(1.1.) Film, „The Killing of a Sacred Deer“, Abaton, 19:30 Uhr

Der Grieche Yorgos Lanthimos ist nicht gerade für leicht zugängliche Unterhaltungskost bekannt. Auch sein erster englischsprachiger Spielfilm „The Lobster“ von 2015 zeichnete sich durch eine merkwürdige Atmosphäre und absurde Humoreinlagen aus. Nicht weniger mysteriös und bizarr geht es in seiner neuen Regiearbeit „The Killing of a Sacred Deer“ zu, die er gemeinsam mit seinem Stammautor Efthymis Filippou konzipiert hat. Angespielt wird im Titel auf die Euripides-Tragödie „Iphigenie in Aulis“, deren Prämisse Lanthimos als Inspiration für eine eigenwillige, beklemmende Rachegeschichte dient.

Im Mittelpunkt der stets etwas entrückt anmutenden Handlung steht der Herzchirurg Steven (Colin Farrell), der mit seiner Gattin Anna (Nicole Kidman) und seinen Kindern Kim (Raffey Cassidy) und Bob (Sunny Suljic) ein Bilderbuchleben zu führen scheint. In seiner Freizeit trifft er sich regelmäßig mit dem undurchsichtigen Teenager Martin (Barry Keoghan), wobei erst nach und nach klar wird, dass die beiden ein unheilvolles Ereignis verbindet. Eines Tages wagt sich der junge Mann aus der Deckung und fordert den verblüfften Steven auf, ein schreckliches Opfer zu bringen.

Eine unfassbare Bedrohung

Irritationen ruft Lanthimos schon durch die häufig seltsam monotonen, emotionsbereinigten Dialoge hervor, die, gepaart mit ungewöhnlichen Bildkompositionen und schaurig-schrägen Klagetönen, eine unheimliche Stimmung entstehen lassen. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die rational nicht zu fassende Bedrohung, der sich Steven und der Zuschauer urplötzlich ausgesetzt sehen. Wirkt der Mediziner anfangs noch etwas lethargisch, verliert er nach Martins ungeheuerlicher Forderung mehrfach die Fassung, während der Jugendliche eine souveräne, gottgleiche Position einnimmt.

Langsam, aber unerbittlich treibt das Drehbuch den Chirurgen in die Enge und erlaubt sich dabei immer wieder Ausflüge in schwarzhumorige Gefilde – etwa dann, wenn Steven sein Dilemma durch ein Gespräch mit dem Schulleiter seiner Kinder zu lösen versucht.

/ Christopher Diekhaus / Foto: Alamode Film

Abaton
1.1.18, 19:30 Uhr