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03.09. | Film | Corpus Christi | Blankeneser Kino

Dieses Gesicht wird man so schnell nicht vergessen. Mit seinem stechenden Blick und seinem fast totenkopfartigen Schädel hinterlässt der Protagonist von Jan Komasas drittem Spielfilm einen bleibenden Eindruck. Entschlossenheit spricht aus seinen markanten Zügen. Gleichzeitig wirkt der 20-jährige Daniel (Bartosz Bielenia), der im Zentrum einer von wahren Begebenheiten inspirierten Hochstaplergeschichte steht, aber auch wie ein Getriebener.

Zu Beginn führt uns der Regisseur in den rauen Alltag einer Jugendstrafanstalt ein. Eben hier hat der junge Mann zu Gott gefunden und greift dem Gefängnispfarrer nach besten Kräften unter die Arme. Daniel möchte selbst den Priesterweg einschlagen. Ob seiner Vorstrafen stehen die Aussichten jedoch denkbar schlecht. Als er den Knast verlassen darf und auf die Wiedereingliederung vorbereitet wird, tut sich plötzlich eine verlockende Gelegenheit auf: In einer kleinen Gemeinde kann er sich erfolgreich als Geistlicher ausgeben und schafft es tatsächlich, vorübergehend den Posten des amtierenden Seelsorgers zu übernehmen.

Diese Ausgangslage hätte den Boden für eine heiter-anspruchslose Verwechslungsposse bereiten können. Jan Komasa verfolgt mit seiner preisgekrönten Arbeit allerdings andere Ziele. „Corpus Christi“ ist ein mit kleinen humoristischen Pointen garniertes Drama, das von der Suche nach Erlösung und dem Umgang mit Schuld erzählt. Mit eher nüchternem Blick nähert sich die Kamera Daniels Schwindel, der in der durch ein traumatisches Ereignis zerrissenen Dorfgemeinschaft nach und nach heilende Kräfte freisetzt. Der Film spielt mit der Frage, ob die Betrügereien der Hauptfigur auffliegen, ist aber nicht in konventionellem Sinne auf Spannung getrimmt. Intensität gewinnt das Geschehen auf der Leinwand vor allem durch den elektrisierenden Auftritt von Bartosz Bielenia, der für seine ebenso mitreißende wie facettenreiche Performance während der Berlinale 2020 als einer von zehn europäischen Shooting Stars ausgezeichnet wurde. Der Überraschungsfilm ist sogar für den Oscar als Bester internationaler Spielfilm nominiert worden.

/ Christopher Diekhaus

Blankeneser Kino 
3.9.2020, 20:15 Uhr


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