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06.08. | Film | Irresistible // Unwiderstehlich | CinemaxX Dammtor

Donald Trump hat es auch des­halb ins Weiße Haus geschafft, weil die Demokraten um Präsidentschaftsanwärterin Hil­lary Clinton es nicht verstan­den, große Teile der Landbevölkerung und deren Nöte zu adressieren. Eben diese Feststel­lung dient dem Comedy­-Experten und ehemaligen „The Daily Show“­-Moderator Jon Stewart als Ausgangspunkt für seine zweite Regiearbeit.

Sein alter Weggefährte Steve Carell, der 2018 in der ebenso klugen wie unterhaltsamen Dick-­Cheney­Biografie „Vice – Der zweite Mann“ als Donald Rumsfeld zu sehen war, spielt in „Irresistible“ den Wahlkampf­strategen Gary Zimmer, den es in das fik­tive Kaff Deerlaken in Wisconsin verschlägt. Dort lebt der pensionierte Colonel Jack Hastings (Chris Coo­per), dem ein beherzter Auftritt während einer Stadtratssitzung You­Tube-­Berühmtheit ver­schafft hat. Um die Demokraten für die Menschen auf dem Land wieder attraktiv zu machen, will Gary den Veteranen zum neuen Bürgermeisterkandidaten auf­bauen, stößt dabei jedoch sehr schnell auf größere Hindernisse. Nicht zuletzt kommt ihm seine republikanische Widersacherin Faith Brewster (Rose Byrne) in die Quere.

 

 

Blanker Zynismus, feh­lender Respekt, billige Propa­ganda, aufpeitschende Medienberichte, die Macht des Geldes und dahinsiechende Regionen – Stewart geht in seinem neuen Film viele brisante Themen an und zeichnet, lagerübergreifend, ein trauriges Bild des politischen Systems in den Vereinigten Staaten.

Stellenweise gelingen ihm spannende Einsichten, bei de­nen einem manchmal das La­chen im Halse stecken bleibt. Immer wieder setzt der Re­gisseur aber auch auf plum­pen Klamauk und Vereinfa­chungen, die dem Geschehen die satirische Schärfe rauben. Deutlich zutage treten die Ver­säumnisse des Drehbuchs mit einem Twist im Schlussdrittel, der aus heiterem Himmel über das Publikum hereinbricht. Die Bewohner der Provinz, denen die Hauptstadtvertreter Gary und Faith in vielen Momenten herablassend begegnen, hätten angesichts der Wendung zwin­gend etwas mehr Entfaltungs­raum erhalten müssen.

/ Christopher Diekhaus

CinemaxX Dammtor
6.8.2020, 20 Uhr


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