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EQ:booking: Gleichheit Feiern mit Queeren Acts

Stay Queer: Donna Stark (35) und Hark Empen (29) wollen Hamburgs Musikszene bunter machen. Deshalb starten sie nun mit ihrer Agentur EQ:booking voll durch.

Interview: Mirko Schneider
Foto: Carsten Rabe

SZENE HAMBURG: Donna und Hark, fehlt es in der Hamburger Musikszene an Gleichberechtigung und Emotionaler Intelligenz?

Hark: Wir kennen einige Leute, die Bookings für unterschiedliche Partys und Veranstaltungen machen und eigentlich eine coole Einstellung haben. Leider hörten wir von ihnen oft Ausreden. Sie sagen, es gäbe ja gar nicht so viele weiblich gelesene Personen, die coole Musik machen. Wir wollen eine Sichtbarkeit für diese Artists schaffen.

Donna: Die Hamburger Szene ist insgesamt offen. Trotzdem fehlt es aus unserer Sicht auf den Bühnen und hinter den DJ- und Mischpults an Diversität. Deshalb haben wir mit EQ:booking eine Agentur für Musik-Acts und Performance- Künstlerinnen gegründet.

Auf Facebook schreibt ihr: „EQ:booking stands for enthusiastic artists who got their own sound and style. Focuses on community building, we promote diversity in the music industry.“ Also steht das „Q“ in EQ: für „Queer“?

Donna: Das ist eine der Bedeutungen. Equality und Equalizer haben wir auch noch im Angebot.

Hark: Und Emotional Quotient.

Arbeitet ihr ausschließlich mit Künstlerinnen zusammen?

Hark: Nein. Uns geht es um die Einstellung, nicht um das Geschlecht. Wir haben halt beide auch ganz bestimmte Erfahrungen gemacht.

 

„Bin ich mit meinem Freund unterwegs, kommen blöde Kommentare“

 

Erzählt doch mal bitte.

Hark: Ich habe mich in meinem Soziologie-Studium lange theoretisch mit der Materie befasst. Und ich gehe seit vielen Jahren gerne auf Techno und House-Partys. Da fiel mir auf, wie krass maskulin dort einige unterwegs sind. Bin ich mit meinem Freund unterwegs, kommen blöde Kommentare vor. Und zwar grundsätzlich von Männern. Von Frauen bin ich noch nie blöd angemacht worden, wenn ich mit meinem Freund rumknutsche.

Mein Ziel ist es, aus Veranstaltungen und Partys Räume zu machen, in denen sich alle wohlfühlen. Das fängt mit der Repräsentation verschiedener soziodemografischer Merkmale bei den Musiker und Musikerinnen an. Deshalb wollte ich hier etwas tun und fand die Idee der Gründung der Agentur total gut. Wir wollen mit Leuten zusammenarbeiten, die ein gewisses Bewusstsein für verschiedene Formen von Ausgrenzung und Diskriminierung haben und diese auch intersektional betrachten. Das betrifft sowohl die Agentur als auch unsere Künstler und Künstlerinnen.

Donna: Genau. Das Geschlecht spielt da keine große Rolle. Wir wollen mit Menschen zusammen sein, die für Equality und feministische Grundsätze einstehen. So ist auch die Agentur gestrickt. Mit Gwen Wayne und Willing Witness, zwei unserer starken Künstlerinnen aus der Techno-Ecke, haben wir genau solche Mitstreiterinnen gefunden, mit denen wir gemeinsam die Agentur betreiben. Wir wollen uns für Menschen starkmachen, die nicht dem üblichen Raster entsprechen und somit einfach weniger Chancen haben.

Das merke ich ja auch als Frau. Seit fast 20 Jahren mache ich Veranstaltungen im subkulturellen Bereich, arbeite zudem als Türsteherin. Im Hamburger Nachtleben kenne ich mich also aus. Und von Sexismus oder Diskriminierung bin ich einfach öfter betroffen als weiße deutsche Männer. Ich umgebe mich daher gerne mit Menschen, die solche Zusammenhänge begreifen. Begreifen kann sie aber jeder – und ich will keinesfalls das Verhalten aller Männer über einen Kamm scheren. Das wäre ungerecht.

 

Hört hier ein Set von Willing Witness im EQ:Podcast

Was könnt ihr besonders empfehlen und welche Bandbreite habt ihr zu bieten?

Donna: Wir machen aktuell für 13 Artists das Booking und empfehlen können wir wirklich alle! (schmunzelt) Und die Bandbreite ist schon sehr groß. Es ist keine Musik von der Stange. Wir sagen oft: Gibt es einen dritten Floor, liefern wir die Live-Acts dazu. Mit Gwen Waynes Shitstormtechno, dem Concrete Techno von Willing Witness, dem Raw Techno von Esshar und natürlich Lucinee gibt’s eine Menge Techno auf die Ohren. Ghetto Tek ist das Härteste, was wir haben. Von Terrorrythmus, er ist als DJ und Producer aktiv. Die Raverinnen von MyBadSister habe ich, als ich mit der MS Stubnitz in London war, kennengelernt. Ebenfalls sehr guter Stoff.

Hark: Dann natürlich noch Franz Albers und Käpt’n Kruse. Sie interpretieren Schlagermusik völlig neu. Ich höre nie Schlager. Bei diesem weiblichen Duo mache ich eine Ausnahme. Ist sehr cool. Und Gaff E, sie macht Psychedelic Cave Pop. Bei Ihr müssen die Promoter ein bisschen mutiger sein.

 

Hier könnt ihr Franz Albers und Käpt’n Kruse hören

Wieso?

Donna: Weil sie gerne mal das eine oder andere Teil auf der Bühne auszieht, wenn sie in Stimmung dazu ist. Sie setzt das aber nicht sexy ein, sondern schockiert gerne damit.

Gibt es für eure Agentur schon besondere Erfolge zu verzeichnen?

Donna: Kommt drauf an, wie man Erfolg definiert. Ein Highlight ist für uns sicher, dass unsere Ostberliner Rapper Ostberlin Androgyn jetzt ein Tape rausgebracht haben. Wenn deren Platte Ende April erscheint, werden wir im Hafenklang eine Release-Party schmeißen. Da freuen wir uns sehr drauf.

Hark: Ein gelungener Live-Act in einem coolen Club kann genauso geil sein wie ein Soli-Gig in der Flora, für den wir dann natürlich keine Booking Fee nehmen.

Donna: Grundsätzlich gehen wir nicht rein ökonomisch an die Sache ran. Uns ist die Netzwerkstruktur wichtig. Wir wollen Leute zusammenbringen, die sich untereinander stärken, die wie wir Lust auf eine solidarische Herangehensweise haben und gemeinsam Spaß haben wollen. Wir wollen in unserer schwierigen Position in der Mitte zwischen Promotern und Artists für alle das Beste aushandeln, sodass nachher alle zufrieden sind. Wir laufen allerdings keinem Promoter hinterher, der nicht mit uns arbeiten mag. Wir konzentrieren uns auf die, die Bock auf uns haben.

Und wie sind die Rückmeldungen aus der Szene bisher?

Donna: Sehr positiv.

Hark: Mittlerweile werden wir bekannter und auch schon angesprochen. Wir kriegen Rückenwind. Das fühlt sich gut an.

EQ:booking


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Frauen dieser Stadt, vereinigt euch!

Frauenpower! Beim Women’s Hub inspirieren sich Frauen gegenseitig. Das Event findet nun erstmals auch in Hamburg statt.

Frei nach dem geflügelten Wort der Frauenbewegung

“Sisterhood is Powerful”

hat Hamburg ab sofort ein neues Event für Frauen: den Women’s Hub. Vernetzung für Frauen. Wer will, stellt das eigene Projekt vor und hört, was andere dazu denken. Es ist aber auch möglich, sich einfach nur anstecken zu lassen von der positiven Energie, dem „Inspirational Talk” zu lauschen und viele kreative Köpfe kennenzulernen.

Über den Women’s Hub

Seit 2016 gibt es den Women’s Hub in München. Dannie Quillitzsch und Lena Carstensen, die mit den dortigen Organisatorinnen befreundet sind, waren von der Veranstaltung so begeistert, dass sie sie nun selbst nach Hamburg holen. Hier hält Manuela Maurer, die Gründerin des Cateringservice Chickpeace, einen inspirierenden Vortrag. Was für Projekte und Frauen werden sich sonst noch vorstellen? Das zeigt sich am großen Tag, bei dem es außerdem für Drinks und Schnacks viel Freiraum gibt.

Organisatorinnen des Women's Hub in Hamburg: Lena Carstensen und Dannie Quilitzsch

Lena Carstensen und Dannie Quilitzsch. Foto: Anne Kaiser

Drei Fragen an die Organisatorinnen

SZENE HAMBURG: Was macht ihr eigentlich beim Women’s Hub?
Dannie Quilitzsch: Beim Women’s Hub können alle Frauen ihre Träume und Wünsche teilen. Es muss dabei nicht um Berufliches gehen, sondern können auch ganz persönliche Geschichten sein. Es ist nämlich kein Vortragstag. Eigentlich profitiert eher die Speakerin vom Feedback der anderen Frauen. Außerdem wollen wir nicht nur ein Event veranstalten, sondern eine Gemeinschaft, die sich auch danach supportet und austauscht.
Was ist besonders an einer Veranstaltung nur mit Frauen?
Wir sind keine männerhassenden Feministinnen. Aber in unserer heutigen Kultur ist es einfach so, dass Frauen sich eher trauen, aus sich heraus zu gehen und sich zu zeigen, wenn keine Männer dabei sind, die sie bewerten. Da entsteht viel Kraft.
Für welche Frauen ist das Event geeignet?
Bei uns ist jede richtig.

2.6.2018, 9–20:30, 25-Hours-Hotel (Hafencity) www.womenshub.de
zweiter Termin: 17.11.2018


Text: Sabrina Pohlmann
Fotos: Anne Kaiser