SZENEzeigen, Niels: „Hamburg hat ein enormes Potenzial“ (Foto: Vito Avantario)

Niels: „Hamburg hat ein enormes Potenzial“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Niels begegnet.

Protokoll: Kevin Goonewardena

 

„In den 1990er-Jahren dachte ich, ich würde den Rest meines Lebens in Berlin verbringen. Dann bekam ich einen Job bei einer Zeitung in Hamburg, die Freundin war weg, alles war doof und aus zwei Jahren Hamburg sind mittlerweile 23 Jahre auf St. Pauli geworden. Hier habe ich erfahren, welch enormes Potenzial diese Stadt hat. Ein Potenzial, das sich in Diversem widerspiegelt: Wie in den Netzwerken ‚Recht auf Stadt‘, ‚Es regnet Kaviar‘, bei den Park-Fiction-Leuten, dem CentrO Sociale und vielem mehr. Alle waren in den 2000er-Jahren vom Konzept der ‚wachsenden Stadt‘ unter den verschiedenen Beust-Senaten angepisst. Sie wollten sich gegen die Art und Weise des Wachstums und den damit einhergehenden Begleiterscheinungen, die unter dem Begriff Gentrifizierung abgeheftet werden, wehren.

 

Der Klang nach mehr

 

Bei dem Gründungstreffen von ‚Recht Auf Stadt‘ im Jahr 2009 wurde der Begriff auch gleich neu geframet. Es hieß nicht mehr ‚Gegen Gentrifizierung‘, sondern ‚Für das Recht auf Stadt (für alle)‘. Niemand wusste, was das eigentlich heißen soll. Aber es klang nach einer besseren, gerechteren und sozialeren Stadt.
Jetzt, zwölf Jahre später, sind wir um diverse Erfahrungen reicher. Was das Mitspracherecht für alle angeht, empfinde ich Hamburg als lernresistent: Wer am lautesten schreit, bekommt zwar manchmal etwas zugesprochen, wie beim Gängeviertel oder beim Abriss der Esso-Häuser. Aber kaum ist so was dann durch, sagen viele in der Politik: ‚Das muss aber eine Ausnahme bleiben.

 

Das Fab City-Projekt

 

Man packt Hamburg am besten immer dann, wenn sich die Stadt im Wettbewerb mit anderen befindet oder wenn die Leute das Gefühl haben, man könnte was machen, was noch keine deutsche Stadt gemacht hat. Wie etwa das Fab City-Projekt. Dabei geht es darum, dass eine Stadt dahin kommen soll, für fast alles selbst zu sorgen, was die Menschen benötigen. Es wird nichts importiert oder exportiert, nicht einmal Müll. Das ist eine krass utopische Vision für 2054. Wir sind mit dem Fab Lab im Oberhafen ein Teil der Initiative. Mit Spenden und eigenem Geld haben wir uns in den letzten zehn Jahren einen Maschinenpark aufgebaut.

 

Man muss sich nicht mit allem zufriedengeben

 

Als wir 2014 mit einem 3-D-Drucker vier Wochen lang Open-Source-Handys gebaut, sind die Leute da voll drauf angesprungen. Dabei wurde mir klar, dass man Leuten manchmal auch eine Idee geben muss. In Hamburg läuft in diesem Punkt noch einiges falsch, aber es gibt ein enormes Potenzial. Was könnte Hamburg für eine Stadt werden? Was können wir anschieben? Wo beißen wir uns die Zähne aus? Diese Fragen bewegen mich. Es gibt genug Sachen, mit denen man sich nicht zufriedengeben muss. Und manchmal kommt man auch wie die Jungfrau zum Kinde, wie bei meiner anderen aktuellen Baustelle: Ich habe im letzten Jahr das Barkombinat mitgegründet.“


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