(24.1.) Film, „Die dunkelste Stunde“, Passage Kino, 20 Uhr

Dünkirchen, die zweite: Im Sommer sahen wir die Schicksalsschlacht des Zweiten Weltkriegs in Christopher Nolans „Dunkirk“ über die Leinwand tosen, nun kommt das perspektivische Pendant aus Großbritannien: „Die dunkelste Stunde“ von Joe Wright. Den Fokus legt das Geschichtsdrama auf den genialen Geist hinter der unfassbaren Evakuierungsaktion „Operation Dynamo“ – Premier Winston Churchill.

1940. Die Deutschen fallen in Frankreich ein. 400.000 alliierte Soldaten sitzen in der nordfranzösischen Hafenstadt Dünkirchen fest. Meanwhile, im Vereinigten Königreich: Churchill, als Premier und Mensch kurz vor der schwersten Entscheidung seines Lebens. Die Lage scheint ausweglos, Dünkirchen verloren, die Kapitulation vor Hitler unvermeidlich. Churchill gibt sich kämpferisch, niemals soll die Hakenkreuzfahne in England wehen. Doch der Staatschef hat in der Krise mächtige Gegner in den eigenen Reihen, und auch dem König sind Churchills Reden vom Widerstand nicht geheuer.

Derber Humor und cholerisches Charisma

Die Chronologie der Geschichte gibt einiges an Spannung her, und Regisseur Joe Wright („Abbitte“) inszeniert sein schillerndes Denkmal mit brillantem Gespür für Timing und mal feinem, mal derbem Brit-Humor. Bei allem Ernst der Lage liegt der Pointen-Score nämlich erstaunlich hoch. Da stapft der Jahrhundertstaatsmann auch mal im Naturzustand durchs Bild, und ein Treffen mit King George (Ben Mendelsohn) artet in eine Verabschiedungsszene aus, die fast von Monty Python stammen könnte.

Stimmig wird das Ganze nicht zuletzt dank Gary Oldman. Als Vollblutpolitiker Churchill maskiert kaum zu erkennen, beweist der Oscar-Favorit einmal mehr Format. Jeden Raum füllt er lässig mit geschliffenen Worten, Zigarrenqualm und einem cholerischen Charisma, das dem markigen Premier alle Ehre macht. Als Winstons Stenotypistin glänzt Lily James mit würdevoll zurückgenommenem Spiel. Weitere Brit-Stars wie Kristin Scott Thomas und die exquisite Ausstattung sorgen für hohe Unterhaltungswerte, ohne die dramatischen Hintergründe zu verflachen. Fesselnd und very british.

/ Karin Jirsak

Passage Kino
24.1.18, 20 Uhr