nicht mehr geben. Ich bin davon überzeugt, dass nun ausnahmslos alle Musikclubs die Hilfen beantragen müssen.

Außerdem erhoffe ich mir, dass wir uns zusätzliche vermehrt Gedanken über Programme für die Zeit nach Corona machen. Noch besser wären nachhaltige Maßnahmen, die die Spielstätten auf diese Zeit vorbereiten und ihnen die nötigen unternehmerischen Kompetenzen vermitteln, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Für Veranstalterinnen und Veranstalter ohne feste Spielstätte wird es auch täglich schwerer. Ebenso für Künstlerinnen und Künstler und die vielen Soloselbständigen im Veranstaltungswesen, die eine vitale und vielfältige Clubkultur ausmachen. Bisher gibt es für diese Gruppe keine wirkliche Lösung. Hier sollte die Politik dringend nachbessern.

Gibt es schon Hinweise wie lange die Schließung der Clubs dauern wird?

Der Kultursenator hat öffentlich die Schließung der Clubs bis zum 30. Juni angekündigt. Wir begrüßen zunächst einmal diese Planungssicherheit.

Aber was bedeutet das?

Im Juli startet für alle die Sommerpause. Das ist die Zeit der Festivals und Outdoorevents. Große Veranstaltungen mit über 1.000 Personen sollen aber bis zum 31.8. untersagt sein. Es ist derzeit nicht absehbar, wann und unter welchen Auflagen die Clubs wieder ihre Türen für Publikum öffnen dürfen. Wir rechnen frühestens Anfang September damit.

 

„Wir wollen mit guten Ideen überraschen“

 

Welche Lösungsansätze seht ihr für eine Lockerung der Maßnahmen?

Das wird nicht einfach. Natürlich könnte man bestuhlte Konzerte veranstalten und die vorgeschriebenen Abstände einhalten. Auch sind Clubs selbstverständlich in der Lage, die erforderlichen Hygienemaßnahmen umzusetzen. Aber! Dies würde bedeuten, dass die Clubs einen erheblichen Teil ihrer Kapazität verlieren und sich das direkt in den Umsätzen widerspiegelt. Die Betriebskosten wären so sicherlich nicht zu decken, von Gewinnen mal ganz abgesehen.

Es sei denn, die Besucher wären bereit höhere Ticketpreise zu zahlen. Oder der Staat hilft weiter mit: Konzertkarten müssten subventioniert werden wie zum Beispiel in der Oper. In der Hochkultur sind die Mehrkosten auch schon vor Corona aus der Staatskasse getragen worden. Dies könnte ein spannender Ansatz sein.

Sind weitere Soli-Aktionen geplant?

Wir wollen hier nicht zu viel erzählen, sondern lieber weiter mit guten Ideen überraschen. So viel sei verraten: Wir werden den Soli-Webshop mit noch mehr Produkten bestücken. Täglich erreichen uns neue Offerten für Soli-Aktionen. Wir hoffen, auf einen breiten Support durch möglichst viele Schichten der Gesellschaft. Denn nur gemeinsam können wir unserer kulturellen Räume erhalten und damit nicht nur die kulturelle Vielfalt Hamburgs retten, sondern auch eine starke Demokratie und eine lebenswerte Gesellschaft schützen.

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 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2020. Das Magazin ist seit dem 30. April 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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