(1.11.) Theater, „Szenen einer Ehe“, Ernst Deutsch Theater, 19:30 Uhr

Ingmar Bergmans Paarstudie „Szenen einer Ehe“ war in den 70er-Jahren ein Skandal. Sie ist auch heute noch eine deftige Kritik an der Institution Ehe.

Die Rechtsanwältin Marianne und der Naturwissenschaftler Johan sind seit zehn Jahren verheiratet – scheinbar glücklich. Doch schon in der ersten der „Szenen einer Ehe“ kündigt sich das Scheitern ihrer Ehe an. Es ist zunächst Marianne, die gern an der starren Enge und Routine etwas ändern möchte, aber sich von Johans Desinteresse schnell entmutigen lässt. Allzu deutlich orientiert sich Regisseur Harald Weiler in seiner Inszenierung an den Dialogen und den Protagonisten des gleichnamigen Spielfilms von 1973. Regisseur Ingmar Bergman sorgte damals mit seiner deutlichen Kritik an der heiligen Institution Ehe und durch die offene Thematisierung der Sexualität für einen Skandal.

Trotz ihrer frischen, unabhängigen Ausstrahlung kann Nele MuellerStöfen als Marianne sich nicht von dem berühmten Vorbild Liv Ullmann absetzen und im Stück ein eigenes Profil entwickeln. Besonders aber die Rolle des Johan (Kai Scheve) lässt wenig Spielraum. Das ist eine vertane Chance, denn so wirkt es als hätte sich in der Beziehungsdynamik in den letzten vierzig Jahren gar nichts verändert.

Fehlende Gefühle

Und auch der zermürbende Rosenkrieg auf der Bühne, der einsetzt als Johan seine Frau wegen einer jungen Studentin verlässt, kann weder mit dem großartigen Psychodrama des schwedischen Kultregisseurs noch mit seiner damals auf den Film folgenden sechsteiligen Fernsehserie mithalten. Dem Stück im Ernst Deutsch Theater fehlen leider die interessanten Gefühlshöhen und -tiefen. Diesen Geschlechterkampf sollte man sich lieber wieder einmal im Original anschauen.

/ Angela Kalenbach / Foto: Joachim Gern

Ernst Deutsch Theater
1.11.17, 19:30 Uhr 

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01. November 2017
20:09
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