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Jan: „Die Rockmusik hilft mir zu verarbeiten”

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Jan begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Seitdem ich 15 bin, mache ich Rockmusik. Ich bin Bassist und vor ein paar Monaten in die Band Rockhaus Hamburg gekommen. Wir sind zu viert, spielen eigene Kompositionen und Coversongs aus den sechziger, siebziger und achtziger Jahren. Mich trifft die Corona-Situation sehr, weil ich meiner Musik nicht nachgehen kann. Ich verarbeite Dinge darin, es ist mein Ausgleich zur Arbeit und zum Älterwerden. Klar, wir haben uns hier und da mal zusammengefunden, dann macht der eine ne Spur fertig, der andere spielt was drauf. Das geht zum Teil auch zu Hause über Kopfhörer, aber es fühlt sich natürlich nicht ansatzweise so an, als würden wir zusammen – am besten noch mit Publikum – Musik machen.

Beruflich habe ich derzeit keine Ängste. Es sind vielmehr familiäre Sorgen, die mich umgeben. Wenn man Familie hat, gehen Ängste da automatisch mit einher. In jungen Jahren war das anders. Vor allem in den Siebzigern und Achtzigern. Damals war alles etwas unbeschwerter, wir waren unbedarft. Ich habe das Gefühl, wir haben früher mehr Ideen entwickelt, obwohl wir weniger Möglichkeiten hatten. 

 

Kleine Momente

 

Naja, woran das wohl liegt? Vielleicht an der allgemeinen Verblödung. Daran, dass viele nicht mehr hungrig sind, Kinder schon in der Schule überinformiert werden und dadurch kaum noch etwas selbst erfahren. Vieles wird ihnen abgenommen und vorgekaut, so schleift man sie glatt. Dabei sind Menschen mit Ecken und Kanten doch viel interessanter.

Womöglich stimmt mich die aktuelle Lage aber auch pessimistisch. Ich habe trotzdem viele winzige Freuden. Letztens saß ich in meiner Pause am Jungfernstieg und dann setzte sich da ganz frech ein Spatz neben mich. Ich habe ihn mit meinen Brotkrumen gefüttert und dachte: Das ist ja stark. Der kennt mich überhaupt nicht, irgendwie war es goldig. Das sind so kleine Momente, die man auch erkennen muss. Da sind wir nur leider wieder bei einem unserer Probleme. Wir sind oft programmiert und denken nur in unseren eigenen Bahnen.

Genau deswegen mache ich Musik, um dagegen anzukämpfen. Sie bricht so ein Denken auf. Google doch mal Rockhaus Hamburg, wenn du zu Hause bist.“


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