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Meet the Resident – Patlac

Jeden Monat stellen wir in der SZENE HAMBURG präsentiert von Hamburg Elektronisch Resident DJs vor. Diesmal mit Patlac (35), DJ seit 1999, beim Label liebe*detail.

Dein Sound?
House und Techno.

Größter Moment als DJ?
Immer dann, wenn sich etwas zwischen dir und dem Publikum entwickelt, eine Verbindung entsteht und die Gäste Spaß an der Musik haben die ich in dem Moment ausgewählt habe.

Wo gehst du in Hamburg hin um Spaß zu haben?
Mit Freunden kann ich überall Spaß haben. Wenn es um elektronische Musik geht würde ich wohl den Pudel oder das PAL ansteuern.

Welchen DJ würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?
Eurokai! Toller Dj, mit tollem Geschmack.

Platte des Monats?
Afriqua – Vice/Principle / R&S Records

Hamburgs Stärken?
Die „Unaufgeregtheit“ die in der Stadt herrscht. Und damit meine ich nicht „emotionslos“ sondern eher die entspannte Grundstimmung.

Und die Schwächen?
Schlechte Radwege.

Lieblings-Ort in Hamburg?
Unten am Hafen wo die großen Schiffe schlafen.

Schrecklichste Gast-Frage?
Schwer zu definieren, denn wenn sich mal ein Gast ein Bier bei mir bestellt hat oder sich einen Track wünscht, der so gar nicht passt, empfinde ich es eher als witzig als schrecklich.

Auf wen sollte man in Hamburg momentan ein Auge haben?
Ich würde ungern einen einzelnen hervorheben wollen. Ich denke auf die ganze Hamburger Szene sollte man ein Auge haben.

Welcher Gig in Hamburg ist bisher dein Favorit?
Jeder Gig in Hamburg ist etwas Besonderes, denn es ist nicht immer leicht die Gäste sofort von dir zu überzeugen. Allerdings wenn du es schaffst bleiben sie treu bei dir.

Wo kann man dich als nächstes hören?

In Hamburg etwa alle zwei Monate im PAL, ansonsten werden Berlin, Barcelona, Kiel, San Francisco und New York die nächsten Stationen sein.

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2018. Das Magazin ist seit dem 29. Juni 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Die DJane ist tot, lang lebe der DJ

Sexismus: Nachts sind alle Katzen grau. Und im Club sind alle Menschen gleich? Schön wär’s. Noch immer gelten Frauen an den Plattentellern als Exoten. Doch zum Glück steigt der Anteil weiblicher DJs – auch in den Hamburger Clubs.

Das Jahr 2017 wird als das in Erinnerung bleiben, in dem zahlreiche Skandale in der Medienwelt die Sexismus-Debatte neu entfachten – und es gab kaum eine Branche, die davon nicht betroffen war. Auch das sich stets als liberal gebende Musikbusiness, so ungern seine Akteure es auch wahrhaben wollen, krankt seit jeher an einem starken Ungleichgewicht von weiblichen und männlichen Künstlern, ungerechten Gagen und Diskriminierung. Diese Probleme, die struktureller Natur sind, machen vor der Clubtür nicht Halt. Denn auch in der elektronischen Musikszene werden – abgesehen von einigen Ausnahmen – weibliche DJs immer noch weniger ernst genommen als ihre männlichen Kollegen. Und statt um Fähigkeiten, geht es in der Regel eher um Äußerlichkeiten.

Bestes Beispiel ist der Fall um Konstantin, Mitbegründer des Weimarer Techno-Labels Giegling. Im Sommer 2017 echauffierte er sich in einem Gespräch mit dem Groove-Magazin über die Ungerechtigkeit, dass weibliche DJs derzeit so sehr gefördert würden – obwohl sie ja meist schlechter auflegten als Männer. Demnach wäre es für Frauen also wesentlich einfacher, als DJ Erfolge zu feiern, weil sie unverhältnismäßig große Unterstützung erfuhren.

Nicht nur bei vielen weiblichen DJs stößt diese Aussage auf großes Unverständnis. Fathia, die seit etwa zwei Jahren in der Hamburger Pooca Bar regelmäßig Deep House und Techno auflegt, meint: „Ich sehe nicht, dass weibliche DJs großartig gehypt werden. Es gibt immer noch genügend Partys, bei denen gar keine Frauen gebucht sind.“

Dabei ist diese Entwicklung hin zur männerdominierten Branche, in denen Frauen, homosexuelle oder queere Personen nur eine Nebenrolle spielen, im Grunde paradox. Denn ihre Geburtsstunde feierte elektronische Clubmusik schließlich in den Schwulenbars von New York und Detroit. An Orten also, an denen die LGBTQ-Gemeinde Zuflucht fand und sich den Diskriminierungen des Alltags zumindest für ein paar Stunden entziehen konnte.

Dass die internationale Clublandschaft spätestens seit den 90er Jahren von heterosexuellen weißen Männern bestimmt wurde und Frauen und andere marginalisierte Personengruppen lange Zeit nahezu unsichtbar waren, bemerkte auch die Musikproduzentin Susanne Kirchmayr, die als Electric Indigo seit mehr als 20 Jahren in den Clubs dieser Welt auflegt. Um diesem Ungleichgewicht entgegenzuwirken, gründete die Österreicherin 1998 female:pressure – ein Verzeichnis von Künstlerinnen, DJs, VJs, Produzentinnen und Bookerinnen, die im Bereich der elektronischen Musik agieren und sich über eine Datenbank miteinander vernetzen können. Aktuell umfasst diese mehr als 2.000 Mitglieder aus 74 Ländern.

Yeşim Duman setzt sich für weibliche DJs ein.

Dass sich die Geschlechterverhältnisse jedoch langsam aber sicher verschieben, macht eine Studie deutlich, die alle zwei Jahre von female:pressure erhoben wird und die die Sichtbarkeit weiblicher Akteure in der internationalen Festival- und Clubszene beleuchtet. Aus der aktuellen Auflage aus dem Herbst 2017 geht hervor, dass der Anteil an weiblichen Acts, der 2012 noch bei 7,4 Prozent lag, sich 2016 auf 24,6 Prozent erhöht hat, auch in Hamburg.

Einen Teil dazu trägt Bruna bei, die mit dem Projekt „Bruna & Paul“ zum Hamburger Somnium-Kollektiv gehört und seit einigen Jahren unter anderem regelmäßig im Hafenklang an den Decks steht. Weil in unserer Gesellschaft Männer und Frauen eben noch nicht gleichgestellt seien, spiele der Feminismus und die Sensibilisierung dafür nach wie vor eine große Rolle, meint die 26-Jährige: „Ich habe, seitdem ich selbst auflege, immer versucht, mich mit anderen weiblichen DJs zu vernetzen, weil mir der Zusammenhalt und die Solidarität sehr wichtig sind. Ich halte auch nichts von Konkurrenzdenken, sondern sehe den Austausch mit anderen DJs viel mehr als eine Bereicherung an.“

Diesen Ansatz verfolgt auch Yeşim, deren selbst veranstaltete Partys, wie zuletzt „Erdogay“ im Golden Pudel, auch immer mal wieder mit einem rein weiblichen Line-up aufwarten – ohne dass sie das beabsichtigt hätte. Fathia dagegen sieht diese „Female DJ Partys“ kritisch, da sie die Gefahr eines umgekehrten Sexismus bergen, eben weil sie Männer komplett ausschließen. Worin sich jedoch alle einig sind: Die Lösung des Problems kann nur darin liegen, sich vom Schubladendenken zu verabschieden. Ein wichtiger Schritt ist vermutlich dann getan, wenn Menschen endlich aufhören das Wort „DJane“ zu benutzen, bei dem sich vielen weiblichen DJs die Fußnägel hochrollen und das (Geschlechter-)Grenzen aufbaut, wo doch eigentlich keine sein sollten. Fathia bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt: „Es geht doch bei der Musik um Vereinigung, um das Miteinander. Miteinander das Glück teilen. Und nicht um Egokram.“

Text: Katharina Grabowski

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Golden Pudel is BACK

WAU! Die Elbphilharmonie der Herzen ist zurück. SZENE HAMBURG blickt ins Innere des beliebten Hafenrand-Clubs und freut sich über die Eröffnung.

Die 550 Tage ohne Golden Pudel waren mehr als genug. Ohne großes Brimborium sollte Mitte August der frisch renovierte Club erneut seine Türen öffnen. So zumindest wünschte es sich das Betreiber- Kollektiv einige Zeit vorher. „Die Idee ist, einfach aufzumachen und so zu tun, als ob nichts war. Wir wollen jetzt einfach unser Ding machen und zur Normalität übergehen“, so Mitbetreiber Ralf Köster zur SZENE HAMBURG. Und so wurden einige überrascht, als die Nachricht der Wiedereröffnung erst drei Tage vor dem geplanten Datum die Runde machte. Keine Pressemitteilung, keine Interviews. Lediglich eine Aktualisierung der eigenen Webseite mit dem Programm für die kommenden Wochen.

Dass Bude, Terrasse, Vorplatz und sogar Pudeltreppe trotzdem gerammelt voll waren, überraschte dann weniger. Zu groß war die Lücke, die die Schließung nach dem fatalen Brand im Februar 2016 in der Kunst- und Musikszene der Stadt hinterlassen hatte. Deren Vertreter waren am Eröffnungsabend so zahlreich vorhanden, dass man mit ihnen mühelos ein mittelgroßes Festivalprogramm füllen könnte. Und das ist trotz der im Pudel so angenehm praktizierten Unaufgeregtheit gegenüber Szeneprominenz interessant, weil es die Reichweite der Pudelfamilie verdeutlicht, in erster Linie aber die große Solidarität zeigt, die der Laden – nicht erst, aber ganz besonders – seit dem verheerenden Feuer erfahren hat.

Weltweite Soli-Veranstaltungen, Exil-Partys befreundeter Clubs, freiwillige Helfer, Benefizkonzerte oder zahlreiche Spendenaufrufe bekannter Persönlichkeiten wie Helge Schneider, Ewald Lienen, Beginner, Jamie Lidell, Jimi Tenor, Deichkind, Trentemöller, Fettes Brot und vielen weiteren, haben dazu beigetragen, dass das durch Löschwasser zerstörte Erdgeschoss saniert werden konnte und dank neuer Betondecke auch während der folgenden Obergeschoss- Bauarbeiten geöffnet sein kann.

Und Solidarität mit dem Pudel ist weiterhin wichtig. Denn obwohl die Stadt Hilfen von 200.000 Euro zusagte und auch der Bezirk Altona 100.000 Euro für den Wiederaufbau übernimmt, soll der Rest der Gesamtkosten von rund 850.000 Euro durch Eigenleistungen und Spenden erbracht werden, berichtet der NDR.

So zu tun, als ob nichts war, klingt da schwierig, gelingt an den ersten Clubabenden aber ganz gut. Wer sich früher problemlos durch den Club navigierte, wird dies auch heute tun. Betritt man den Pudel durch die schweren Holzflügeltüren, fällt vor allem der neue Tresen ins Auge. Seitlich versetzt bietet der Barbereich mehr Platz für eine wirkliche Neuerung: Der Pudel öffnet jetzt ab 20 Uhr. „Wir wollen auch Kneipe für den frühen Abend sein, ein Kumpelnest in dem man sich gepflegt unterhalten kann ohne gegen die Musik anschreien zu müssen”, erzählt Köster. „Für die Nachbarschaft und für Leute, die nicht erst um 2 Uhr nachts ausgehen um sich an Beats für die Hüften zu erfreuen“.

Keine Musik von der Stange: Pudel Dancefloor. Foto: Katja Ruge

Natürlich wird das weiterhin möglich sein. Große Teile des bewährten Programms mit täglichen Veranstaltungsreihen wie Die Kotze hat meine Jacke verklebt oder dem MFOC-Sonntag und Pudel-nahen Labels und Künstler*innen wie Ratkat, Cindy Looper, Pelle Boys, Gatto Musculoso, Knarf Rellöm, Smallville oder liebe*detail finden sich im September-Programm wieder. Und auch Konzerthighlights wie der Auftritt der Sheffielder Band Blood Sport knüpfen nahtlos an alte Pudelzeiten an.

Am besten also hingehen und sich selber ein Bild machen. Denn eines ist klar: Jetzt spricht wieder die Musik!

Mehr Infos auf www.pudel.com

Text: Ole Masch / Fotos: Katja Ruge

Dieser Text ist erstmals erschienen in der SZENE HAMBURG Ausgabe September 2017.