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Landungsbrücken

Wer Landungsbrücken hört, denkt vielleicht an einen Flughafen, doch nicht in Hamburg. Die Hamburger Landungsbrücken sind das Tor zum Hafen, voller Historie und Möglichkeiten

Text: Felix Willeke

Nicht ganz 700 Meter lang, sechs Pontons und neun Brücken, das sind die Hamburger Landungsbrücken im Stadtteil St. Pauli. Der Name entstammt der Funktion als Anlegestelle für kleine und große Schiffe. Gebaut wurden die Landungsbrücken 1839. Legten hier früher Überseedampfer an und ab sind sie heute ein Hotspot für Touristen und Hamburger:innen.

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Die Fähre 72 fährt von den Landungsbrücken zur Elbphilharmonie, alles in Sichweite (Foto: medaiserver.hamburg.de/Andreas Vallbracht)

Die Geschichte

Im 19. Jahrhundert veränderte sich der Handel grundlegend. Verfügte Hamburg bis dahin noch über ein kleineres Hafenbecken – gelegen in der Nähe der heutigen U-Bahn-Station Baumwall –, so musste der Hafen aufgrund der immer größeren Schiffe in dieser Zeit erweitert werden. Im Zuge dessen legte man am Hamburger Berg, dem heutigen Stadtteil St. Pauli, einen eigenen Hafen für kohlebetriebene Dampfschiffe an. Genau an dieser Stelle wurden Ende der 1830er-Jahre die Landungsbrücken erreichtet.

Die Ära der Dampfschiffe

Nach einem Umbau von 1907 bis 1909 wurde der Anleger fortan meist für Linienschiffe der HAPAG-Reederei – aus der später die Hapag-Lloyd-Reederei mit Hauptsitz an der Alster hervorging – genutzt. Darunter die Kaiserin Auguste Viktoria, diese war bei Stapellauf im Jahr 1905 kurzzeitig das größte Schiff der Welt und pendelte unter anderem von Hamburg nach New York. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 gab es damit einen regen und internationalen Schiffsverkehr mit dem Start an den Landungsbrücken.

Krieg und Wiederaufbau

Die Nationalsozialisten planten in der NS-Zeit westlich von den Landungsbrücken repräsentative Bauten, darunter eine Brücke über die Elbe. Dann begann der zweite Weltkrieg und im Zuge dessen wurde der bedeutsame Hamburger Hafen und damit auch die angrenzenden Landungsbrücken weitgehend zerstört. Der Wiederaufbau begann 1953 und dauert rund zwei Jahre. Damit sahen die Landungsbrücken aber noch nicht so aus, wie Gäste sie heute kennen. Der neuste Abschnitt ist der zwischen Brücke zwei und drei. Dieser wurde erst 1976 wieder aufgebaut.

Der Alte Elbtunnel

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2026 sollen die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sein, dann ist der Alte Elbtunnel wieder komplett nutzbar (Foto: Mediaserver Hamburg/Ingo Boelter)

Was heute eine denkmalgeschützte Touristenattraktion ist, war zur Zeit seines Baus eine Sensation: Der Alte Elbtunnel. 448 Meter lang (die Röhren jeweils 426 Meter) liegt der Tunnel mit seinen sechs Metern Röhrenhöhe rund 24 Meter tief unter der Wasseroberfläche. Gebaut wurde er ab 1907. Er war nötig, weil die Hafenarbeiter im Winter bei zugefrorener Elbe oder bei Nebel nur schwer zu den Werften kamen und die Fährschiffe entlastetet werden sollten. Nachdem man sich gegen eine Brücke entscheiden hatte, begann man im Schildvortriebverfahren die beiden Röhren zu bauen. 1911 war der Tunnel fertig.

Auch wenn er heute dank des neuen Elbtunnels bei Övelgönne an verkehrstechnischer Bedeutung verloren hat, ist er einer der größten Attraktionen an den Landungsbrücken. Seit 1995 läuft die Sanierung und seit 2003 steht er unter Denkmalschutz. Die komplette Wiedereröffnung ist für 2026 geplant. So lange bleibt Hamburger:innen und Gästen weiterhin nur eine Röhre des historischen Bauwerkes indem viele im Sommer nach Schatten und Abkühlung suchen. 

Hafen in Sicht

Die Landungsbrücken sind weltweit vielleicht einzigartig. Wohl nirgendwo sonst hat man einen so guten Blick auf einen der größten Häfen der Welt – Hamburg ist nach Containerumschlag weltweit auf Rang 17 und in Europa auf Rang drei. Am besten genießt man diesen Blick natürlich von oben. Dafür eigenen sich besonders gut dich Dachterrassen an den Landungsbrücken. Neben dem Blockbräu, einem alteingesessenen Brauhaus, bietet auch das Hard Rock Cafe Hamburg auf seiner Terrasse einen wunderbaren Blick auf den Hafen.

Blohm+ Voss

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Musik in Werftatmosphäre, das gibt’s nur beim Elbjazz bei Blohm+Voss (Foto: Mediaserver Hamburg/Jörg Modrow)

Schaut man nur einmal quer über die Elbe, bleibt der Blick schnell an den zwei großen Docks hängen. Dem Dock 11 und dem Dock Elbe 17. Beide gehören zur Traditionswerft Blohm + Voss, die mittlerweile zur Lürssen Werftgruppe gehört. Dock 11 ist dabei eines der größten Schwimmdocks Europas. Für Reparatur- und Wartungsarbeiten an Schiffen wird dies abgesengt, das Schiff fährt hinein und die Ballasttanks pumpen das Wasser raus und das Dock schwimmt auf. Das Dock Elbe 17 hingegen ist ein Trockendock so groß, dass es als eines der wenigen Schiffe wie die Kreuzfahrer Quantum of the Seas oder Queen Mary 2 fassen. Wurden bei Blohm + Voss früher große Schiffe wie der Segler Peking (heute im deutschen Hafenmuseum in Hamburg zu besichtigen), die Gorch Fock und das Kriegsschiff Bismarck gebaut, ist die Werft heute auf Reparatur- und Wartungsarbeiten und den Bau von Spezialschiffen und Privatjachten spezialisiert.

Einmal im Jahr findet zudem auf dem Werftgelände das Elbjazz statt. Auf drei großen Bühnen gibt es dann Jazz in ganz besonderer Atmosphäre.

Schiffe

Die St. Pauli Landungsbrücken sind nicht nur das Tor zum Hamburger Hafen, hier kann man vor allem bestens Schiffe gucken. Wer jedoch auf die großen Containerriesen wartet, wartet vergebens. Wer an den Landungsbrücken steht, wartet jedoch vergeblich auf eine Vorbeifahrt der Riesen, da die Elbe hier nicht tief genug ist und aufgrund des Alten Elbtunnels auch nicht weiter ausgebaggert werden darf. Was es jedoch gibt, sind historisch bedeutsame Schiffe.

Rickmer Rickmers

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Die Rickmer Rickmers ist das älteste Museumsschiff in der Nähe der Landungsbrücken (Foto: Mediaserver Hamburg/ThisIsJuliaPhotography)

Das älteste der historischen Schiffe ist die Rickmer Rickmers. 1896 in Bremerhaven vom Stapel gelaufen war sie anfangs als weltweit als Transportschiff unterwegs. Später wurde es hauptsächlich auf der Route zwischen Europa und Chile und zurück für den Transport von Kohle und Salpeter eingesetzt. Von 1924 bis 1962 diente es der portugiesischen Marine als Segelschulschiff und liegt seit 1983 als Museumsschiff im Hamburger Hafen. Heute gibt es hier eine Dauerausstellung und immer wieder wechselnde Ausstellungen sowie ein Restaurant an Bord. Die ganz Wagemutigen klettern bei gutem Wetter in die Masten, hier betreibt Schnustracks-Kletterparks einen kleinen Kletterparcours.

Feuerschiff

Lange nicht so auffällig wie die Rickmer Rickmers, weil nicht einmal halb so groß ist das alte Feuerschiff. Was heute ein Restaurant ist, war früher eine Navigationshilfe für Schiffe. Gebaut 1952 war das Feuerschiff im Osten Großbritanniens im Einsatz und warten Schiffe vor untiefen in Flussmündungen wie der Themse. Seit 1989 liegt das Schiff im Hamburger Hafen und wird mittlerweile auch als Hotel genutzt.

Cap San Diego

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Die Cap San Diego im Hintergrund ist der größte fahrtüchtige Museumsfrachter der Welt (Foto: Mediaserver Hamburg/Jörg Modrow)

Das jüngste der drei historischen Schiffe ist auch gleichzeitig das Größte. Die Cap San Diego wurde 1961 in Hamburg-Finkenwerder gebaut und war als Stückgutfrachter auf der Route nach Südamerika im Einsatz. Mit seinen fast 160 Metern Länge ist es das einzig fahrtüchtige Museumsschiff an den Landungsbrücken und gleichzeitig der größte fahrtüchtige Museumsfrachter der Welt. Mehrmals im Jahr können Gäste mit dem Frachter auf Fahrt gehen, darunter zur Ein- und Auslaufparade anlässlich des Hamburger Hafengeburtstages. Außerdem beherbergt das Schiff ein kleines Hotel und ein Museum.

Landungsbrücken heute

Waren die Landungsbrücken früher ein großes Fährterminal, legt hier heute nur noch der Halunder Jet zur Fahrt auf Hohe See ab – täglich bringt er Gäste auf Deutschlands einzige Hochseeinsel nach Helgoland. Ansonsten sind es die Hafenfähren, großen Hafenrundfahrtschiffe und Barkassen, die hier an und Ablegen. Besonders die Hafenrundfahrten stehen dabei bei vielen hoch im Kurs. Mit den kleinen Barkassen geht es dabei durch die Speicherstadt und mit den größeren Schiffen zu den großen Containerterminals.

Fähre fahren

Hamburg hat einen großen Hafen und dieser lässt sich natürlich am besten vom Wasser aus entdecken. Während viele Gäste an den Landungsbrücken deswegen zur Hafenrundfahrt aufbrechen, gibt es auch die Hafenfähren, die einen Blick auf Containerriesen ermöglichen. Dabei ist der Trip mit der Fähre 62 schon lange kein Geheimtipp mehr. Einfach mit einer Tageskarte auf das Schiff in Richtung Finkenwerder steigen und in knapp einer Stunde für Hin- und Rückfahrt alles von Containerschiffen, Kreuzfahrern bis zum Elbstrand alles im Blick haben.

Essen

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Keine Besuch an den Landungsbrücken ohne Fischbrötchen (Foto: Jana Belmann)

Und wenn man wieder zurück ist, kommt der Hunger. Mittlerweile sind die Landungsbrücken ohne ihre unzähligen Buden und kleinen Lokale undenkbar. Denn von den großen Restaurants mit dem Hard Rock Cafe und dem Blockbräu gibt es bis zur Pommes auf die Hand (Vorsicht vor gierigen Möwen) fast alles. Besonders lecker ist es dabei an der Brücke 10 und bei Underdocks. Brücke 10 ist seit Jahren DER Anlaufpunkt für gute Fischbrötchen, ohne dabei eine Touristenfalle zu sein. Mittlerweile haben sie auf der anderen Elbseite am Ausgang des Alten Elbtunnel einen zweiten Standort eröffnet. Wer jedoch mehr will als klassische Fischbrötchen, sollte zu Underdocks gehen. Hier wird der Klassiker neu interpretiert, lecker!

Welche Hafenrundfahrt in Hamburg ist die beste?

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Auf Hafenrundfahrt geht es vorbei an den Containerriesen (Foto: medaiserver.hamburg.de/Andreas Vallbracht)

Was die beste Hafenrundfahrt ist, muss jeder selbst entscheiden. Steht man auf die großen Schiffe, sollte man eine der großen Hafenrundfahrten machen. Hat man mehr Lust auf Geschichte, bietet sich die Barkassenfahrt durch die Speicherstadt an. Sparfüchse kommen bei der Fahrt mit den Fähren 72, 73 und 62 auf ihre Kosten. Dafür gibt es aber keine Moderation. Vereinzelt werden auch alternative Hafenrundfahrten zu Themen wie Kolonialgeschichte angeboten.

Was versteht man unter Hafenrundfahrt?

Eine Hafenrundfahrt in Hamburg ist eine Schiffsfahrt durch Bereiche des Hamburger Hafens. Dazu gehören neben den Containerterminals und Werften auch die Speicherstadt, die allerdings nicht von allen Schiffen durchfahren wird. Während der klassischen Hafenrundfahrt gibt es einen Moderator, der Fakten, Wissenswertes und Seemannsgarn über den Hamburger Hafen zum Besten gibt.

Wie viel kostet eine Hafenrundfahrt in Hamburg?

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Bei Flut führen einige Hafenrundfahrten auch durch die Speicherstadt (Foto: Mediaserver Hamburg/Jörg Modrow)

Eine Hafenrundfahrt kostet zwischen 3,50 Euro für die einfache Fährfahrt von den Landungsbrücken nach Finkenwerder und über 30 Euro für XXL-Rundfahrten oder Hafenrundfahrten mit Party wie bei Olivia Jones.

Wo startet die Hafenrundfahrt Hamburg?

Fast alle Hafenrundfahrten starten unweit der Landungsbrücken oder direkt vor Ort. An den Landungsbrücken starten zumeist die großen Schiffe, während viele Barkassen im Sportboothafen zwischen Cap San Diego und Feuerschiff ablegen.


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St. Pauli

Über kaum einen Hamburger Stadtteil gibt es so viele Geschichten und kaum einer wird so oft besucht wie St. Pauli. Kein Wunder, schließlich gibt es zwischen Elbe und Messe auch viel zu entdecken

Text: Felix Willeke

Etwas mehr als 20.000 Einwohner:innen und rund 2 Quadratkilometer groß. Das sind die nackten Zahlen. Doch St. Pauli ist mehr als Zahlen: Hier gibt es Kultur, Party, Fußball, maritimes und es ist überraschend grün. Kurzum, St. Pauli ist die Vielfalt Hamburgs in einem Stadtteil. Wir begeben uns auf eine Reise durch die ehemalige Hamburger Vorstadt, die ihrer Lage zwischen Dänemark und Hamburg ihre Einzigartigkeit verdankt. Dabei gucken wir über die Landungsbrücken hinweg auf den Kiez und hoch bis zum Hamburger Fernsehturm.

Landungsbrücken

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Von der Dachterrasse des Blockbräu hat man den vielleicht schönsten Blick auf die Landungsbrücken (Foto: Blockbräu )

„An den Landungsbrücken raus, dieses Bild verdient Applaus“, so eine Liedzeile der Hamburger Band Kettcar. Nicht nur gehört „Landungsbrücken raus“ seit 2002 zu einem der beliebtesten Lieder der Band, es trifft auch den Nagel auf den Kopf. „Na dann herzlich Willkommen Zuhaus“, heißt es weiter und für viele sind die Landungsbrücken das Symbol Hamburgs und der eigenen Heimat. Seit 1839 legen hier Schiffe an. Waren es früher die großen Überseelinien, sind es heute Hafenfähren und Hafenrundfahrtschiffe. Darüber hinaus bringt der Holunder Jet seine Gäste noch heute von den Landungsbrücken aus auf Deutschlands einzige Hochseeinsel, nach Helgoland

Wer im Sommer an den Landungsbrücken entlang schlendert sieht Einheimische, Touristen, Kreuzfahrtschiffe und viel Hamburger Geschichte. 

Alter Elbtunnel

Eines der berühmtesten historischen Bauwerke am und unterm Hamburger Hafen ist der Alte Elbtunnel. Von 1907 bis 1911 baute Otto Stockhausen die erste Unterquerung der Elbe. Damals sollte der Elbtunnel die Werften im Hamburger Hafen besser anbinden und besonders im Winter, wenn die Fähren wegen Eis auf der Elbe nicht fahren konnten, den Weg zu Arbeit erleichtern. Heute ist der fast 500 Meter lange und 24 Meter unter der Wasseroberfläche gelegene Tunnel denkmalgeschützt und im Sommer angenehm kühl. Aktuell fahren wegen Renovierungsarbeiten keine Autos durch den Tunnel, für Radfahrer:innen und Fußgänger:innen ist er jedoch täglich (außer zu Silvester) und rund um die Uhr geöffnet.

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Schon längst ein Denkmal: der Alte Elbtunnel (Foto: Mediaserver Hamburg/ThisIsJuliaPhotography)

Auf dem Weg zum Kiez

Von den Landungsbrücken geht es 70 Stufen über die Willy-Bartels-Treppe nach oben und direkt unter dem ikonischen Hotel Hafen Hamburg hat man einen der besten Blicke auf den Hafen, die Docks bei Blohm&Voss und die Musicaltheater auf der anderen Elbseite. Geht man weiter, vorbei am Tropeninstitut, sind es nur wenige Meter und schon steht man auf der berühmten Davidstraße, dem Eingang zum Kiez und dem Herz von St. Pauli. 

Kiez

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Das Molotowcocktail ist einer der bekanntesten Musikklubs auf St. Pauli (Foto: Alexander Schliephake)

Der Kiez ist das Partyzentrum der Stadt. Rund um die Reeperbahn gibt es rund 500 Kneipen – darunter die Ritze und das La Paloma –, Bars und Clubs, rund zehn kleine und große Konzertsäle, sechs Theater und etliche Bordelle. Ein Schmelztiegel von Kultur, Party und vielen Events. Neben dem Schlagermove gibt es jährlich den St. Pauli Weihnachtsmarkt „Santa Pauli“ und das Reeperbahnfestival. Darüber hinaus hält sich seit dem 19. Jahrhundert eine Tradition: die offene Straßenprostitution.

Sex

Die berühmte Herbertstraße zweigt kurz nach dem Hafenrand von der Davidstraße ab und ist der Anfang der Zone, in der jeden Abend von 20 Uhr bis 6 Uhr morgens Prostituierte um Freier werben. Prostitution ist seit 2002 in Deutschland nicht mehr sittenwidrig und hat auf dem Kiez eine lange Tradition.

Schon im 19. Jahrhundert kamen die Matrosen aus dem Hafen, um die Dienste der Damen in Anspruch zu nehmen. Zu dieser Zeit wurde auch die Herbertstraße gebaut und ist seitdem ein Symbol der Prostitution in Hamburg. Auch die Nationalsozialisten schafften es nicht, ihr Verbot von Prostitution hier durchzusetzen – sie verbarrikadierten die Herbertstraße lediglich mit einem Sichtschutz, den es heute noch gibt. Aktuell gibt es auf St. Pauli immer weniger Bordelle, die Szene der käuflichen Liebe hat sich in andere Teile der Stadt verlagert, doch die Straßenprostitution ist nach wie vor ein Teil des Kiezes. 

„Ich bin zwar in Liverpool geboren, doch erwachsen wurde ich in Hamburg.“

angeblich John Lennon

Davidwache und Großstadtrevier

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Legendär: Der Weihnachtsmarkt auf St. Pauli „Santa Pauli“ (Foto: Mediaserver Hamburg)

Eines der berühmtesten Gebäude auf der Reeperbahn ist die Davidwache. Das kleine Backsteinhaus wurde vom Hamburger Architekten Fritz Schumacher erdacht und beherbergt das wohl bekannteste Polizeirevier der Stadt. Mit nur 0,935 Quadratkilometern hat die Davidwache den kleinsten Zuständigkeitsbereich in ganz Europa, aber genug zu tun. Viele verbinden mit der Wache nicht nur Kriminalität, sondern auch berühmte Serien wie Notruf Hafenkante, den Tatort – obwohl hier nie für den Tatort gedreht wurde – und das Großstadtrevier mit Jan Fedder. Seit 1986 gibt es die Vorabendserie um den mittlerweile verstorbenen Hamburger Kult-Schauspieler. Gedreht wurden die Szenen auf einer fiktiven Wache in der Innenstadt und in Hamburg-Altona, seit 2019 steht „die Wache“ im Studio Hamburg im Stadtteil Tonndorf. Doch auf dem Kiez ist das Großstadtrevier immer wieder zu Gast und auch die Davidwache wird von Zeit zu Zeit als Drehort genutzt. 

Kultur

Doch das der Kiez viel mehr ist als Sex und Party zeigen zwei Namen: Ernst Drucker und Corny Littmann. Ernst Drucker übernahm 1884 das später nach ihm benannte Theater direkt neben der Davidwache. Heute ist das Haus unter dem Namen St. Pauli Theater bekannt. Die Nationalsozialisten strichen den Namen des Juden Ernst Drucker in den 1930er Jahren, heute trägt das St. Pauli Theater wieder den Beinamen seines ehemaligen Leiters und ist eines der schönsten Privattheater der Stadt.

Direkt daneben befindet sich das Schmidts Tivoli. Es ist neben dem Schmidtchen und dem Schmidt Theater Teil des Lebenswerks von Corny Littmann. Der Schauspieler und Regisseur eröffnete am 8.8.1988 mit dem Schmidt Theater das erste Haus. Damals wie heute erhalten seine Theater keinen Cent öffentliche Förderung. Waren sich zur Eröffnung viele sicher, Littmanns Konzept würde keine drei Monate überleben, sind er und seine drei Theater heute prägend für Hamburgs Theater-, Comedy- und Musicalszene. In vielen Shows wie der Schmidt Mitternachtsshow machten bekannte Größen wie Olivia Jones, Lilo Wanders, Wolfgang Trepper und Kay Ray ihre ersten Schritte auf Hamburgs Bühnen.

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Eine Institution: das Schmidts Tivoli (Foto: Mediaserver Hamburg/ThisIsJulia Photography)

FC St. Pauli

Nur rund zehn Minuten zu Fuß von der Davidwache entfernt steht das Millerntor-Stadion, das Stadion des FC St. Pauli. Auch wenn der Verein seit Jahren in der 2. Bundesliga spielt, hat er weltweit Sympathisanten: Es gibt Fanclubs in den USA, Mexico, Indien und sogar auf Grönland. Und so verwundert es nur wenig, dass das Stadion mit seinen knapp 30.000 Plätzen bei fast jedem Heimspiel ausverkauft ist. War der Verein noch bis in die 1980er-Jahre ein klassischer Arbeiterverein, entdeckte ihn nach und nach die linke Szene für sich. Angetrieben von den Hausbesetzer:innen der Hafenstraße wandelte sich das Publikum und 1987 brachte „Doc Mabuse“ erstmals den Jolly Roger mit ins Stadion. Der Totenkopf ist bis heute das Symbol des Vereins und auch im St. Pauli Fanshop überall zu finden. 

1988 schrieb das Hamburger Abendblatt: „Der FC St. Pauli ist mehr als Fußball“ und das gilt bis heute. So setzt sich der Verein mit den Kiezhelden für Soziale Projekte ein, schrieb als einer der ersten Deutschen Profiklubs ein Verbot von Homophobie, Sexismus und Rassismus in seine Stadionordnung und mit Benjamin Adrion gründete ein ehemaliger Spieler die Non-Profit Organisation Viva con Agua. 

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Einmal im Jahr gibt es im Millerntor Stadion Kunst statt Fußball: Bei der Millerntor Gallery von Viva con Agua (Foto: Stefan Groenveld)

Das Viertel

Das wahre Herz von St. Pauli sind aber weder Fußballverein, noch der Kiez, es sind seine Menschen. Das merkt man, wenn man durch das Viertel streift. Früher lag St. Pauli „zwischen den Welten“. Im Osten verteidigte sich Hamburg an den Großen Wallanlagen (heute Planten un Blomen) und ließ die Menschen nur über seine Stadttore wie das Millerntor, in die Hansestadt. Im Westen hingegen lag Altona. Altona stand bis 1864 unter dänischer Verwaltung und das Gebiet zwischen diesen beiden Städten war und ist St. Pauli.

Hier ließen sich mehrheitlich Arbeiter nieder, die sich die Städte nicht leisten konnten oder wollten. Dazu kamen das leichte Gewerbe und die Matrosen, die während der damals noch langen Liegezeiten der Schiffe Abwechslung suchten. Eine Vielfalt, die auch heute noch zu spüren ist. Mittlerweile wohnt im Viertel ein Mix aus Studierenden, Alt-Eingesessenen und Neuen Bewohner:innen, die das „hippe“ St. Pauli für sich entdeckt haben. Diese Mischung und die noch großenteils erhaltenen Gründerzeithäuser machen den Stadtteil in Hamburg einzigartig. 

Musik

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Haben ihr Denkmal auf St. Pauli: die Beatles (Foto: Mediaserver Hamburg/Konstantin Beck)

Neben dem Kiez, dem Hafen und der einzigartigen Geschichte ist wahrscheinlich nichts so mit St. Pauli verbunden wie die Musik. War es doch der Kiez, wo die Beatles im Indra, Top Ten Club, Kaiserkeller und im Starclub ihren Durchbruch feierten. John Lennon soll einmal gesagt haben: „Ich bin zwar in Liverpool geboren, doch erwachsen wurde ich in Hamburg.“ Noch heute kann man im Indra Konzerte und Shows besuchen.

Und nach den Beatles? Nach dem aufkommen der DJ’s konnten viele Musikklubs nicht überleben, doch die Musik starb nie. So gab es mit dem Onkel Pö, und gibt es mit dem Mojo Club und dem Grünspan legendäre Konzertlocations in Hamburg und auf St. Pauli. Auch musikalisch war immer viel los: So entwickelte sich in den 1980er Jahren auf St. Pauli und in ganz Hamburg eine deutschsprachige Musik, die mit Vertretern wie Kettcar oder Tocotronic als „Hamburger Schule“ bekannt wurde. Noch heute ist mit dem Grand Hotel van Cleef das Label des Sängers von Kettcar (Marcus Wiebusch) und Thees Uhlmann auf St. Pauli zu Hause.

Bunker

Was früher das J’s war, ist heute das Übel & Gefährlich. Im Hochbunker auf St. Pauli gab es immer Musik. Bevor 2019 der Umbau begann, residierte hier mit JustMusic eines der größten Musikgeschäfte der Stadt. Dazu kamen etliche Proberäume und zwei Konzertlocations: Das Übel & Gefährlich – das aus dem legendären Promi-Club J’s hervorging – und der Resonanzraum. Doch mit dem Umbau wird vieles neu: JustMusic ist bereits verschwunden und das neue grüne Dach macht den Bunker 20 Meter höher. Nach dem Umbau können Besucher:innen in 58 Metern Höhe im Dachgarten chillen. Dazu wird der Bunker auf St. Pauli neben einem Hotel auch die Georg-Elser-Halle, Hamburgs neuste Konzerthalle beheimaten. 

Kulinarik

Wo viel Kultur, Kulturen und Menschen aufeinandertreffen, entsteht neben Musik und Kunst auch häufig bestes Essen und St. Pauli hat dabei viel zu bieten. So gibt es neben dem Ashoka – einem der besten indischen Restaurants Hamburgs – auch den Weinladen St. Pauli, der, auch wenn er nicht mehr ganz auf St. Pauli liegt, neben coolem Ambiente auch beste Beratung zu bieten hat. Hinzu kommt rund um die Paul-Roosen-Straße von der Imbissbude bis zum Restaurant auf Sterne-Niveau alles, was das Herz begehrt. 

Planten un Blomen

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Die berühmten Wasserlichtkonzerte in Planten un Blomen sind einfach schön (Foto: Mediaserver Hamburg)

Was viele nicht wissen: Planten un Blomen gehört zu St. Pauli. Wenn man von der Paul-Rosen-Straße vorbei am Millerntor-Stadion und über das Heiligengeistfeld – wo drei Mal im Jahr der Hamburger Dom stattfindet – schlendert, kommt man an den südlich Eingang der großen Parkanlage. Etwa 47 Hektar groß, entstand Planten un Blomen ab 1821 auf dem Gelände der alten Wallanlagen. Von 1897 bis 1973 fanden hier fünf Gartenausstellungen statt und prägten den Park. Von Süden nach Norden finden sich neben einer Minigolfanlage, einer Eisbahn – die im Sommer als Rollschuhbahn genutzt wird –, die Tropengewächshäuser (aktuell geschlossen), ein Musikpavillon, indem im Sommer viele Open Air Konzerte stattfinden und Hamburgs berühmte Wasserlichtkonzerte. Am Parksee wird in jedem Jahr von Mai bis September täglich nach Sonnenuntergang zu klassischer Musik die Wasserorgel live gespielt.

Heinrich-Hertz-Turm

Wenn man Planten und Blomen auf Höhe der Hamburg Messe verlässt, wartet ein letztes architektonisches Highlight des Stadtteils: der Heinrich-Hertz-Turm. 1968 eröffnet, war er bis ins Jahr 2000 für das Publikum geöffnet und bot aus über 120 Metern Höhe einen Rundblick auf die Stadt. Ab 2023 soll das wieder möglich sein. Ein Team aus Online Marketing Rockstars (OMR), dem Immobilienentwickler Home United und der Hamburg Messe will den Turm dann für das Publikum öffnen.


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Marathon in Hamburg erleben – und mehr

Es wird wieder gelaufen in der Stadt. Am 24. April 2022 startet der 36. Hamburg-Marathon. Rund um die Strecke können dabei nicht nur die Läufer:innen angefeuert werden, es gibt auch viel zu erleben. Hier kommen zehn Tipps für den Marathonsonntag

Während beim diesjährigen Hamburg-Marathon fast 30.000 Läufer:innen an den Start gehen, werden sie von deutlich mehr Menschen an der Strecke unterstützt. Was es drumherum zu erleben gibt, zeigen wir hier: 

Start & Ziel an den Messehallen

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Auf der Marathon-Messe können sich Sportler:innen nochmal mit allem Notwenigen versorgen (Foto: unsplash/Hobi industri)

Die Ersten und die Letzten kommen und gehen sehen, das geht natürlich am besten an Start und Ziel direkt unterm Fernsehturm. Während sich die Läufer:innen um 9:30 Uhr auf den Weg machen, kann man von hier aus wunderbar auf einen Kaffee ins Karolinenviertel schlendern und ist pünktlich um 11:30 Uhr zurück, wenn die ersten im Ziel erwartet werden.
Kleiner Tipp: Auf der Marathon-Messe gibt es kurz vor dem Marathon rund um den Lauf alles, was Läufer:innen brauchen – insbesondere günstige Laufschuhe.

Marathon-Messe
22. April 2022 12 bis 19 Uhr & 23. April 9 bis 19 Uhr

Nach der Party-Nacht Marathon gucken

Kilometer 2 & 11

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Nach der langen Kiez-Nacht auf den Fischmarkt und dabei auch noch Marathon gucken, das geht nur in Hamburg (Foto: Johanna Zobel)

Samstagabend auf dem Kiez, Sonntagmorgen für Kaffee und Fischbrötchen auf den Fischmarkt – ein Klassiker. Doch an diesem Sonntag geht noch mehr: Beseelt von einer guten Nacht kann man auf dem Heimweg noch die ersten Sportler:innen anfeuern. Zwischen 8:30 Uhr (Rollstuhlfahrer:innen) und 10:15 Uhr (die letzten Läufer:innen) führt der Marathon über die komplette Reeperbahn. Und wer besonders viel Ausdauer hat, kann bis 11:30 Uhr auch noch an den Landungsbrücken Athlet:innen abfangen.

An den Landungsbrücken raus

Kilometer 11

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Die Landungsbrücken: Ein beliebter Spot zum Marathon gucken (Foto: unsplash/Christian Lue)

„An den Landungsbrücken raus, dieses Bild verdient Applaus“, ist zwar eine der bekanntesten Liedzeilen der Hamburger Band Kettcar, doch hoffentlich nicht das Motto der Läufer:innen. Aber egal was man hier tut, die Landungsbrücken sind und bleiben einer der beliebtesten Orte in Hamburg – nicht nur für Tourist:innen. Beim Marathon ist hier fast immer gute Stimmung. Schließlich sind die Landungsbrücken einer von 23 Spots, an denen Bands die Marathonis nach vorne treiben. Traditionell ist dabei am Alten Elbtunnel Samba angesagt. 

Neue Eindrücke im Museum für Kunst und Gewerbe

Kilometer 14

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DRIFT: Shylight, 2006 im Museum für Kunst und Gewerbe (Foto: Henning Rogge)

Sport ist ein Kulturgut, genauso wie das gute alte Museum. Wer nach dem Läufer:innengucken noch im mehr Eindrücke sammeln will, für den lohnt sich ein Ausflug ins Museum für Kunst und Gewerbe. Aktuell werden hier mit „Die Sprache der Mode“ und „Dressed“ gleich zwei Ausstellungen zum Thema Mode und Textil gezeigt. Hinzu kommt mit „Drift“ eine Installation anlässlich des fünften Geburtstags der Elbphilharmonie. Und natürlich setzt auch das MK&G ein Zeichen gegen den Angriffskrieg auf die Ukraine. Im ganzen Haus sind daher Plakate und Fotografien zu sehen, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit dem Wunsch nach Frieden und dem Land Ukraine auseinandersetzen.

Museum für Kunst und Gewerbe
Sonntags von 10 bis 18 Uhr, Eintritt 12 Euro (ermäßigt 8 Euro), alle unter 18 Jahren haben freien Eintritt

Brunch im Café Paris

Kilometer 15,5

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Perfekt zum brunchen: Das Café Paris (Foto: Café Paris)

Es ist 10:15 Uhr, die Spitze der Läufer:innen ist gerade durch und jetzt wartet man noch auf die oder den Liebste:n, aber dann muss auch mal was gefrühstückt werden. Wieso nicht genau hier der Strecke den Rücken zuwenden und im Café Paris direkt hinterm Rathaus richtig lecker brunchen? Das gemütliche Café gehört dabei zu den besten Spots der Stadt für einen gemütlichen Brunch

Café Paris
Geöffnet ab 9:30 Uhr

Alsterspaziergang

Kilometer 16 – 20 & 38,5 – 39,5

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Nichts geht über einen gemütlichen Sonntagsspaziergang an der Alster (Foto: Isabel Rauhut)

Und er sah, dass das Wetter gut war – hoffentlich. Der April in Hamburg hält zwar immer die ein oder andere Überraschung bereit, doch aktuell verspricht der Sonntag zumindest nicht, verregnet zu werden. Daher lohnt parallel zum Marathon auch immer ein Spaziergang an der Alster. Während sich die Läufer:innen 10 bis 12:30 Uhr (Ostseite) und von 11:30 bis 15:00 Uhr (Westseite) an Hamburgs blauer Mitte entlang quälen, können sich diejenigen, für die das Café Paris nicht gepasst hat, gemütlich schlendern oder sich im Literaturhaus Café verwöhnen lassen. 

Literaturhaus Café
Geöffnet ab 9:30 Uhr (Reservierung empfohlen)

Neue Perspektive auf die Stadt

ab Kilometer 22

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Auf dem Wasser durchs Grüne – eine ganz neue Perspektive auf die Stadt (Foto: Felix Willeke)

Sonntag in Hamburg ist auch immer Familienzeit. Für viele geht es deswegen zum Fußball spielen, Minigolfen oder einfach zum Spazieren in den Stadtpark. Für die etwas andere Perspektive lohnt ein Abstecher auf die Liebesinsel. Am hiesigen Bootsverleih lassen sich neben Tretbooten auch Ruderboote und Kanus leihen, um Hamburg vom Wasser aus zu erkunden. 

Bootsvermietung auf der Liebesinsel
Geöffnet bei gutem Wetter ab ca. 9:30 Uhr

Familiäre Atmosphäre

Kilometer 30,5

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Frisches vom Grill und gute familiäre Stimmung gibt‘s in Ohlsdorf fast in jedem Jahr (Foto: pixabay)

Marathon in Hamburg und Ohlsdorf, das ist eine wahre Liebesbeziehung. Während die Strecke in den vergangenen Jahren immer wieder angepasst wurde, blieb der nördlichste Punkt immer gleich: Die Querung der Alster „am Hasenberge“. Direkt am S- und U-Bahnhof Ohlsdorf trifft sich der Hamburger Norden zum Marathon gucken. Hier gibt es frisch Gegrilltes von der Freiwilligen Feuerwehr und dem THW, dazu extrem viel gute Laune und familiäre Stimmung. 

Eppendorf und der „Mann mit dem Hammer“

Kilometer 36 – 38

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Wenn am Eppendorfer Baum die Beine brennen, helfen gute Stimmung und grüße von oben (Foto: Alice von der Laden)

Wenn der sprichwörtliche „Mann mit dem Hammer“ kommt, dann braucht es erst recht Unterstützung. Spätestens ab Kilometer 37 setzen bei vielen Marathonis Krämpfe und Erschöpfung ein. Gut, dass der Hamburg-Marathon hier sein stimmungsmäßiges Epizentrum bereit hält: den Eppendorfer Baum. Geht es bei Kilometer 36 an der Eppendorfer Landstraße um 11:15 Uhr schon mit den ersten Bands los, erreicht die Stimmung an der U-Bahn Eppendorfer Baum ihren Höhepunkt. Bis kurz vor drei werden hier auch die letzten Läufer:innen nach vorne gepeitscht.

Eine Ruheoase kurz vor dem Ziel

Kilometer 41

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Direkt neben Start und Ziel liegt mit Planten un Blomen eine Oase der Ruhe (Foto: Berndt Andresen)

Man hat schon über 40 Kilometer in den Beinen, läuft bei der Spielbank Hamburg um die Ecke und vor einem taucht der Gorch-Fock-Wall auf, die letzte „Steigung“ beim Hamburg Marathon. Auch wenn das Wort Steigung hier wohl kaum ernsthaft verwendet werden sollte, tut den Läufer:innen jeder Schritt weh und jeder Höhenmeter nervt. Deswegen brauchen sie gerade hier besonders viel Unterstützung. Und wer keine Lust aufs Anfeuern hat, für den wartet mit Planten un Blomen eine echte Ruheoase direkt um die Ecke.

Wer sich selbst nochmal orientieren möchte: Den Strecken- und Zeitplan sowie alle Infos rund um den Marathon gibt es auf haspa-marathon-hamburg.de


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Drinks mit Hafenromantik: Das Bistro Liberté hat neu eröffnet

Gutes Drinks mitten im Hafen genießen: So geht Freiheit auf Französich

Hafenromantik de luxe! Auf dem Anleger direkt am Fischmarkt ist eine echte Wohlfühloase entstanden: das Bistro Liberté. Dahinter steckt StrandPauli-Macher John Wiblitz, der bekanntlich ein Händchen hat für das Schaffen einer tollen Location in Wassernähe. Diese ist nun wirklich nah: Nur 30 Zentimeter über der Wasserlinie können Gäste sich über leichte französische Küche freuen.

Gebaut wurde das Bistro im Loft-Stil eines historischen Zollhauses mit übergroßen Industrie-Flügelfenstern. 75 Innen- und 150 Außenplätze werden geboten. Drinks wie den Liberté Deluxe oder einen St. Germain Spritz werden aktuell beim Soft-Opening angeboten – Essen komme danach dazu. Einen unschlagbaren Blick auf das Hafengeschehen gibt es aber schon jetzt!

Liberté: Anleger Fischmarkt (Altona)


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Alex an der Überseebrücke: Logenplatz am Hafen

Das Alex am Jungfernstieg hat seinen Ruf als Touristenmagnet weg. Auch der neue Standort am Baumwall scheint prädestiniert, Sightseeing mit Brunch oder Cocktailhour zu verbinden. Aber auch als echter Hanseat lohnt sich ein Besuch.

Text: Laura Lück
Foto: Alex Überseebrücke

An diesem Samstagnachmittag lockt die Maisonne tausende Besucher an die Hafenpromenade. Wie Haifische umkreisen Hungrige die riesige Alex-Außenterrasse an der Überseebrücke. Nach knapp zwanzig Minuten wird endlich ein Platz für zwei frei. Netter Nebeneffekt beim Warten: Man kommt ins Gespräch. Verschiedene Dialekte und Sprachen bilden den Sound des Restaurants. Ein Münchner Pärchen hält die Schönheit des Ausblicks kaum aus, eine ältere Dame aus Köln erinnert die Hafenkulisse an eine verflossene Romanze in den 60er-Jahren.

Das Staunen steckt an. Hafenblick, Schiffshorn-Tuten und segelfliegende Möwen – mehr Hamburg geht nicht. Aperol schlürfend stellt sich auch beim echten Hanseaten unweigerlich ein Gefühl der Freude und Dankbarkeit ein. In dieser schönen Stadt lebe ich – was für ein Glück!

 

 

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Urlaub in der eigenen Stadt

 

Es gibt Essen: Trotz vegetarischer Bestellung kommen die Nachos mit Chili con Carne überbacken auf den Tisch. Geändert werden kann das leider nicht. Die Kellner wirken gehetzt. Keine Zeit für Extrawünsche, Augenkontakt oder ein nettes Wort. Allerdings ist das Team an diesem sonnigen Tag auch eindeutig unterbesetzt und entsprechend gestresst. Das frisch eröffnete Restaurant muss sich vielleicht noch etwas einspielen. Der Büffelmozzarella mit Tomate schmeckt hervorragend, die Black-Tiger-Garnelen mit Antipastigemüse sind in einem würzigen Kräuteröl eingelegt, das sich bestens als Dip fürs knusprige Knoblauchbrot eignet.

Der Nacho-Patzer ist schnell vergessen. Liegt vielleicht am Urlaubsgefühl, das sich hier einstellt. Smartphones bleiben in der Tasche, die Gäste drehen ihre Stühle in Richtung Promenade und schlürfen köstliche hausgemachte Halbliter-Limonaden, ebenso riesige Schoko-Sahne-Milchshakes oder ein Glas Prosecco. Erst beim Gehen wird’s ungemütlich: Die Jacken sind noch nicht ganz angezogen, da greifen schon die nächsten hungrigen Haie gierig nach den freiwerdenden Stuhllehnen.

Alex Überseebrücke: Vorsetzen 72 (HafenCity)


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