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Vladimir: „Ich dachte, ich gehe zurück nach St. Petersburg“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Vladimir begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Ich verstehe es so: Menschen haben Fragen. Und ein Leben lang bekommen sie auf die gleichen Fragen Antworten. Manchmal sind es die gleichen Antworten, oft sind sie auch unterschiedlich. Die Fragen sind aber immer gleich. Ich habe es für mich umgedreht und glaube, es kommt nicht auf die Antworten an, sondern ich versuche, die richtigen Fragen zu suchen.

Vor zwei Jahren bin ich Papa geworden. Seitdem kommen immer wieder Erinnerungen meiner Kindheit zurück. Ich denke an die Zeit früher in Russland, wie ein Loop kommt es mir vor. Durchs Vatersein habe ich ein neues Gefühl für Zeit bekommen.

Ich bin Ingenieur, meine Frau ist Chirurgin, eigentlich denkst du, du hast zwischen Beruf und Ehe für ein Kind gar keine Zeit. Und dann ist es auf der Welt und nimmt 90 Prozent deiner Zeit ein. Alles andere ordnest du dem unter. Es ist ein anstrengendes, aber schönes Zeitproblem.

 

17 Jahre später

 

Meine Frau und ich sind Kitesurfer und Snowboarder. So haben wir uns auch kennengelernt: Im Schnee in Tschechien. Seitdem wir Eltern sind, schaffen wir den Sport nur noch selten. Wir freuen uns beide darauf, irgendwann zu dritt in die Berge oder ans Meer fahren zu können.

Für Freunde bleibt momentan ebenso kaum Zeit. Auch meine Heimatbesuche sind weniger geworden. Ich komme aus St. Petersburg, dort leben meine Eltern, meine Schwestern und viele Freunde. Als ich vor 17 Jahren nach Hamburg gekommen bin, dachte ich, ich bleibe hier für ein, zwei Jahre und dann geht’s zurück. Jetzt ist es mein Zuhause geworden. Und mein Sohn Nikita ist ein echter Hamburger. Die Frage, wie ich glücklich werde, habe ich mir damit beantwortet.“


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