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HAW Hamburg: Ein Rennen um die Zukunft

Ein Ortsbesuch an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die ihre Studierenden auf alle denkbaren Karriereszenarien vorbereiten will

Text und Fotos: Erik Brandt-Höge

 

Ist das einer von den Transformern? Ein haushoher Rechner? Eine XXL-Kunstinstallation? Fest steht: Wer vor dem Hauptgebäude der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg am Berliner Tor steht, einem mattglänzenden architektonischen Mix aus Pyramide, Säule und L-förmigem Etwas, der merkt schnell: Das hier ist keine normale Ausbildungsstätte – das hier ist ein Ort der Zukunft.

 

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Industriechic im Eingangsbereich des HAW-Hauptgebäudes

 

Während andere Hochschulen auf jahrhundertealte Häuser setzen, auf akademische Geschichte in jedem Stein und jeder Fliese, fokussiert sich die HAW schon in ihrer Außendarstellung aufs Hier, Jetzt und Bald.

Und drinnen geht es weiter: Viel Licht fällt in den durchweg verglasten Eingangsbereich, in dem ein Bistro Studierende mit Kaffee und Snacks versorgt. Über eine industrieschicke Metalltreppe, auf der sich die an Wänden und Decken angebrachten Lichtwürfel spiegeln, geht es im Zickzack hoch in die Seminar- und Vorlesungsräume.

Medien, Medizin, Design, Technik, Umwelt, Wirtschaft, Soziales: Aktuell machen sich hier rund 17.000 Studierende in 38 Bachelor- und 37 Masterstudiengängen startklar für anstehende Karrieren.

 

In Führung gegangen

 

„Ingenieure kommen vom Berliner Tor“, zitiert die HAW bis heute einen Leitspruch der Anfangstage auf der Hochschul-Homepage. Was damals gelten sollte, ist heute Selbstverständlichkeit. Längst mit mehreren Fakultäten über ganz Hamburg verteilt, ist die HAW Norddeutschlands führende Hochschule in Sachen reflektierter Praxis geworden.

Allein 1.800 junge Frauen und Männer belegen derzeit Lehreinheiten in Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau, arbeiten nebenher als Werkstudenten in Großunternehmen à la Airbus und sind an HAW-Projekten wie dem HAWKS Racing Team beteiligt, dem größten interdisziplinären Projekt der HAW.

 

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Fertig für die Wettbewerbe: Werke des HAWKS Racing Teams

 

Die Mitglieder, aktuell 60 Studierende aus nahezu allen HAW-Fachbereichen, wollen schlichtweg noch höher, schneller und weiter hinaus, als eh schon im Studium – und zwar mit einem eigenen Rennwagen. 2004 entstand der erste HAWKS-Bolide „Lady“. Jetzt baut das HAWKS-Team sein 15. Fahrzeug: „Vera“, mit eigenem V2-Motor-Konzept.

 

Chancen statt Credits

 

Die Aufstellung der Hochschul-Racer liest sich wie die eines Profi-Rennstalls: Es gibt einen Captain, einen Controller, Leiter für Bereiche wie Motor und Antrieb, Fahrwerk und Elektronik. Sogar eine eigene Marketingabteilung ist aktiv. Technischer Leiter der Boliden-Bauer ist momentan Philip Lohde, 21, sechstes Semester Flugzeugbau.

Sein Studienalltag ist eng getaktet. Mechanik, Mathematik, Thermodynamik und Elektrotechnik stehen auf seinem Stundenplan, und auch Philip ist nebenher Werkstudent. Für sein zeitintensives HAWKS-Engagement bekommt er keine Extra-Credits, dafür die Chance, mit dem gerade fertig gestellten neuen Fahrzeug durch Europa zu reisen.

Ungarn, Österreich, der heimische Hockenheimring – die drei Meter lange, anderthalb Meter breite und 207 Kilogramm schwere „Vera“ wird in diesem Sommer auf Wettbewerbe geschickt. Wird sie präsentiert, wird es auch die HAW.

Für die Hochschule und ihre internationalen Ansprüche in Sachen Ingenieurswesen keine schlechte Eigenwerbung. „Ich bin zwar ein kleines bisschen hinter meiner Regelstudienzeit“, sagt Philip, „aber das ist okay, wenn man bedenkt, dass ich bei den HAWKS nahezu eine Vollzeitstelle und auch noch meine Werkstudentenarbeit habe.“

 

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Philip Lohde, technischer Leiter, ist zufrieden mit dem neuen Boliden

 

Wenn er mit dem Bachelorstudium fertig ist, so seine Überlegung, könne ein Umzug in den Süden Deutschlands anstehen, wo viele Ingenieure sich nach ihrem Studium einem der zahlreichen Automobil- und Luftfahrtunternehmen anschließen.

Dass er allein durch seine HAW-Vita, gute Chancen auf einen Topjob hat, scheint Philip klar zu sein, wenn er sagt: „Ich habe mich noch nicht festgelegt, in welchem Unternehmen ich arbeiten möchte.“ Ist eben so: Der Transformer (oder Rechner, oder Kunstaufsteller) vom Berliner Tor wappnet Studierende für die Jahre nach der Hochschule. Wie genau diese aussehen, können sich Absolventen dank der renommierten Ausbildung oft selbst aussuchen.

Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Berliner Tor 9 (Hauptcampus)


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im 
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Michel Arriens: Im Einsatz gegen Diskriminierung

Inklusionsaktivist Michel Arriens strotzt vor Tatendrang: Der kleinwüchsige Mann ist unermüdlich im Einsatz gegen Diskriminierung

Interview: Mirko Schneider
Foto: Anna Spindelndreier

Michel, du nennst dich „Inklusionsaktivist“. Was verstehst du darunter?

Michel Arriens: Ich setze mich für die Bedürfnisse der zehn Millionen Menschen mit Behinderung in Deutschland ein. Aber nicht nur für die der rund 100.000 kleinwüchsigen Menschen. Als studierter Medien- und Kommunikationswissenschaftler arbeite ich als Head of Social Media & Campaigner bei Change.org.

Außerdem bin ich Pressesprecher beim Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien. Online bin ich auf Facebook und Twitter sehr aktiv, blogge, filme, fotografiere, führe viele Gespräche mit Entscheidungsträgern und besuche Veranstaltungen wie zum Beispiel die re:publica. Da schmeiße ich dann meinen Roller an und ab geht die Post.

In deinem Blog schreibst du, du seiest „Experte für Kampagnen-Eskalation“. Verrätst du uns ein paar Tricks?

(lacht) Für welche Kampagne denn? Grundsätzlich ist eine Kampagne als Dreieck zu betrachten. Erste Seite: eine Masse von Menschen, die etwas verändern will. Zweite: die mediale Berichterstattung. Dritte: die Entscheidungsträger, die zu Taten bewegt werden sollen. Alle drei Seiten müssen bedacht werden. Eine Online-Petition zum Beispiel, selbst wenn sie viele Menschen mobilisiert, nützt ohne medialen Druck kaum etwas.

Also müssen die Belange der Medien mitgedacht, ihnen wahre und gute Geschichten geliefert werden, über die sie berichten können. Durch die Öffentlichkeit wird das Anliegen sichtbarer, die Mobilisierung wird verstärkt – und der Druck auf die Entscheidungsträger wächst. Mit denen muss man dann parallel in den Dialog treten, damit sie die Plastiktüte im Discounter abschaffen. Oder eben das tun, was das Ziel der Kampagne ist.

 

„Man sieht den Körper – und traut uns viel weniger zu“

 

Für kleinwüchsige Menschen fällt eine Benachteiligung sofort auf: die oft nicht gegebene Barrierefreiheit.

Richtig. Schon beim Aufwachsen existiert eine Spaltung unserer Lebensrealitäten. Wenn ich nicht in deine Lieblingsdisco, dein Lieblingscafé, dein Lieblingsrestaurant, deinen Lieblingssportverein gehen kann – wie sollen wir uns dann eigentlich kennenlernen? Mindestens genauso schlimm ist oft die Haltung, kleinwüchsige Menschen nichts zuzutrauen.

Wenn ich dafür gelobt werde, dass ich „trotzdem“ im Club feiere und abgehe, ärgere ich mich. Oder dass ich „trotzdem“ lächele. Was ist denn dieses „Trotzdem“? Ich kann genauso feiern und lächeln wie andere Menschen auch. Ich will nicht diesen Makel angeheftet bekommen. Der hat übrigens ganz reale ökonomische Konsequenzen.

Welche?

Es gibt eine Menge Studien dazu. Trotz erwiesenermaßen überdurchschnittlicher Qualifikation ist die Arbeitslosenquote unter kleinwüchsigen Menschen doppelt so hoch. Man sieht ihren Körper – und traut ihnen viel weniger zu. Das ist diskriminierend und traurig.

Du hast die Medien angesprochen, die eine wichtige Rolle für die Belange benachteiligter Menschen spielen. Doch sie können auch ein weniger rühmlicher Akteur sein, oder?

Ja. Die Erfahrung habe ich am eigenen Leib gemacht. Für Sat.1 moderierte ich 2012 die Doku-Serie „Die große Welt der kleinen Menschen“ mit Ulla Kock am Brink. Vorneweg: Mit Ulla Kock am Brink würde ich jederzeit wieder zusammenarbeiten. Sie war ausgezeichnet. Doch es gab viel berechtigte Kritik daran. So wurde beispielsweise ein kleiner Mann gezeigt, der durch einen Wald geht.

Unterlegt wurde die Szene ohne mein Wissen mit der Musik aus den „7 Zwergen“. Es wurde sich zu oft lustig gemacht, zu viele Stereotype reproduziert. Mit dem Wissen von heute würde ich die Sendung so nicht mehr machen.

 

Die Disco, die Kleinwüchsige jagen ließ

 

Manchmal geben sich kleinwüchsige Menschen leider für Aktionen her, bei denen man nur den Kopf schütteln kann. So wie das Zwergenwerfen. Wie findest du das?

Das nervt mich. Klar, die Menschen machen das freiwillig. Aber welches Bild transportiert denn das? Wir sind klein, putzig, nicht ernst zu nehmen. Extrem schlimm fand ich im Jahre 2013 die Aktion einer Disco in Cuxhaven namens „Fang den Liliputaner und gewinne einen Flatscreen“. Vorbild war der Film „Project X“, in dem eine Party von Jugendlichen vollends eskaliert. Als die Eskalation so richtig ins Rollen kommt, wird ein kleinwüchsiger Mensch in einen Backofen eingesperrt. Die Disco ließ also einen kleinwüchsigen Menschen von den Disco-Besuchern jagen, um ihn dann einzusperren!

Wir haben dazu vom Bundesverband für Kleinwüchsige Menschen eine Stellungnahme verfasst, unsere Abscheu kundgetan. Die Aktion ist totale Scheiße – und der Begriff „Liliputaner“ übrigens auch. Man kann sich das leicht klarmachen, wenn man den Begriff tauscht. Was wäre wohl los, wenn eine Disco mit dem Slogan „Fang den Neger und gewinne einen Flatscreen“ wirbt?

Treibt dich das vor allem an?

Dass solches Gedankengut nicht wieder salonfähig wird? Klares Ja! Ich nehme einen gesellschaftlichen Ruck in eine bestimmte Richtung wahr. Dagegen stelle ich mich und ich wünsche mir, dass es viele andere Menschen auch tun. Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, das Aufstellen von Barrieren gegenüber Behinderten durch jegliche Form der Ausgrenzung – all diese Diskriminierungen müssen bekämpft werden. Ich persönlich habe mit 20 Jahren den Entschluss gefasst, etwas zu tun.

Ich habe mir eine große Klappe antrainiert, um gehört zu werden. Das war wichtig, hat mich selbstbewusster gemacht. Denn ich will nicht als Mensch mit einer Behinderung in einer Gesellschaft leben, die mich als Sonderling betrachtet.

Michel Arriens.de


Wie inklusiv ist Hamburg schon? Dieser Text stammt aus Vielfalt leben – dem Magazin von SZENE HAMBURG und Inklusionsbüro, Juni 2019
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Hamburger des Monats – Dannie Quilitzsch

Frauen vernetzen, Kinder in Krisengebieten stabilisieren, Wasser für alle – Dannie Quilitzsch zieht viele soziale Strippen. Ihr Antrieb: Die Welt ein bisschen besser machen und das am besten gemeinsam.

Interview: Hedda Bültmann
Foto: Philipp Schmidt

SZENE HAMBURG: Dannie, du steckst in so vielen unterschiedlichen Projekten. Wie bezeichnest du dich?

Dannie: Das stimmt, ich habe mehrere Hüte auf, deshalb kommt es immer auf den Kontext an. Aber grundsätzlich bin ich Psychologin, Beraterin und Coach. Und arbeite hauptsächlich im Bereich Social Entrepreneurship als Gründerin und Unternehmerin, aber auch in beratender Funktion sowohl für große Dax-Unternehmen als auch für kleine Social Start-ups.

Wonach entscheidest du, an was und mit wem du zusammenarbeitest?

Es ist mir bei den Social Start-ups wichtig, dass die Idee und das Konzept innovativ auf dem Markt sind. Und ob es dafür überhaupt einen Bedarf gibt und somit eine reelle Wirkung nach sich zieht.

Vertraust du deiner Intuition, ob ein Projekt funktionieren wird?

Vieles entscheide ich aus dem Bauch heraus, wobei mein Bauch und mein Verstand sehr eng zusammenarbeiten. Durch meine jahrelange Erfahrung erkenne ich schnell, was Sinn macht. Natürlich prüfe ich auch, ob eine gute Marktanalyse gemacht wurde, ob Kompetenzen, Gründerpersönlichkeit und das Netzwerk vorhanden sind und wie hoch die Motivation ist. Oder zum Beispiel auch, ob die Idee so innovativ ist, dass sie Medienpartner und Multiplikatoren erreicht.

 

 

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Welcher Aspekt hat dich bei War Child gepackt?

Natürlich gibt es bereits viele Projekte, die sich um Kinder kümmern, auch War Child gibt es weltweit schon lange. Meine Partnerin und ich haben jetzt die Organisation nach Deutschland, mit Sitz in Hamburg, geholt. Für mich als Psychologin und Therapeutin ist es sehr interessant, dass War Child psycho-soziale Programme entwickelt, evaluiert und erforscht. Wir schaffen etwas Funktionierendes.

Dann teilen wir es mit anderen Organisationen wie Save the Children und Unicef. So erzeugen wir eine Reichweite in die ganze Welt, damit noch mehr Kindern in Krisengebieten geholfen werden kann, mehr als wir es alleine mit War Child schaffen könnten. Das ist, was mich an Social Entrepreneurship am meisten reizt – etwas zu kreieren, das über einen Skalierungseffekt einen reellen sozialen Wandel mit sich bringt.

Ein anderes deiner Projekte hier in Hamburg ist der Women’s Hub, an dem drei Mal im Jahr 50 Frauen einen Tag lang zusammenkommen. Was steckt dahinter?

Auch dabei ist mein Antrieb, zu überlegen, wie man unsere Welt besser machen kann – das klingt zwar pathetisch, aber tatsächlich geht es genau darum. Ich bin überzeugt, dass wir unser ganzes Potenzial nur entfalten können, wenn wir es gemeinsam tun. Der Women’s Hub will eine Gemeinschaft aus Frauen sein, die sich gegenseitig unterstützen.

Beim Women’s Hub Day kommen 50 Frauen zusammen, fünf davon nutzen diesen Tag, um ihre Visionen oder Projektideen zu teilen, um sich Feedback darauf oder auch ganz konkrete Unterstützung für die Umsetzung einzuholen. Wir schaffen einen Raum, in dem sich Frauen trauen, ihre Ideen zu erzählen, sich auszuprobieren und gegenseitig zu inspirieren – nicht nur persönlich, wir schüren auch, dass die Frauen gemeinsam Business machen, sich gegenseitig buchen oder Aufträge vergeben, um sich so auch in diesem Bereich zu fördern.

 

„Weibliche Prinzipien müssen stärker in die Gesellschaft“

 

Warum brauchen Frauen dafür noch immer einen geschützten Raum?

Der geschützte Raum wird gebraucht, damit Frauen sich stärken können, um dann gemeinsam in die Welt rauszugehen. Wir sind nicht geübt darin, uns zusammenzuschließen. Wenn man sich Statistiken ansieht, ist die Redezeit von Männern in Runden noch immer länger, die Gehälter in vergleichbaren Positionen sind höher, Männer bekommen noch immer eher den Job, vor allem im Führungsbereich, bei gleicher Qualifikation. Es war lange so, dass die Frauen, die sich durchkämpfen konnten, die Prinzipien der Männer angenommen haben.

Jetzt geht es darum, die weiblichen Prinzipien wie Empathie und Intuition stärker in die Gesellschaft zu tragen. Denn jede Frau sollte sich bewusst sein und daran glauben, dass wir mit unserem weiblichen Verhalten stark sind – egal, in welchem Feld wir unterwegs sind, sei es als Angestellte, Freelancerin oder Mutter. Wir wollen Frauen stärken, um eine Gleichheit zu erzeugen.

Was tut die Stadt, um „Women Empowerment“ zu unterstützen?

Ich habe beim letzten N Klub, ein Netzwerktreffen für nachhaltige Ideen, unsere Sozialsenatorin Melanie Leonhard über das Thema sprechen hören, und ich finde sie in diesem Bereich sehr vorbildlich. Sie setzt sich ein, geht mit den richtigen Ideen nach vorne. Ansonsten ist es in diesem Bereich von Seiten der Institutionen, Behörden oder Stiftungen unheimlich schwer, Unterstützung zu bekommen. Generell, wenn man neue Themen nach vorne bringen will, ist es schwierig, die Stakeholder zu überzeugen, da muss insbesondere Frau einen echt langen Atem haben, sich den Mund fusselig reden und die Füße ablaufen.

Auch hier wird Männern viel schneller zugetraut, dass sie die richtige Idee für eine Unternehmensgründung oder ein Projekt haben. In Städten wie Berlin und auch im Ausland ist es wesentlich einfacher, weil in international orientierten Städten früher verstanden wurde, dass es wichtig ist, dass wir uns in diesem Bereich entwickeln. Ich liebe an Hamburg die traditionellen Werte wie Beständigkeit und Gewissenhaftigkeit, die stehen Innovationen und mutigen Ideen aber leider auch oft im Weg.

Was braucht es?

Ich wünsche mir noch mehr den Dialog zwischen den verschiedenen Instanzen: Regierung, Unternehmen, Medien, Institutionen, Zivilgesellschaft. Es gibt zwar kleinere Zusammen künfte wie das Zeitforum oder den N Klub, aber wir könnten noch viel mehr Potenzial wecken, wenn wir mehr in der Gemeinschaft gucken, wie wir Hamburg in die Zukunft entwickeln und gleich zeitig als lebenswerte Stadt für alle Bürger erhalten können.

 

„In Hamburg herrscht irre viel Social Empowerment“

 

Und wie ist dein Blick auf die Hamburger?

In der Stadt gibt es so viele wahnsinnig tolle Menschen. Hier herrscht irre viel Social Empowerment in Form von sozialen Projekten und Veranstaltungen. Das finde ich sehr beeindruckend. Ich lebe seit über 20 Jahren in Hamburg, und ich liebe es hier – die Haltung der Leute, wie sie ihre Stadt gestalten und tatsächlich etwas bewegen. Das zeigt es auch, wie hier mit Geflüchteten umgegangen wurde und wird – es haben sich viele zivilrechtliche Organisationen gebildet wie Hanseatic Help.

Hamburger sind oft leise, es wird nicht so viel darüber geredet, was sie machen, aber das, was passiert, hat eine echte Substanz. Das finde ich wirklich stark an der Stadt.

Welches Engagement berührt dich am meisten?

Mein absolutes Herzensprojekt ist ganz klar Viva con Agua. Seit 2007 bin ich dabei, mittlerweile als Aufsichtsratsvorsitzende. Für mich ist es das vorbildlichste, sowohl als Unternehmen als auch soziales Projekt, das ich kenne. Das liegt vor allem daran, dass Viva con Agua nie müde wird, sich immer wieder mit sich selbst zu beschäftigen, im Sinne der eigenen Optimierung, der Neuerfindung oder der Frage, wie sie die Welt verändern und Mitgestaltung für jeden ermöglichen können.

Apropos Welt verändern. Was wäre im Kleinen dazu dein Appell an die Menschen?

Dass sich die Menschen wieder mehr begegnen. Jeder Mensch ist auf seiner eigenen Reise, aber jeder kann mit seiner Geschichte und den eigenen Erfahrungen andere unterstützen und helfen. Geht einfach wieder mehr aufeinander zu, redet miteinander und hört euch wirklich zu.

www.danniequilitzsch.com


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2019. Das Magazin ist seit dem 27. April 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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