(1.4.) Kunst, Armin Chodzinski, Galerie im Marstall Ahrensburg, ab 11 Uhr

Schon früh rüttelte der Künstler an den Pforten der deutschen Wirtschaft: Armin Chodzinski muss ins Management hieß sein Projekt. Tatsächlich: Irgendwann nach Ende seines Braunschweiger Kunststudiums brachte er es zum Assistenten der Geschäftsführung bei Spar. Und obendrein hat er in dem Fach mit dem schönen Namen Anthropogeografie über das Verhältnis von Kunst und Wirtschaft promoviert.

Heute arbeitet Chodzinski als Künstler, Autor und Performer, ist aber auch noch als künstlerischer Beirat für Unternehmen tätig. Er setzt seine Gratwanderung zwischen Ästhetik und Ökonomie also fort. Auch mit seiner neuesten Ausstellung. Den großen Saal des Marstalls in Ahrensburg kleiden Blätter aus: Texte in ordentlichen Linien, die frei assoziierend in einem Prozess automatischen Schreibens entstanden sind, und kühle, kristalline Zeichnungen, die Organigrafen gleichen: also einem derzeit beliebten Managementtool, das Unternehmensprozesse grafisch darstellt.

Die zahllosen Manuskripte und Grafiken bezeugen eine fast manische Sehnsucht nach Welterfassung, Überblick, Verstehen – und das Unzureichende dieser Anstrengungen. Auf Scheitern verweisen auch mit Zeichnungen überzogene Paneele, die aus einer Raumecke hervorquellen wie im Hinabgleiten eingefrorene Eisschollen – was wie ein absichtlich müder Abglanz von Caspar David Friedrichs Eismeer wirkt. Am Eröffnungsabend ließ eine Nebelmaschine darunter ihre schön verunklarenden Schwaden hervorquellen und den Betrachter zum Wanderer über dem Nebelmeer werden.

Romantische Ironie

Mit dem Ausstellungstitel „Eismeer und Nebelwanderer“ verweist der Künstler ganz direkt auf den romantischen Meistermaler. Und Chodzinski geht noch weiter: Was der Romantik die Landschaften waren, seien dem 21.Jahrhundert die Organigrafen. Was der Romantik die Erhabenheit der Natur war, wären dann der Gegenwart die Versprechen und Schrecken der Wirtschaft?

Schwer zu fassen sind Chodzinskis Verknotungen von Kunst und Wirtschaft bestimmt. Sinnvoll sind sie vielleicht, weil die Relativierung von scheinbaren Gewissheiten, die der ästhetischen Sphäre eignet, auch der ökonomischen gut tut. Aber vielleicht versteht man das alles ja am ehesten, wenn man sich an Friedrich Schlegels romantische Ironie hält: an das „Erstaunen des denkenden Geistes über sich selbst, was sich oft in ein leises Lächeln auflöst“.

/ Karin Schulze / Foto: Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn, Hayo Heye

Galerie im Marstall Ahrensburg
1.4.18, 11-17 Uhr