(11.4.) Lesung: “Unterleuten” von Juli Zeh, Rolf Liebermann Studio, 19.30 Uhr

Auf den ersten Blick ist „Unterleuten“ ein verschlafenes Dorf in Brandenburg, in dem ein paar Berliner nach der Wende ihren idyllischen Traum vom Landleben abseits der Großstadthektik verwirklichen. Als nahe der Ortschaft ein Windpark errichtet werden soll, brechen alte Streitigkeiten zwischen den Bewohnern wieder aus. Und neue entstehen – zwischen Westlern und Ostlern, Jung und Alt, Mann und Frau.

Wie eine Chorleiterin dirigiert Juli Zeh mühelos ihre zahlreichen und präzise beschriebenen Protagonisten: den Vogelschützer Gerhard mit seiner zwanzig Jahre jüngeren Frau Jule, die taffe Pferdeflüsterin Linda und den Computernerd Frederik sowie die ewigen Kontrahenten seit DDR-Zeiten: Kron und Gombrowski. In wechselnden Kapiteln erzählen über ein Dutzend Personen aus ihren Perspektiven. Deren Motive für oder gegen die geplanten Windräder beleuchtet die Autorin immer wieder neu – und so unterschiedlich die Ansichten ihrer Figuren auch sind, handelt doch jede von ihnen zutiefst egoistisch.

Zeh, die sich immer wieder zu politischen Themen äußert, analysiert nicht nur das „Unterleutner Soziotop“. Der 41-jährigen Juristin und Schriftstellerin gelingt mit ihrem neuen Roman eine facettenreiche Gesellschaftskritik, die einen gleichzeitig erschauern und schmunzeln lässt. (KAL)

Rolf Liebermann Studio
Oberstraße 120
11.4., 19.30 Uhr

Foto: Manfred Witt