Foto: Katja Kuhl

Dennis: „Ich glaube, jeder Mensch hat eine Geschichte, die es sich lohnt zu erzählen“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Dennis begegnet.

Protokoll: Kevin Goonewardena

 

„Ich glaube an Geschichten. Das mag jetzt vielleicht ein wenig naiv klingen, aber ich glaube daran, dass Geschichten uns helfen, unsere Welt ein bisschen besser zu verstehen. Sie können irgendeine Form von Ordnung in dieses wahnsinnige Chaos bringen, das uns täglich umgibt. Darum bin ich Journalist geworden. Denn so habe ich die Möglichkeit, anderen Menschen zuzuhören, Menschen, die vielleicht eine ganz andere Lebensrealität haben als ich selbst. Ich kann ihre Geschichten aufschreiben und sie einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Mich interessieren besonders die leidenschaftlichen Menschen. Dabei ist es in erster Linie egal, wovon die Geschichte handelt: von ihrem Glauben, dem Wunsch nach materiellem Wohlstand, von einer politischen Sache oder einem Hobby. Aber Menschen, die wirklich ihre gesamte Energie in etwas investieren, faszinieren mich. Ich glaube, dass wir von ihren Geschichten lernen können.

 

„Die Allerwenigsten sind bereit zuzuhören“

 

Abseits dieser großen und ungewöhnlichen Geschichten gibt es aber auch viele, die viel zu wenig gehört werden. Ich glaube, jeder Mensch hat eine Geschichte, die es sich lohnt zu erzählen. Denn jeder hat schon einmal in einen Abgrund geblickt, ist an seine Grenzen gestoßen oder hat etwas geleistet, was außergewöhnlich ist. Die allermeisten lassen es sich nur nicht anmerken. Und die Allerwenigsten sind bereit zuzuhören.

Genau das führt uns in diese komische Lage, in der wir uns gerade befinden. Diese Gesellschaft ist gespalten wie nie zuvor. In den sogenannten sozialen Netzwerken und mittlerweile auch im Alltag treffen immer häufiger Weltanschauungen aufeinander, die scheinbar nicht mehr miteinander kompatibel sind. Viel zu oft vergessen wir, dass es um die Menschen geht, die hinter diesen Weltanschauungen stehen. Sie vertreten ihre Standpunkte nicht aus Böswilligkeit, sondern weil sie davon überzeugt sind, auf der richtigen, vermeintlich guten Seite zu stehen, weil sie etwas Gutes wollen. Viele Konflikte und Probleme würden sich auflösen, wenn wir versuchen würden, die Motivation dieser Menschen zu verstehen. Das gelingt aber nur, indem man zuhört und indem Medienschaffende wie ich ihre Geschichte aufschreiben und auf irgendeine Weise weiter erzählen.

 

Häuser voller Geschichten

 

Hamburg steckt voller spannender Geschichten. Ich bin ein großer Fan von Hochhäusern. Dort leben auf kleinem Raum viele Menschen nebeneinander, die alle viele unterschiedliche Schicksale haben. Oft gehe ich an solchen Häusern vorbei und frage mich, wie es den Menschen geht, von was sie träumen, vor was sie sich fürchten, ob sie glücklich sind oder verzweifelt, ob sie gerade die Liebe ihres Lebens gefunden haben oder nicht wissen, wie sie am nächsten Morgen ihre Miete zahlen sollen. Ich glaube, wir sollten den Menschen mehr zuhören, denen sonst keiner zuhört. Weil die Summe ihrer Geschichten uns tatsächlich helfen kann, die Welt besser zu verstehen.”


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