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Leo: „Wieso sind so viele Menschen so ruhig?“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Leo begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Mein Leben ist ziemlich ungeordnet. Ich habe einen Lebenslauf, der keinerlei Logik folgt, habe Studiengänge abgebrochen, mal hier und da geschaut, mittlerweile bin ich bei der Musik gelandet und, na ja, mal schauen, wo das hinführt. Es fühlt sich auf jeden Fall gut an. Ich brauche kein geordnetes Leben. Es ist okay, solange ich später nicht von mir selbst enttäuscht bin. Sodass ich irgendwann da sitze und denke, ich war nicht mutig genug und auf einmal Dinge sage wie: „Boah, hätte ich mal…“. Davor habe ich Angst. Vielleicht ist es auch die Angst davor Angst zu haben.

Die Musik fühlt sich gerade nach einem guten Weg an. Ich schreibe viele Songs über das Klima, über Geflüchtete oder andere Ungerechtigkeiten, die mich beschäftigen. So komme ich mit Themen emotional besser klar. Ich habe auch einen Song für Fridays For Future geschrieben, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, der Bewegung fehlt noch der Sound, da muss ein Lied her. Es heißt „It’s Not Too Late“. Ich habe es sogar mal auf einer Demo vor 20.000 Leuten gespielt. Das war krass. In dem Moment war jegliche Unsicherheit und Aufregung weg, weil ich wusste, dass es richtig ist.

Wir als Musiker haben schließlich ein Sprachrohr. Das sollten wir auch nutzen. Ich frage mich eh häufig, warum die meisten Menschen so ruhig sind. Meiner Meinung nach haben wir Menschen sogar die Verantwortung, auf irgendeine Art aktivistisch unterwegs zu sein. Unser Leben, diese Nische, in der es die Menschheit gibt, ist nicht selbstverständlich. Aber wir leben so als wäre es das. Das geht so krass auf Kosten des globalen Südens, das muss doch langsam mal jeder verstehen. Diese Ungerechtigkeiten tun weh, wenn man mal richtig hingeschaut hat. Dann kann man auch nicht mehr wegschauen. Jedenfalls war’s bei mir so.

 

Andere Realitäten

 

Ich habe früh schon ganz andere Realitäten kennengelernt, weil ich in Japan geboren und aufgewachsen bin. Daher bin ich viel durch Asien gereist und habe eine Armut gesehen, die unvorstellbar ist. Im Altai-Gebirge habe ich Straßenkinder getroffen, die im Winter in Kanalisationen leben, weil es da wärmer ist. Solche Ungerechtigkeiten haben mich immer schon beschäftigt.

Als ich in der ersten Klasse war, bin ich dann mit meiner Mutter zurück nach Deutschland gegangen, zu meinem Vater habe ich heute keinen Bezug mehr. Er ist dageblieben.

Manchmal glaube ich, dass ich durch die Musik ein schweres Thema auch ein Stück weit schöner machen kann, das Thema quasi anders besetzen kann. Außerdem ist es eine besondere Form, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.

Wenn ich hier auf der Straße spiele, schreiben mir oft Leute, dass sie berührt sind, wollen einen Song haben oder sprechen mich an – so wie du jetzt. Obendrein Geld damit zu verdienen, ist auch nicht ganz verkehrt. Heute müssten es so um die 80 Euro geworden sein. Morgen wollte ich mit einem Kumpel nach Schweden fahren. Damit ist die Hinfahrt schon mal drin. Wir wollen zwei Wochen wandern. Wie es danach weitergeht, schaue ich mal.“


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Hans-Christian: „Frauen kamen für mich sowieso nie in Frage”

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Hans-Christian begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„In Kürze werde ich 87 Jahre alt. Ein stolzes Alter ist das nicht, es ist ein hohes. Ich finde den Begriff Stolz immer ein bisschen schwierig. Der Stolz lässt auch nach im Alter. Für mich ist das eine Eigenschaft, die im Grunde gar nicht positiv ist.

Zufriedenheit finde ich den schöneren Begriff. Wenn ich nicht zufrieden wäre, dann wäre ich vermutlich schon gar nicht mehr da. Ich habe nämlich einen Trick, durch den es mit der Zufriedenheit gut klappt: Nicht zu hohe Ansprüche ans Leben stellen.

Ich habe selbst keine Familie gegründet, Frauen kamen für mich sowieso nie in Frage. Ich habe lange Zeit mit Männern zusammengelebt. Aktuell habe ich auch einen Freund, der wohnt allerdings in Travemünde und wir sehen uns nur in Abständen. Aber auch dabei darf man nicht zu anspruchsvoll sein. Was bedeutet das schon, jemanden fürs Leben zu finden? Ich selbst bin ja dieser jemand, mit dem ich ein Leben lang zusammen bin.

 

„Na und? Ich jammere doch auch nicht.”

 

Nein, so etwas brauchte ich nie. Ich war Zeit meines Lebens Jurist und habe immer mal wieder für ein paar Jahre im Ausland gelebt. In Amerika auf Vancouver Island, in Florenz und Meran, in der Schweiz. Das hat mich genügend erfüllt. Früher oder später hat es mich immer und immer wieder nach Hamburg zurückgezogen.

Nun wohne ich seit einer Ewigkeit am Isemarkt. Dort herrscht eine liebevolle Nachbarschaft. Ich freue mich, dass ich solch gute Leute um mich habe, mich noch immer austauschen kann, dass ich meine Sammel-Hobbys habe und mein Leben auf diese Weise weiterhin erfüllend gestalten kann.

Wenn ich mir die meisten Leute anschaue, verstehe ich nicht, wieso sie so erregt sind. Die Leute sind so dermaßen unzufrieden, dabei können sie doch auch mal versuchen, zufrieden zu sein mit dem, was sie haben.

Ich bin gesundheitlich auch nicht mehr so fit und mache gerade meine Runde, um Medikamente und neue Batterien für meine Hörgeräte zu kaufen. Na und? Ich jammere doch auch nicht, es ist schließlich herrliches Wetter. Vielmehr freue ich mich, gleich nach Hause zu kommen und auf meiner großen Terrasse ein Buch zu lesen. Und dann schaue ich mal, was das Leben noch so bietet.“


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Johannes: „So bin ich ständiger Zaungast des Lebens“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Johannes begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Ich saß mit meiner Frau in Tansania an einem gottverlassenen Bahnhof, etwa 100 Kilometer westlich von Dodoma, irgendwo mitten im Land und wir haben den ganzen Tag auf einen Zug gewartet. Es war völlig unklar, ob er kommt oder nicht. Mit uns zusammen hat dort ein Massai gesessen, der auch auf diesen Zug gewartet hat. Dieser Mann hat eine Ruhe ausgestrahlt, das habe ich noch nicht erlebt. Mit diesem Menschen, mit dem wir überhaupt keinen Kontakt hatten, zusammen auf einen Zug zu warten, ungewiss, ob er überhaupt kommt und dann zu sehen, dass man dabei total ruhig und zufrieden sein kann: Das fand ich sehr beeindruckend.

Ich bin viel durch Afrika und Asien gereist. Eigentlich ist es unerträglich, in was für einem Wohlstand wir hierzulande leben. Wir halten Menschen von der Migration nach Deutschland ab und sind gleichzeitig nicht bereit, unseren Wohlstand zumindest mal zu begrenzen. Es ist nicht zulässig, Mieten ins Unerlässliche steigen zu lassen und Gewinne ohne Ende zu privatisieren. Mir geht es dabei ja nicht darum, den Sozialismus einzuführen, sondern ganz einfach um Wohlstandsgrenzen.

Ich definiere mich zeitlebens über das Recht, lebe nach Prinzipien und Strukturen, die ich in meinem Juristendasein gelernt habe. Vielleicht hätte ich auch etwas anderes machen sollen, denke ich manchmal. Dann wäre ich heute aber auch jemand anderes. So habe ich mich nun mal für das Recht entschieden und bin seit gut 40 Jahren Anwalt. Ich habe darüber Menschen, Betriebe und Beziehungen kennengelernt. Denn ich liebe es zu suchen. Sucht man etwa nach Motiven, wird vieles nachvollziehbar. Ich sage es gerne so: Durch den Beruf bin ich ein ständiger Zaungast des Lebens.

 

„Nach 39 Jahren zieht man nicht mehr weg“

 

Inzwischen bin ich seit drei Jahren in Rente, arbeite aber immer noch nebenbei. Ansonsten verbringe ich viel Zeit auf unserer kleinen Datsche, etwas außerhalb von Hamburg auf einem kleinen Bauernhof. Die hatte ein völlig krummes Dach, aber ich habe da oben ein Zimmer ausgebaut mit allem Drum und Dran: neuer Dachstuhl, neue Dachgaube, Fenster eingesetzt, eine Treppe angebaut. Das war höchst kompliziert für einen, der das nicht gelernt hat, aber es war letztendlich erfüllend.

Wenn ich mit meiner Frau da draußen bin, die Schafe und Alpakas um uns herumrennen, und in dem Wissen bin, bald kann ich mit meinem Enkel Trecker fahren, ist alles, was hier in der Stadt passiert, vergessen. Seit 39 Jahren wohne ich in Eppendorf. Erst in einer Wohngemeinschaft, später mit meiner Frau, irgendwann mit unserer Tochter. Da zieht man nicht mehr weg.

Meine Tochter wohnt jetzt in der Neustadt im Gängeviertel, das ist eine ganz andere Atmosphäre als hier. Da riecht man morgens, dass es dem Stadtteil am Abend gut gegangen ist. Die Menschen stehen auf der Straße, trinken Kaffee zusammen, unterhalten sich. Mit unseren Bauern auf dem Land ist das genauso so. Man unterhält sich. Ganz anspruchslos, ganz normal, ohne gedankliche Tiraden.

In Eppendorf fehlt mir mitunter dieses Gefühl von Nachbarschaft. Dabei könnten wir alle mehr miteinander reden, auch einem Fremden mal einen freundlichen Blick schenken. Wenn ich dir eins mitgeben kann, dann genau hinzugucken, sich Zeit für andere Menschen zu nehmen. Manchmal urteilen wir zu schnell. Also: lieber zwei Mal hingucken. Und richtig zuhören.“


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Rindchen schlemmt – im Restaurant Cornelia Poletto

Cornelia Poletto: Mehr als ein Feinkostladen mit warmer Küche: In diesem Restaurant genießen Gäste komplexe Geschmäcker voller Tiefe und eine kluge Weinauswahl

Text: Gerd Rindchen
Foto: Studiolassen.de

Es mutet an wie ein Paradoxon, dass Hamburgs wohl unterschätzteste Speisegaststätte ausgerechnet von der bekanntesten Köchin Deutschlands betrieben wird: Das hat sich die Quotenqueen aber ein Stück weit selbst eingebrockt. Als Cornelia Poletto ihr Sternerestaurant schloss verkündete sie, in ihrem neuen Domizil schwerpunktmäßig edle Feinkost verkaufen und die Speisekarte vorwiegend mit Bio-Brathähnchen und Premiumsardinen aus der Dose bestücken zu wollen.

Ergo erwartete ich hier, wenngleich aus guten Zutaten, eher schlichtes Essen – und als Klientel vorwiegend Food-Touristen aus Neheim-Hüsten, die in der Hoffnung buchen, einen Blick auf die Inhaberin zu erhaschen. Selten so vertan: Das mit den guten Zutaten stimmt zwar, was aber völlig an mir vorbeigegangen war: Mit Robert Stechmann hat sie sich derweil einen Chefkoch herangezogen, der mit seinem Team in kongenialer Manier die Poletto’sche Frischeküche zelebriert.

De facto isst man hier wieder so gut wie im früheren Sternetempel – nur wesentlich preisgünstiger. Aus der monatlich wechselnden Karte kann man sich ein Drei- oder Viergängemenü nach eigenem Gusto zusammenstellen – vier Gänge kosten 72 Euro und sind jeden Cent wert.

 

Satter, sinnlicher Geschmack

 

Beispiele: Das Perlgraupenrisotto mit jungen Erbsen, Pfifferlingen und Kerbelcreme war in seiner beschwingten, frühlingshaften Leichtigkeit definitiv die beste Graupenkomposition, die ich je gegessen habe – und ich liebe die Dinger. Die handgemachten Sepia-Tortelli mit leicht angeräucherter Kartoffel-Pimiento-Füllung, Pulpo, Blattspinat und Chorizo begeisterten mit ihrer Aromendichte, geschmacklichen Komplexität und sinnessatten Tiefe und bewegten sich auf Zweisterne-Niveau.

Die Weinauswahl ist ein kluger Mix zwischen recht fair kalkulierten Entdeckungen und teuren Modetropfen für die hier gut vertretene Harvestehuder Nouveau-riche-Klientel.

Erfreulich: Viele hochwertige Weine werden im gut konservierenden Coravin-System offen ausgeschenkt, sodass man sich zu jedem Gang von der kundigen Restaurantleiterin Christiane Grosche und ihrem Team den passenden Tropfen anempfehlen lassen kann. Einer vorurteilslosen Neuentdeckung des vermeintlichen Feinkostladens mit warmer Küche sollte also nichts mehr im Wege stehen.

Cornelia Poletto: Eppendorfer Landstraße 80 (Eppendorf)


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im
Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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Appetit auf mehr?

 

Top 10 – Diese Cafés sorgen für eine leckere Auszeit

Hervorragende Törtchen, Tartes, Tee und Kaffee: Auf diese zehn Cafés schwören wir für die perfekte, gemütliche Auszeit

Text: Anissa Brinkhoff
Foto (o.): Philipp Schmidt

Sortierung alphabetisch und nicht nach Platzierung, zuletzt aktualisiert 6/2019

1) Café Gnosa – Kuchen mit Geschichte

Dieses Kaffeehaus ist ein legendärer Ort – aufgrund seiner Geschichte, aber auch aufgrund der Kuchen und Torten, die täglich in der hauseigenen Konditorei gebacken werden. Das Café wurde 1939 von Elli und Gerhard Gnosa eröffnet und von dem Ehepaar bis 1987 geführt. Seitdem ist es eine wichtige schwul-lesbische Institution in Hamburg. Die Konditorei im Keller des Hauses wurde früher von Herrn Gnosa selbst betrieben und seit der Übergabe des Cafés werden viele Torten weiterhin nach seinen Rezepten gebacken – mit viel Marzipan, Sahne, Buttercreme, Schokolade und Baiser. Ein bisschen fühlt man sich also wie in vergangenen Zeiten, wenn man es sich auf den weichen Bänken im Café gemütlich macht, den Bedienungen hinter dem Tresen zuschaut und ganz glücklich noch ein weiteres Stück Kuchen bestellt.

Café Gnosa: Lange Reihe 93 (St. Georg)

Gnosa


2) Café unter den Linden – Kaffee für Existenzialisten

Das Café könnte auch in einem ehrwürdigen Grandhotel liegen, in dem Stars übernachten, Intellektuelle ihren schwarzen Kaffee bei der täglichen Zeitungslektüre trinken und spätestens gegen Nachmittag auch mal Champagnerflaschen geköpft werden. Man sinkt auf ledergepolsterte Bänke und Zeitunglesen ist tatsächlich eine Hauptbeschäftigung vieler Gäste. Eine Gruppe von Freunden gründete das Café unter den Linden in den 1980ern. Die Freunde benannten ihr Café nach den sieben Linden, die vor dem Gebäude und um den Kaffeegarten wachsen. Den Innenraum richteten sie mit Marmortischen und Thonet-Stühlen ein und ließen einen befreundeten Künstler Wände verzieren. Der Milchkaffee wird in französischen Bols serviert, zum Espresso und Kaffee gibt es selbstverständlich ein Glas Wasser. Jeder Kuchen aus der Vitrine ist hausgemacht – zum Beispiel Schoko-Rotwein-Kuchen, Crumble mit Vanillesauce oder Johannisbeer-Baiser-Kuchen.

Café unter den Linden: Juliusstraße 16 (Sternschanze)


3) Elbgold – Mahlgrad und Milch perfekt

Ein Café mit eigener Kaffeerösterei – ein Traum für alle Genießer. Fünfeinhalb Standorte gibt es vom Elbgold in Hamburg inzwischen, als halben Standort zählen die Geschäftsführer Annika und Thomas ihre Café-Bar im Alsterhaus, weil es dort keine Speisen gibt. Das Café mit der Rösterei in den Schanzenhöfen ist ganz klar das Hauptquartier. In alten, sanierten Viehhallen mit Industriecharme, unglaublich hohen Decken, viel Licht und gemütlicher Einrichtung lassen sich hier entspannte Stunden vertrödeln. Die ausgebildeten Barista helfen, die richtige Kaffeesorte für jeden Gast zu finden, Gebäck und Kuchen aus der hauseigenen Patisserie warten auf Hungrige in der Vitrine. Das Elbgold kauft den eigenen Kaffee direkt bei den Produzenten; so können faire Preise, eine bestmögliche Qualität und lange Geschäftsbeziehungen garantiert werden.

Elbgold: Lagerstraße 34c (Sternschanze)

 

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4) Hegeperle – Von der Schwierigkeit zu wählen

Das Café Hegeperle in Eppendorf ist aufgrund seiner versteckten Lage immer noch ein Geheimtipp. Der dunkle Dielenboden knarzt beim Eintreten und eine herzliche Begrüßung kommt über den weißen Holztresen. Bevor man es sich auf den Stühlen bequem macht, stehen schwierige Entscheidungen an der Kuchenvitrine an: In der Hegeperle gibt es überwiegend leckere Tartes, unter anderem mit Kirsche, Apfel, Aprikose, Birne oder Pflaume. Einen klassischen Käsekuchen gibt es natürlich auch. Ist die Entscheidung endlich gefallen, werden die Köstlichkeiten auf pastellfarbenen Tellern serviert, der Kaffee oder Tee kommt in ebenso bunten Tassen und Zucker steht in Porzellandöschen bereit. Eugenie Assmann, die ihre süßen Tartes und herzhaften Quiches aus hellem Dinkelmehl jeden Tag selbst backt, führt ihr Café weitgehend in Eigenregie.

Hegeperle: Hegestraße 68 (Eppendorf)


5) Herr Max – Patisseriekunst und Vintage-Glück

Schlangestehen zum Kuchenessen? Von Zeit zu Zeit passiert es im Herr Max, dass Tortenhungrige lieber eine halbe Stunde warten, als ins nächste Café weiterzuziehen. Denn Konditor Matthias Max zaubert seit zehn Jahren berühmte süßes Sünden der Schanze in einem aparten Vintage-Ambiente: Nahezu immer gibt es hier selbst gebackenes Tartufo, Schokomousse-Torte, Rhabarber-Baiser-Kuchen, Blaubeer-Grieskuchen oder veganes Bananenbrot mit Erdnusskaramell – und natürlich den kanadischen Käsekuchen als Dauerbrenner. Praktischerweise ist die Backstube direkt im hinteren Bereich des Cafés. So weht den Gästen konstant ein herrlicher Kuchenduft um die Nase. Und wer nett fragt, darf mal einen Blick in die Backstube werfen. Auch Showtorten für private Anlässe werden hier dekoriert.

Herr Max: Schulterblatt 12 (Sternschanze)

 

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6) Meßmer Momentum – Teatime in der HafenCity

Sich beim Spaziergang durch die HafenCity eine steife Briese um die Nase wehen zu lassen und dann die kalten Finger an einer heißen Tasse Tee aufzuwärmen – das ist ein herrlicher Hamburger Nachmittag. Das Messmer Momentum ist der richtige Ort für den Einstieg in die Welt des Tees, ebenfalls für Experten und Teekenner mit besonderen Wünschen. Über 70 verschiedene Teesorten aus der Meßmer-Welt stehen in der Getränkekarte, dazu gibt es hausgemachte Scones und Clotted Cream, Kuchen und Teegebäck oder herzhafte Sandwiches. Wer Lust auf eine kleine mentale Reise hat, sollte es sich gemütlich machen und eines der Tee-Menüs ausprobieren, zum Beispiel den „Thé de Salon“, der mit Macarons, Crêpes, Chili-Schokoladen-Soufflé und viel Savoir Vivre daherkommt und Frankreich-Sehnsucht weckt.

Meßmer Momentum: Am Kaiserkai 10 (HafenCity)


7) Milch – Teatime in der HafenCity

Zu viel Schnörkel gefällt Nico Ückermann, dem Besitzer des Café Milch, nicht. Die Inneneinrichtung des ehemaligen Milchladens ist zurückhaltend. Denn hier konzentriert man sich nordisch-reduziert auf das Wesentliche: guten Kaffee. Und das kann verdammt gemütlich sein. Mitten im Raum, direkt gegenüber vom Tresen, thront ein Zwei-Kilogramm-Kaffeeröster aus Israel, der den Rohkaffee veredelt. Daraus werden mit großer Hingabe leckere Espressi oder Cappuccini zubereitet – und zwar von wirklich kaffeeverrückten Baristas. Außerdem gibt es eine wahnsinnig gute heiße Schokolade und Croissants, Rosinenschnecken, ausgewählte Tartes und belegte Brötchen. Wer seinen Hund mitbringt, kann sich unter dem Hashtag #milchdogs zwar keinen Kaffee sichern, wohl aber einen Ehrenplatz in der Instagram- Galerie des Cafés. Coole Idee!

Milch: Dietmar-Koel-Straße 22 (Neustadt)

 

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8) Salon Wechsel Dich – Zucker- und Kaufrausch

Mit „Wechsel Dich“ ist nicht etwa die Speisekarte des Cafés gemeint, sondern das Mobiliar: Tische, Stühle, Lampen, Kissen, Teller, Tassen oder Uhren können Gäste hier unter anderem kaufen. Schon allein diese liebevolle Auswahl von Produkten junger Designer ist Grund genug für einen Besuch – doch berühmt ist der Salon Wechsel Dich für seine Waffeln. Die werden hier dick und fluffig gebacken und mit verboten leckeren Beilagen serviert: Heiße Kirschen, Himbeeren oder Pflaumen-Zimt- Kompott, Nutella oder Ahornsirup mit karamellisierten Knuspernüssen. Als Toppings stehen unter anderem Sahne, Vanillesauce und Zartbitterschokolade auf der Karte. Und die besondere Empfehlung des Hauses? Waffeln mit eingebackenem Kinderriegel. Mhh. Bei all dem Zuckerrausch gibt es zum Glück auch herzhaft belegte Waffeln, zum Beispiel mit Mozzarella, Tomaten und Pesto, Lachs und Schnittlauch oder Ziegenkäse und Birnenchutney.

Salon Wechsel Dich: Grindelhof 62 (Rotherbaum)

 

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9) Torrefaktum – Genuss mit Bio-Bohne

Vor ein paar Jahren war es in Hamburg gar nicht so einfach, richtig guten Kaffee zu bekommen. Das wollten drei Freunde ändern und eröffneten 2009 das Torrefaktum mit eigener Rösterei in Ottensen. Den Rohkaffee beziehen sie seitdem über spezialisierte Importeure oder direkt von ausgewählten Bauern und übernehmen dann selbst das Rösten. Die drei Gründer kommen alle aus dem Musikbusiness und haben neben Kaffee eine weitere gemeinsame Leidenschaft: die Beatles. Und so heißen die eigenen Röstungen auch „Wake Up Little Lucy“, „Hey Dude“ oder „Belle Michelle“. Inzwischen gibt es drei Torrefaktum-Filialen in Hamburg und überall gilt das Motto: Ankommen, den Alltag ablegen, sich von den Baristas beraten lassen und das schwarze Gold ganz in Ruhe genießen. Eine Konditorin backt täglich süße Kleinigkeiten oder herzhafte Baguettes, die man sich in den gemütlichen und stillvoll eingerichteten Cafés schmecken lassen kann.

Torrefaktum: Bahrenfelder Straße 237 (Ottensen)


10) Zuckermonarchie – Tartes für Prinzessinnen

Die Zuckermonarchie ist irgendwie ein Prinzessinnenreich für Zuckerfreundinnen. Mädchenhaft ist wohl die richtige Bezeichnung für dieses stylishe helle Kaffeeuniversum. In eingeschworenen Mädelsrunden wird hier bei Tartes und Törtchen geschwelgt und diskutiert. Worüber? Na klar, ziemlich oft über Kerle. Das ganze Großstadt-Beziehungschaos verträgt sich natürlich viel besser bei qualitativ gutem Kuchen und Kaffee. Das Geheimnis hinter diesem Ort und seinem Backwerk: beste Bio-Eier, belgische Schoki und Bourbonvanille, die hier mit frischen Früchten täglich verbacken werden. Das Ergebnis ist vortrefflich: sagenhafte Tartes, Cupcakes, Moussetörtchen, Macarons und Candypops, dank derer alles andere zur Nebensache wird. Besonders köstlich ist hier zum Beispiel eine Himbeertarte mit weißer Schokolade und frischen Himbeeren. Dazu kommt der Carroux-Kaffeee aus Blankenese, der viele begeistert.

Zuckermonarchie: Taubenstraße 15 (St. Pauli)

 

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SZENE-HAMBURG-Essen+Trinken-To-GoDiese Topliste stammt aus dem Gastro Guide: Essen + Trinken to go, 2018/2019 – der Guide ist zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!


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Appetit auf mehr? 

SZENE HAMBURG Oktober 2018 – Eppenhude

„Overdressed and under­fucked“ – so der Ruf der Eppendorfer. Und der Winterhuder. Letzteres nicht belegbar, ­Ersteres oft sichtbar. Zwei Stadtteile, die polarisieren, weil sie vermeintlich als elitär gelten mit ihren Designerläden und den, für viele unbezahlbare Traumwohnungen mit Stuck und Stäbchenparkett.

Dass das nicht ganz von der Hand zu weisen ist, zeigt unser Faktencheck. Der belegt, die Eppendorfer verdienen durchschnittlich 49,6 Prozent und die Winterhuder 31,5 Prozent mehr als das restliche Hamburg. Aber das ist natürlich nur die eine Seite.

Wir haben gegraben und hinter all dem Glamour Geschichten und Menschen entdeckt, die dieses Klischee nicht bedienen. Ganz im Gegenteil. Im beschaulichen Winterhude trifft sich die rechtsradikale Burschenschaft Germania. Zwischen gutbürgerlichen Vorgärten werden die Kappen aufgesetzt und das Banner „Der Fels in der Brandung“ gehisst. Warum die Verbindung so gefährlich ist, erklärt unserer Autorin ab Seite 40.

„Wirr ist das Volk“ – so drückt es Achim Wittrin aus, verewigt mit seiner kleinen Letternpresse auf Beuteln und Plakaten. Für seine handgedruckten Hochzeitskarten kommen die Leute von überall her in die Ludolfstraße. Kunst gibt es auch im Foyer vom UKE, das dort die Anmutung eines Well­nesshotels versprüht. Doch das ist nur der Ausgangspunkt von dem es über lange Gänge zu jeder erdenklichen Krankheit geht. Mit rund 11.000 Mitarbeitern ein gigantisches und mit das modernste Klinikum Europas. Wir haben dort ein bisschen Zeit verbracht und uns umgesehen.

Nicht weit von der „Stadt in der Stadt“, kurz hinter der Stadtteilgrenze zu Winterhude, geht es fröhlicher zu. Mit Humor, der auch manchmal unter der Tür durchpasst, bringt die Komödie Winterhude reine Unterhaltungs-Stücke auf die Bühne, demnächst eines mit Jochen Busse und Hugo Egon Balder. Warum Boulevard­theater gut- und nicht wehtut, hat uns die Leiterin Britta Duah ­erzählt.

“L.O.G.G.” – Leider ohne Geld geboren

Humor braucht es auch, wenn es mal wieder in Anspielung auf das H&M Logo „L.O.G.G.“ über den Eppen­dorfer Schulhof schallt: Leider ohne Geld geboren. Humor haben wir. Und spätes­tens im Kanu auf einem der wunderschönen Kanäle, die sich durch Eppenhude ziehen, sind wir wieder versöhnt. Denn das sich die beiden Stadtteile nicht ­darauf reduzieren lassen, zeigen die Geschichten unseres Titelthemas.

Text: Hedda Bültmann, Redaktionsleitung SZENE HAMBURG
Beitragsbild: Max Pixel 


Foto: Sophia Herzog

Hedda Bültmann, unsere Redaktionsleiterin, hat den Kopf voller Ideen und seit Mai 2018 bei der SZENE HAMBURG das Ruder in der Hand. Vielleicht ist euch schon die ein oder andere Veränderung im Magazin aufgefallen? Die ist dem Spirit von Hedda zu verdanken. Lust auf Austausch? Ihr erreicht sie unter hedda.bueltmann@vkfmi.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2018. Das Magazin ist seit dem 29. September 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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