(18.10.) Film, „The Square“, Abaton, 20 Uhr

Der smarte Christian (Claes Bang), Chef-Kurator des renommierten „X-Royal-Museum“ in Stockholm, sucht unablässig nach modernen, gesellaftschaftlich relevanten Exponaten für seinen „Kunst-Palast“. Sein neuester Coup ist die Konzept-Installation „The Square“: Ein ins Kopfsteinplaster des Museumshofes eingelassenes Quadrat, das demjenigen, der es betritt, moralischen Schutz garantieren und das schwindende Vertrauen in die Gemeinschaft hinterfragen soll.

Als öffentliche Figur ist Christian cool und witzig, seine Statements immer „tongue-in-cheek“, ein lässiger Dandy, der sein dankbares Publikum mit charmant verklausulierten Kunstkatalog-Worthülsen benebelt. Doch hinter der Maske des kritischen Kosmopoliten verbirgt sich ein versnobter Tesla-Fahrer und knallhart kalkulierender Geschäftsmann. Ein privater Rachefeldzug, den er anzettelt, bringt ihn alsbald in Schwierigkeiten. Als ihm dann auch noch eine aus dem Ruder gelaufene Social-Media-Kampagne um die Ohren fliegt, muss er um seinen Job bangen.

Eine filmische Wundertüte

Östlunds Film funktioniert selbst wie ein überbordendes Museum: Man wandelt staunend von Szene zu Szene, jede für sich ein Puzzleteil in der ideenreichen Generalabrechnung mit dem abgehobenen Kunstbetrieb. Auch das blasierte Stockholmer Vernissagen-Publikum kriegt ordentlich einen mit. Die filmischen Grenzen zwischen „lustig“ und „beklemmend“ werden lustvoll ausgelotet, wenn beispielsweise zuerst ein Catering-Chef die Beherrschung verliert, dann ein Tourette-Patient ein prätentiöses Künstler-Interview sprengt und schließlich, im markerschütternden Finale furioso, ein furchterregender Primat ein Gala-Dinner attackiert. „The Square“ ist eine filmische Wundertüte: mal satirisch, mal surrealistisch, mit einem am Ende seltsam veränderten Helden… Oder ist Christians Läuterung wieder nur „Kunst“?

Die Urheberin der titelgebenden „Square“-Installation wird im Film nur kurz genannt, ihr Name geht völlig unter. In den unendlichen, alles übertönenden Redeschwällen von Kuratoren, PR-Strategen und übersättigtem Publikum bleibt der eigentliche Künstler bloße Randnotiz. Die Goldene Palme gab’s in Cannes dennoch. Und zwar verdient.

/ Calle Claus / Foto: Alamode Film

Abaton
18.10.17, 20 Uhr